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Musikszene Hamm

 Hammer Musik-Original ist gestorben:
Mike Degenhart
Mann mit der Silberjacke singt nicht mehr

All my rowdy Friends are coming over tonight“ - eine Textzeile aus dem gleichnamigen Song von Hank Williams jr., den er so oft gesungen hat, meist als Opener der Empty Bottle Bluesband-Show. Nun waren seine Freunde zusammengekommen, um ihn zu beerdigen, denn Mike Degenhart, Sänger der Hammer Blues- und Chaoten-Combo ist im Mai gestorben.

Bei der kleinen Trauerfeier auf dem Dasbecker Friedhof sagte der Bestatter, wir sollen uns Mike auf dem letzten Gang zur Grabstelle so vorstellen, wie er gewesen ist. Ich dachte, um Himmels Willen, doch nicht bei einer so traurigen Angelegenheit, und hatte Mühe, nicht lachen zu müssen. Mit Blick auf meine engsten Freunde stellte ich fest, dass ich nicht allein mit diesen Gedanken war. Denn sich Mike vorzustellen, wie er war, hieße, sich an all´ die Geschichten, Anekdoten und Katastrophen zu erinnern, die wir in den letzten einunddreißig Jahren mit ihm erlebt haben. Beginnend in unserer Wohngemeinschaft im Hammer Osten, in der alten Schule, wo wir auch unseren Probenraum hatten. Trotz unserer sechshundert Bundeswehrmatratzen vor den riesigen Klassenraumfenstern, die nach jahrelangem Gebrauch durch unzählige Soldaten einen beißenden Geruch absonderten. beschwerten sich die Nachbarn mindestens einmal pro Tag bei den Ordnungsbehörden über den Lärm, den wir mit unserer Band verursachten. Verständlich, denn von Musik waren die Geräusche noch weit entfernt.

Im Jahr 1978 erhielten wir schließlich auch die verdiente Kündigung von unserem Vermieter, nach einer ausgelassenen, unterhaltsamen Party, mit der wir allerdings, wie er meinte, etwas zu weit gegangen waren. Ich zog in eine Wohnung über unserer Stammkneipe, dem „Anker“, Mike zog in ein kleines, altes Häuschen auf dem Bänkler Weg im Hammer Norden. Einmal sollte ich einem Freund erklären, wo Mike wohnt. Ich tat das mit den Worten: „Vom Nordenstiftsweg in den Bänkler Weg ´rein-fahren, und wenn du ein Haus siehst, von dem du an-nehmen könntest, hier wohnt Mike, dann bist du richtig.“ Er fand es auf Anhieb.

Nachdem wir mit den Bands „Cancer“, „Seawind“ und „Southern Express“ mehr oder weniger erfolgreich waren, begann dann 1983 die Ära mit dem Texaner G. D. Love, und somit die wildeste Zeit unserer musikalischen Karriere. Schließlich hat ein Texanischer Sänger nur drei Dinge im Kopf, Musik, Fun und Whisky, wobei unter „Fun“ alles mögliche zusammengefasst ist. Die Band hieß dann auch „Down and Dirty“, und der Name war Programm. Etwa 250 Auftritte, eine Single („Beam me up, Scotty“), etliche Parties an unserem Privatstrand an der Lippe, jede Menge Bootstouren, kaum zählbare Flaschen Jim-Beam-Whisky, Tequila oder Bier, also ein Rock´n-Roller-Leben wie aus dem Bilderbuch, sind die Erinnerungen, die alle (auch) mit Mike Degenhart verbunden sind.

Nach der „Down & Dirty“-Periode kam die Zeit mit unseren Nonsens-Songs, die Mike und ich geschrieben haben.l „Ich brauch´ neue Zähne, Lucille“, „Was soll ich denn in Nashville“ oder „Ich bin ein deutscher Trucker“, um nur wenige zu nennen.

1988 wurde schließlich die „Empty Bottle Bluesband“ gegründet, mit Mike, Delle Quast, Jacky Biermann, dem Obel und mir. „Singen kann er nicht, aber das perfekt“ - könnte man das Konzept dieser Band nennen, die sich in erster Linie dem Spaß verschrieben hatte. Der ein oder andere falsche Ton wurde toleriert, manchmal sogar provoziert. Zwei Auftritte musste die Band in diesem Jahr absagen, weil Mike gesundheitlich nicht auf der Höhe war. Wir waren alle der Hoffnung, dass es nach seiner Operation wieder weitergehen würde. Aber in der Original-Besetzung wird die „Empty Bottle Bluesband“ nun nicht mehr auftreten.
Hh



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