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Literatur
DAMENWAHL
von Margret Holota - Buchhandlung Akzente -
Georgio Faletti - nie gehört? Ist auch nicht möglich: „Ich töte" ist das wirklich fulminante Debüt des italienischen Autors.
Monaco im Spätfrühling - Idylle pur: erste Urlauber versuchen ihr Glück in den Casinos und die Monegassen erholen sich vom letzten Formel-1-Lauf in ihren Strassen. Doch die Ruhe ist trügerisch. Eine Mordserie allerschlimmster Art wird das Fürstentum heimsuchen, angekündigt von einem Anruf in der Radiosendung „Voices", dessen Moderator (ähnlich wie „Domian") Popularität erlangt durch die einfühlsame
Weise, in der er auf die Nöte und Sorgen der Leute eingeht, die anrufen. Eines nachts wird ein Mann zur Sendung durchgestellt, der live über den Äther seine Botschaft verkündet: „Ich töte...". Dann spielt der Anrufer einen Ausschnitt der Filmmusik zu „Ein Mann und eine Frau" - wie sich später herausstellt, ein Hinweis auf die ersten Opfer. Formel-1-Weltmeister Jochen Welder und seine Freundin Arijane Parker werden später tot auf ihrer Yacht im Hafen gefunden werden. Der Mörder hat zudem dem Mann die Gesichtshaut abgezogen.
Kommissar Hulot wird mit den Ermittlungen beauftragt. Schnell erkennt er, dass die Morde auf einen besonders gefährlichen Täter hinweisen. Er überredet Frank Ottobre, einen alten Freund, ihm bei den Ermittlungen zu helfen. Frank versucht, in Monte Carlo nach einer schweren Verletzung und dem Freitod seiner Frau sein seelisches Gleichgewicht wiederzuerlangen. Aber auch er kann die nächsten Morde nicht verhindern. Immer werden sie von einem Anruf bei „Voices" angekündigt: die Worte „Ich töte ..." und ein Musikstück als Hinweis auf das nächste Opfer. Der Täter ist den Ermittlern immer mindestens einen Schritt voraus und demonstriert geradezu diabolische Intelligenz in der Durchführung seiner Untaten.
Und immer lässt er seine Opfer mit abgezogener Gesichtshaut zurück...
Der Druck auf die Polizisten wächst, gilt doch das Fürstentum als das Land mit der niedrigsten Kriminalitätsrate weltweit. Das Paradies der Reichen, Berühmten und Schönen ist bedroht, denn genau aus dieser Gruppe wählt der Mörder seine Opfer.
Selten verbarg sich hinter einem reißerischen Titel und einem nicht weniger reißerischen Buchcover ein subtilerer Kriminalroman. Ganz feinsinnig, sehr dezidiert entwirft Faletti seine Geschichte und die Charaktere der Handelnden. Auch wenn nach zwei Dritteln des Buches die Identität des Mörders aufgedeckt ist, bleibt es spannend bis zum Schluss. Dicht geführte Handlungsstränge, gespickt mit originellen Einfällen und eine sprachliche Kompetenz allererster Güte, lassen den Leser dieses Buch mit jeder Seite mehr lieben. Wer also keine Angst vor einem „Backstein" von über 600 Seiten hat, mag sich in die für einen Krimi seltene Kulisse eines demaskierten Monaco begeben. Er wird es nicht bereuen.
Georgio Faletti; Ich töte, Goldmann 2005, 10,00 € |