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Rückblick

Very Energizing: New Model Army

Kleiner Eindruck zum  Konzert im Maxi-Park, 06. Mai 2006 - von Mone Hartman

Lang von mir erwartet: Das NEW MODEL ARMY-Konzert am 06. Mai im Maxi-Park.

Nachdem mich die aus Bradford stammende Band in den 80er Jahren einige Male durch ihre energiegeladenen Konzerte überzeugt hatte, war ich gespannt, was die Jungs nun zwei Jahrzehnte später auf die Beine - oder besser: auf die Bühne - bringen würden. Dass

zumindest Kopf und Sänger Justin Sullivan 25 Jahre nach Bandgründung nichts von seiner musikalischen Kraft eingebüsst hat, hatte ich bereits auf der NMA-Ausstellungseröffnung im Glaselefanten im März diesen Jahres erlebt, wo Justin einige Stücke solo zur Akustikgitarre gespielt hatte. Er ist übrigens der einzige, der aus der Originalbesetzung der Band noch übrig ist. NMA, das sind heute neben Sullivan der Gitarrist Marshall Gill, Drummer Michael Dean, Bassist Nelson, und Key-boarder und Gitarrist Dean White.

Die Band ließ ein wenig auf sich warten, und ich konnte in Ruhe noch vier Bierchen vor dem Festsaal trinken. Freudig-erwartende Stimmung bei den Besuchern. Ein Blick durchs Publikum zeigte mir durchaus nicht nur Leute, die mitsamt der Band ins „gesetztere“ Alter gekommen waren: Die Musiker haben es ganz offenbar geschafft, auch zahlreiche jüngere Menschen in ihren Bann zu ziehen. - By the way: Reichlich idiotisch fand (nicht nur) ich, dass ausgerechnet im Fest- und Konzertsaal des Maxi-Parks ein Rauchverbot herrscht - dran gehalten hat sich an diesem Abend freilich niemand, im Gegenteil, hin und wieder waberten sogar Marihuana-Schwaden an mir vorbei… - Dann, plötzlich und ohne Ansage, standen NMA auf der Bühne und legten unvermittelt los. Zunächst spielten sie u.a. einige Stücke ihres aktuellen Albums „Carnival“. Die Stimmung im Saal war von Anfang an gut, viele Konzertbesucher um mich herum waren sehr textfest und konnten bei jedem Stück mitsingen; recht weit vorn an der Bühne,  direkt  vor uns, hatte sich übrigens die Künstlerin Joolz Denby, Sullivan’s Lebens- und Arbeitsgefährtin, unter die Fans gemischt und rockte ein paar Stücke lang kräftig mit. Witzig zu sehen, wie sie von dort unten „ihren Justin“ angehimmelt hat… der wiederum agierte gewohnt kraftvoll auf der Bühne, sicherlich sehr viel professioneller als vor zwanzig Jahren, aber ungebrochen leidenschaftlich: Unvergleichbare Stimme, zornige Gesten und wild aufgerissene Augen, die Zahnlücke- der Mann hat in den Jahren nichts von seinem Charisma verloren. Wirklich mitgerissen wurden die Besucher aber erst ab etwa der Mitte des Konzerts: Bei den ersten Klängen des NMA-Klassikers „51st State“ ging spürbar ein Ruck durchs Publikum, begeistertes Johlen, Klatschen, Tanzen, Mitsingen. Dass die Musiker verdammt viel Spaß bei ihrer „Arbeit“ dort auf der Bühne hatten, war offensichtlich; trotz ihrer nachdenklichen und kritischen Texte sind New Model Army niemals missmutig oder ‚depressiv’, im Gegenteil: Ihre Stücke sind rockig und sehr lebendig. Und wie ich es von NMA-Konzerten her kenne, ging auch an diesem Abend die freudige Funkensprühen der Musiker aufs Publikum über. Dann jagte ein NMA-Klassiker den anderen: „Vagabonds“, „Poison Street“, „No Rest“, „Green and Grey“, um nur einige zu nennen. Mir persönlich hat bei diesen älteren Stücken wie „Vagabonds“ die Geige gefehlt; überhaupt haben die Musiker, speziell Gitarrist Gill, einige Songs etwas anders interpretiert, als ich es von der Original-Besetzung her gewohnt war- zwei oder drei Stücke habe ich erst am Text/Gesang erkannt. Der Qualität hat das nicht geschadet: Die Stimmung im immer verschwitzteren Saal steigerte sich beständig,  das Publi-kum forderte drei Zugaben ein- als letztes spielte die Band ihr „Oh God I Love The World“, und dieser Titel spiegelt genau die Stimmung wieder, in die mich das Konzert gebracht hat: Bester Laune, trotz allgemeiner Weltlage irgendwie sehr zuversichtlich und very energized zog ich durch den Rest der Nacht, und diese Stimmung ließ sich ein paar Tage lang durch nichts vertreiben.

New Model Army spielen in diesem Sommer noch einige Male in Deutschland; die Termine sind auf der Band-Website angekündigt:
http://www.newmodelarmy.org


„The Preacher Man“

Reverend Rusty & The Case

„A Hard Working Band“ im HoppeGarden

Es war ja ´ne Menge los an diesem Samstag in Hamm. Das Bikertreffen am Allee-Center, die Vespa-Parade im Martin-Luther-Viertel, das Drachenbootrennen am Kanal und das Familienfest am Wilhelmsplatz im Hammer Westen. Ein krönender Abschluss konnte da das Konzert von Reverend Rusty & The Case im HoppeGarden der Kulturwerkstatt sein, wenn man, nach einem Tag voller Event-Stress, noch genügend Elan hatte, sich dem kraftvollen Tex-Mex-Blues-Rock einer rauhen, erdigen Band aus Texas zu stellen. Texas - nun ja, der Reverend Rusty Stone wurde zwar vor über einem halben Jahrhundert in Austin/Texas geboren, heute spricht er jedoch genau so gut mit bayerischem Akzent, obwohl er sein verwaschenes Texanisch noch nicht abgelegt hat. Auf einer Rock-Bühne klingt das eh´ interessanter. Wobei der Freistaat Bayern mit dem US-Staat Texas durchaus sehr viel Gemeinsamkeiten aufweist. (Was ist der Unterschied zwischen einer Jauchen-Grube in Texas oder einer in Nevada? - In Texas ist ein Sprungbrett dran.)

Sei’s drum, der Reverend kommt mit seiner Band also aus Bayern, was der Originalität seiner Musik aber absolut keinen Abbruch tut.

Die drei Jungs waren auf Tour, kamen aus Fehmarn, machten Station in Hamm und reisten weiter nach Erfurt, kein leichtes Leben, aber man ist ja Rock´n Roller.

Am Abend um 22.00 Uhr war von Müdigkeit keine Spur, mit einer Minimal-PA legten die Drei los, und das Publikum war beeindruckt, welch guter Sound sich aus einem kleinen Equipment zaubern lässt, wenn man weiß wie´s geht. Mit „Reverend Rusty is back in Town“, begrüßte Rusty Stone die etwa hundert Zuschauer und machte mit dem Instrumental „Take My Hand“ dem Publikum das Angebot, ihm und seiner Band durch einen abwechslungsreichen und spannenden Abend zu folgen. Mit Gitarre, Bass und Schlagzeug ließ der Reverend keine musikalischen Wünsche offen und bot, souverän und virtuos, echten authentischen  Texas-Blues-rock mit einem gehörigen Schuss Tequila-Tex-Mex-Blues. Und wie das bei einem Trio nun mal so ist, ohne eine kompetente Begleitung der Kollegen am Bass und Schlagzeug ist ein noch so perfekter Gitarrist (und sei es Hendrix) nix Wert. Aber Al Wood an den Drums und Mr. C.P. am Bass ließen ihren Reverend nicht im Regen stehen und glänzten auf ihren Instrumenten ebenso, wie ihr Chefprediger. „The Preacher Man“ ist denn auch der Tiltel-Song des aktuellen Albums, ein stampfender Blues-Rock im Stile ZZ-Top´s, wobei Rusty Stone nicht kopiert, sondern durchaus seinen eigenen Stil gefunden hat. Das bewies er auch immer dann, wenn er die E-Gitarre beiseite legte, und zur Dobro oder gar zur Mandoline griff. Al Wood wechselte dann vom Schlagzeug zur „Cajon“ und Mr.C.P. betätigte sich an der „Omma“ (akustischer Standbass) oder manchmal sogar an der Tuba, mit der er durchs Publikum zog. Das war echte „Handmade-Music“, so auch ein Titel auf der neuen CD. „Cajon“ ist übrigens eine Kiste, auf die sich Wood  sich setzte, und mit den Händen den Takt schlug, manchmal in einer atemberaubenden Geschwin-digkeit, dazu benutzte er Glocken, Schellen und andere Percussionsin-strumente. Ein sehr originelles Instrument, was dazu noch einen tollen Sound liefert.Dann kamen wieder die kraftvollen Blues-Rock-Nummern, bei einigen stand der große Rory Gallagher Pate („Home Town“) oder klassische Blues-Songs von Kollegen wie John Lee Hooker oder Bo Diddley, aber immer im Rusty-Stone-Sound, nie ein Abklatsch der Originale. Die gutgelaunte Band schaffte es mühelos, das Publikum zu begeistern, zweieinhalb Stun-den lang, ohne Verschleißerscheinungen - und es war schade, als es vorbei war.



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