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Hand am Ohr

Europa hat gewählt:

Sieg für Finnlands Monster

Eine subjektive Betrachtung von Dieter Thomas Bohlen

Der „European Song Contest“ (früher hieß das auf deutsch: Grand Prix de Eurovision) ist gelaufen und mehr als 100 Millionen Menschen saßen vor dem TV-Heimgerät, um dieses riesige Spektakel zu erleben. Entweder, um „ihrem Song“ kräftig die Daumen zu drücken, um zuzusehen, wie ihr Nachbarland am mäßigen Punktestand scheitert, oder einfach nur, um sich zu ärgern. Das mit dem ärgern ist zumindest mir gelungen, denn was einem Millionenpublikum an diesem 20. Mai 2006 zugemutet wurde, ist schon eine starke Nummer. Natürlich ärgere ich mich zunächst ein bisschen darüber, daß Texas Lightning so weit hinten gelandet sind, denn „No No Never“ ist ein wunderschöner Song, ein Ohrwurm, von einer tollen Band gespielt und in Deutschland bereits verdientermaßen ein Hit. Natürlich habe ich nie angenommen, dass Deutschland auf dem ersten Platz landet, dafür war der Song einfach zu hochwertig, aber unter den ersten fünfen habe ich ihn schon vermutet. Dafür ist dann Lt United aus Litauen mit ihrem arroganten Titel „We are the Winners“ auf Platz 6 gelandet, aber vielleicht hat die Band ihren Song auch nicht ganz soo ernst genommen, wie einst Gildo Horn oder Stefan Raab. Deren Beiträge waren allerdings hervorragende Kompositionen! Nun ja, Ralf Siegel hat auch in diesem Jahr wieder verkackt, sein Song, interpretiert von Six4one (Schweiz) landete auf Platz 17, ein schlechter Komponist ist er deswegen aber noch lange nicht, obwohl seine Werke vielleicht ein wenig altbacken sind, denn die „Ein-bisschen-Frieden-Zeiten“ sind lange vorbei.

Was heutzutage von den verschiedenen Ländern ins Rennen geschickt wird, scheint jedenfalls hip zu sein (zumindest in diesen Ländern), allerdings kann ich nicht nachvollziehen, nach welchen Kriterien die Beiträge ausgesucht werden. Vielleicht geht es in erster Linie nach dem Aussehen der Interpretinnen und Interpreten, oder nach deren tänzerischen Fähigkeiten, stimmliche Qualitäten oder Tonsicherheit stand allerdings bestimmt nicht ganz oben auf der Liste. Ich erinnere mich an eine Dame, ich glaube, sie trug zunächst ein rotes Kleid, bevor sie dieses ablegte. Ihren Namen habe ich sofort nach ihrem Auftritt verdrängt, aber an ihren richtigen Ton, der ihr am Ende des  ersten Drittels ihres Songs gelang, kann ich mich noch gut erinnern. Respekt gnädige Frau, eine reife Leistung. Auch Frankreichs Beweggründe, den Song  „Il êtait temps“, gesungen (?) von Virginie Pouchain, beizutragen, konnte ich nicht so ganz nachvollziehen. Qualität gleich null, aber wenigstens ist das Liedchen nicht in der ersten Reihe gelandet, sondern auf Platz 22. Ich bin sicher, käme der Beitrag aus Osteuropa, er hätte es unter die ersten sieben geschafft. Meine Behauptung ist natürlich (wie mir auch der Herausgeber bestätigte) eine Frechheit, aber seht Euch doch mal die Reihenfolge der Sieger an. Wahrscheinlich nutzen die Menschen in diesem Teil unseres Kontinentes noch die Chance, wählen zu dürfen, während wir und unsere Nachbarländer von Wahlen aller Art die Schnauze gestrichen voll haben. (Lippesee-Abstimmung ausgenommen)

Aber so entsetzlich die Wettbewerbe der jüngeren Vergangenheit auch waren, die Sieger dieses Jahres, Lordi aus Finnland, toppen die Ärgerlichkeiten der letzten zehn Jahre. Sicherlich können sich Europas Hard-Rock-Freunde über einen Sieg ihrer Musik-Gattung freuen, aber war der Titel „Hard Rock Hallelujah“ denn überhaupt Hard-Rock? Und warum hat man dann nicht wenigstens eine guten Song ausgewählt, und warum diese alberne Verkleidung??? Oder waren das vielleicht gar keine Kostüme und Masken? Fragen über Fragen. Meine abschließende Frage lautet: Müssen wir uns an diesem Kokolores eigentlich noch beteiligen?



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