RückblickMusikalisches Highlight aus New York: The Holmes BrothersBeeindruckende Leistung jenseits des Rentenalters Da hat das Team der Kulturwerkstatt wieder ein gutes Händchen gehabt, denn zum Abschluss einer Konzert-Saison ist es den Veranstaltern immer gelungen, ein Highlight als Krönchen auf das Jahresprogramm zu setzen. Diesmal waren es THE HOLMES BROTHERS, ein Blues-, Soul- und Gospel-Trio aus New York City. Die Brüder Wendell und Sherman Holmes sowie ihr Cousin Willie „Popsy“ Dixon sind in den USA inzwischen richtige Berühmtheiten geworden, und mit ihrem aktuellen Album „Simple Truth“ in die Garde der „W.C.Handy-Award“-Gewinner aufgenom-men worden. Das ist der „Oskar“ der Bluesmusik. Vor etwa einem Jahr standen sie gemeinsam mit Keith Richards, Bob Dylan, Merle Haggard und Willie Nelson anlässlich dessen 70sten Geburtstages in Los Angeles auf der Bühne, nun machten die drei schwarzen Künstler im Rahmen ihrer Deutschland-Tour am Samstag, den 3. Dezember Station im HoppeGarden der Kulturwerkstatt. Alle drei bereits Ende sechzig, trugen die sympathischen Musiker gutgelaunt am Nach-mittag ihr überschaubares Equipment eigenhändig in den HoppeGarden, schlossen ihre Instrumente an und machten einen zehnminütigen Soundcheck - fertig. (So machen´s die Profis) Anschließend gingen sie in ihr Hotel und ruhten sich von den Strapazen der langen Reise etwas aus, denn am Vorabend gastierten sie in Kiel. Auch diesmal waren, wie bei jedem „Top-Act“, wieder sehr viele Zuschauer aus anderen Städten in den HoppeGarden gekommen. Kfz-Kennzeichen von Oberhausen, Castrop-Rauxel, Essen, Düsseldorf, Duisburg und Aachen, sowie etliche Kartenvorbestellungen von außerhalb wiesen darauf hin. Nuja, woher die Gäste kommen ist schließlich egal, Hauptsache, sie sind da. Und etwa hundertfünfzig Zuschauer konnten schließlich ein Konzert der Extraklasse erleben, denn THE HOLMES BROTHERS boten eines der eindruckvollsten Konzerte der letzten Jahre. Man bedenke, es sind nur drei Musiker, Wendell Holmes spielt Gitarre und Piano, Sherman Holmes spielt Bass und Willie „Popsy“ Dixon sitzt an den Drums - und alle drei singen! Sehr gute Instrumentalisten sind sie ohnehin, aber ihre Stärke liegt beim Gesang. Selten konnte man so perfekte Vocal-Sätze hören wie bei diesen Künstlern aus New York. Vor allem natürlich die langsamen Balladen („If I Needed You“, „I´m So Lonesome“) glänzen durch die wunderschönen Stimmen der Drei. Die einzigartige Falsett-Stimme von Popsy Dixon gleicht gar einem „Engelsgesang“ (Publikumsstimmen) und auch Wendell und Sherman müssen sich hinter ihren Kollegen wie z.B. Ray Charles oder Lionel Ritchie wirklich nicht verstecken. Aber auch die schnellen Blues- oder Coun-try-Songs wie „Shine“ oder das unverwüstliche „Big Boss Man“ sind „Fußwipper“ und „Fingerschnipser“, da kann man gar nicht anders. Das Publikum war hingerissen von dem Charme und der unglaublichen Bühnenpräsenz der drei begnadeten Musiker. Als besonders gelungene Einlage kann man auch den Gastauftritt von Gaynel Hodge bezeichnen, der mit „Stormy Monday Blues“ eine beeindruckende Probe seines Könnens gab. (Spielte im Dezember Piano in „Harvey´s Bar“ - siehe Willi-Artikel „Geschichten am Rande“). Ein weiterer Song mit Ohrwurm-Garantie - „Hey Baby“ wer kennt ihn nicht (auch von Dj Ötzi - brrrr) und ein Augen- und Ohrenschmaus war die mit viel Humor und Augen-zwinkern präsentierte Oklahoma-Hymne „I´m proud to be an Oakie from Muskogee“, einst von Country-Legende Merle Haggard geschrieben. Nach einer kurzen Pause boten THE HOLMES BROTHERS erneut Unvergleichbares und bewiesen eindrucksvoll, dass farbige Bluesmusiker, außer dass sie geniale Stimmen und Feeling haben, gleichzeitig auch noch perfekte Instrumentalisten sein können. Erst nach vier Zugaben durften die vitalen älteren Herren die Bühne verlassen, und wer weiterliest, wird auch erfahren, wie’s weiterging . . ! Geschichten am Rande: Hamm - Nabel der WeltNebensächliches von Ulrich Holesch Die Welt ist klein, ich hab’s schon immer gewusst. Erst recht im Jahrhundert der „Globalisierung“. Am Rande des fantastischen Konzertes der HOLMES BROTHERS im HoppeGarden der Kulturwerkstatt ereignete sich eine heitere überraschende Begebenheit. Wie in jedem Jahr hatte Meilen-Gastronom Wolfgang Witteborg auch in diesem Dezember wieder einen Pianisten in seine „Harvey´s Bar“ eingeladen, der die Gäste allabendlich (außer sonntags) unterhalten soll, und zwar den US - Entertainer Gaynel Hodge aus Los Angeles. Im selben Hause, also im „Hotel Stadt Hamm“, logierten Wendell und Sher-man Holmes und Cousin Willie „Popsy“ Dixon - The Holmes Brothers. Die leben in New York, sind aber geboren und aufgewachsen in Virginia/ USA. Und wie es der Zufall (oder das Schicksal) will, die Musiker kannten sich und trafen sich, völlig überraschend, ausgerechnet in der westfälischen Provinz nach vielen Jahren wieder. Die Freude war riesig, und so war es auch nicht verwunderlich, dass Gaynel Hodge gegen 21.30 Uhr im HoppeGarden auftauchte und plötzlich mit den Holmes Brothers auf der Bühne stand, um einen sehr beeindruckenden „Stormy Monday Blues“ zu singen. (Foto unten) Ich dachte mir schon, was tut der hier, muss der nicht in „Harvey´s Bar“ am Piano sitzen? Plötzlich stand ein Keeper aus eben dieser Bar hinter mir und bat mich, mal mit vor die Tür zu kommen. Draußen wartete ein etwas verstimmter Wolfgang Witteborg in seinem Auto und meinte zu mir: „Uli, ich suche meinen Pianisten“. „Der steht bei uns auf der Bühne und singt mit den Holmes Brothers“, erwiderte ich, „komm ´rein und hör etwas zu.“ Verständlicherweise lehnte Witteborg ab und bat mich, Hodge von der Bühne zu zerren, damit er ihm den Kopf abreißen könne, denn schließlich sollte der bereits seit 21.00 Uhr hinter seinem Instrument sitzen, und der Laden sei rappelvoll. Ich ging zur Bühne und erklärte dem verdutzten Entertainer die Sachlage, worauf er meinte, heute sei Sonntag und er habe frei. Nachdem ich ihn davon überzeugen konnte, dass heute Samstag sei, stieg er in Witteborgs Wagen und ließ sich zu seinem Arbeitsplatz fahren. Nach dem Holmes-Brothers-Konzert fuhren wir mit unseren Musikern aus New York natürlich noch in „Harvey´s Bar“, Witteborg hatte Gaynel Hodge kein Haar gekrümmt und als Wiedergutmachung saß Willie „Popsy“ Dixon neben Hodge am Piano und sang mit ihm beeindruckende Duette bis zum frühen Morgen. Und Wolfgang Witteborg hatte seinen Pianisten auch wieder lieb. Eine Bank in der Sonne Wie ein schillernder Schmetterling flattert die ehemalige Schauspielerin Adrienne (Brigitte Grothum) zwischen dem kauzigen Burt und dem adretten Harold auf der Bühne im Kurhaus. Und - stört damit die heilige Eintracht der beiden, im Wesen und Charakter völlig unterschiedlichen, Senioren, die sich allmorgendlich im Park der Seniorenresidenz treffen, um im raschen Wechsel neben Altersweisheiten, Boshaftigkeiten auch mal Liebenswürdigkeiten austauschen. Ein alterndes Paar, das über die Zeitungsneuheiten hinweg über das ein oder andere Zipperlein klagt. Burt, der nicht wieder zu erkennende Horst Naumann, auch bekannt als gepflegter Arzt vom „Traumschiff“, schlurft in ausgelatschten Pantoffeln daher und hofft nach dem Mittagessen noch zu leben, um dann wieder auf der Bank Platz zu nehmen. Bademantel und Pyjama vervollständigen das Bild eines ungepflegten Alten, der scheinbar kein Interesse mehr an sich selbst hat. Achim Wolff hingegen brilliert als gepflegter Mittsiebziger, der der Liebe und Lust noch lange nicht abgeschworen hat. Einträchtig werfen sich der Griesgram und der Lebemann täglich Gemeinheiten an den Kopf und füllen so den Tag aus. Bis - ja bis Adrienne in seidenen Kleidern daher flattert und den beiden Männern gehörig den Kopf verdreht. Sie sorgt nicht nur in den Gedanken der Beiden für Unruhe, sondern wirbelt auch die Seniorenresidenz mächtig auf. Und auch Burt erwacht aus seiner Lethargie und will plötzlich Walzer tanzen lernen und Herold vergisst dann und wann sein Knieleiden. Spritzige Pointen, Slapstick und melancholische Momente würzen das Theaterstück von Ron Clark. Die Botschaft lautet, „alt werden wir alle, aber ob wir dann kauzig oder komisch oder beides werden, hängt hoffentlich von den Genen ab. Mit ein wenig Humor und ein bisschen Leidenschaft ist jedes Alter ganz nett. Die wunderbare, berührende Geschichte um Liebe und Freundschaft im Alter, die den drei Protagonisten Brigitte Grothum, Horst Naumann und Achim Wolff auf den Leib geschrieben scheint, sorgten für einen gelungenen Theaterabend. Pauline Pepper |
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