HorrorskopVon Professor Dr. Ignatz Nägele, Universität Friedrichsroda Falls Sie es noch nicht wussten, liebe Leser, es gibt zwei Arten (auf das Stenbild bezogen, natürlich) von Steinböcken. Der Bock der ersten Art ist ein trittsicherer Kletterer mit Nerven wie Drahtseilen und meist (aber nicht immer) männlich. Die zweite Art besteht oft aus zahmen Geißböcken (oder Böckinnen), die glücklich sind, jahraus - jahrein am selben Pflock festgebunden zu sein. (bildlich gesprochen) Allein der Gedanke, etwas Neues auszuprobieren, ist ihnen unerträglich. Diese Art ist meist (aber nicht immer) weiblich. Ein gutes Beispiel für beide Arten ist im naturkundlichen Museum der Stadt Grevenbroich ausgestellt. Gegossen in Acryl befindet sich dort in einem besonders abgeschirmten, und für Kinder nicht zugänglichen Raum eine Steinbock-Frau, die im Jahre 1958 dem Drängen ihres Gatten (Steinbock der ersten Art) nachgab, und, nur widerwillig und unter sanftem Druck des Gemahles, nach dem Zubettgehen etwas bisher Unbekanntes, Neues ausprobierte. Die kuriosen Verrenkungen, die der Mann seiner Frau abverlangte, sowie die Angst und Abscheu vor alles Neuem, führten bei der Regalfacheinräumerin zu unkontrollierbaren Verkrampfungen, aus denen sich ihr Gatte, obwohl ein trittsicherer Kletterer, nicht mehr befreien konnte. Sie verhungerte, er verdurstete. Gemeinsam sind sie nun in diesem Museum zu besichtigen. Zugegeben, ein krasses Beispiel. Die Steinbock-Frau der ersten Art ist eine geborene Führungskraft, wobei diese Bezeichnung doppeldeutig sein kann. Eine frisch getraute Steinböckin veranlasste ihren Erst-Gatten mit Zähigkeit und körperlicher Gewalt dazu, seinen erlernten Beruf als Sanierungsassistent (städtische Teiche von Schlamm und Müll befreien) aufzugeben, um eine Ausbildung zum Landschaftsarchitekten zu machen. Nach gelungenem Studium, welches sie strengstens überwachte, gründete er ein eigenes Unternehmen und war zunächst erfolgreich. Schließlich jedoch führte* die ungezügelte Kaufkraft der Frau dazu, dass sie das Unternehmen ihres Gatten in die Insolvenz führte*, was wiederum dazu führte*, dass sie sich einem anderen Herrn zuwandte. (führte* = Führungskraft) Daher stammt auch der Ausdruck: Man muss die Männer nehmen, wie sie sind - man soll sie aber nicht so lassen. Der Steinbock-Mann der zweiten Art ist oft schlicht im Geiste. Der Chef einer kleinen Elektro-Firma war mit seinem Gesellen, der gleichzeitig auch sein Sohn war, bei einem Kunden, um einen Elektroherd anzuschließen. Der Meister befand sich mit seinen Fingern gerade in einer Steckdose, als der Sohn fragte, ob er den Strom wieder einschalten solle, worauf der Vater entgegnete: „Um Gottes willen, warte noch ´ne Sekunde.“ Der Geselle wartete exakt eine Sekunde und legte den Sicherungsschalter, sowie den Meister um. Das Gericht plädierte nicht, wie von der Verteidigung beantragt, auf Unfall, sondern auf Erbschleicherei in Tateinheit mit grobem Unfug. Da der Angeklagte aber ein Steinbock der zweiten Art war, ließ der Richter Milde walten, und verurteilte den jungen Mann lediglich zu zehn Sozialstunden im örtlichen Tierpark. Dort lebt der Mann allerdings noch heute im Freigehege mit einer Steinböckin. Natürlich wäre es ungerecht, zu behaupten, dass alle Steinbock-Geborenen solch extreme Verhaltensweisen an den Tag legen. Die meisten von ihnen sind eher unauffällig und langweilig, erst recht die der zweiten Art. Schließlich scheuen sie jegliche Form von Veränderung, was sich natürlich auch auf das Zusammenleben mit dem Partner bezieht. Daher gibt es bei Ehepaaren, die im Zeichen des Steinbock geboren wurden, extrem wenig Ehescheidungen. Auch Todesfälle werden kaum verzeichnet . . . was natürlich, im schlechtesten Fall, darauf hinweisen könnte, dass Todesfälle innerhalb der Partnerschaft einfach nicht zu Kenntnis genommen werden. Das würde auch die wissenschaftlich erwiesene Tatsache erklären, dass in Steinbock-Partnerschaften äußerst fragwürdige hygienische häusliche Verhältnisse festgestellt wurden. |
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