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Rückblick

Improvisationstheater der Jugenkunstschule:
„Hempels Sofa“
Das Märchen von Hänsel und Gretel einmal anders

Wer das Drama der ollen Gebrüder Grimm als Kind schon mal gelesen hat, (oder wenn es Oppa oder Omma vorgelesen haben) wird sich nichts dabei gedacht haben, dass zwei arme verirrte Kinderchen sich gegen eine böse alte Frau, sprich Hexe, gewehrt haben. Wenn man aber so langsam in die Jahre gekommen, und der Intellekt erwachsener geworden ist (bei den meisten, jedenfalls), wird man feststellen, dass die Story ganz schön starker Tobak ist. Schließlich stören die beiden Blagen die idyllische Ruhe der alten Dame und fangen an, ihr Haus aufzufressen. Niemand müss-te und würde sich das gefallen lassen. Und wenn die Hauseigentümerin zudem noch Hexe von Beruf ist, kann sie sich aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten auch besondere Maßnahmen einfallen lassen, um sich ihrerseits gegen die verkommene Jugend zu wehren. Die Hexe der Grimm´s hatte sich seinerzeit also entschlossen, den Knaben in Futter zu bringen und anschließend in angemessener Form zu verzehren. Was ist dagegen einzuwenden? Und das kleine Luder Gretel als Magd einzusetzen, war doch nur logisch, schließlich muss man Mädels schon früh auf ihre Rolle als Hausfrau vorbereiten. (.. . . ??? - d. Red.)
Ein brisantes Thema also, auf das sich die Theatergruppe der   Jugendkunstschule    da
eingelassen hat. Monatelang wurde im HoppeGarden der Kulturwerkstatt geprobt, am Freitag den 2. Juni war schließlich Premiere in „HOPPE´s Bier-GARDEN“, denn das Wetter war super, und man konnte Open-Air aufführen. Über fünfzig Zuschauer fanden den Weg in die Oberonstraße und konnten eine recht freie, aber überaus interessante Interpretation des alten Stoffes der Märchenonkels aus dem Hessischen erleben. Marius, der den Hänsel spielte, hatte natürlich die Arschkarte gezogen, denn nachdem er nach allen Regeln der Verführungskunst von der Hexe (Carina Oelkrug) und ihren Gespielinnen angebaggert worden war, musste er - unverrichteter Dinge - in einer Art Karnickelstall Platz nehmen, um auf seinen Verzehr zu warten. Fast wie in Guantanamo musste er zudem die übelsten Beschimpfungen und Demütigungen über sich ergehen lassen, eine Methode, die Frauen bereits zu Lebzeiten   der   Grimms   ge-
genüber vorübergehend hilflosen Männern souverän anzuwenden wussten. Aber wie das nun mal so ist im Leben, das „starke Geschlecht“ obsiegt schließlich doch. Dass im Original-Märchen der Hänsel allerdings von der Gretel aus den Fängen der bösen Omma befreit und schließlich gerettet wurde, soll zumindest in einem Nebensatz erwähnt werden.
Die Theatergruppe „Hempel´s Sofa“ hat mit der fast frei erfundenen Version eines klassischen Märchens ein Stück ohne jeglichen moralischen Anspruch geschaffen, was allein schon die Kostüme der Darstellerinnen mehr als verdeutlichten. „Hänsel und Gretel reloaded“ - eine pikante Improvisation, unterhaltsam serviert.

Sheryl Crow-Gitarrist live in Hamm:

WOLFE

Feinster Southern-Rock brachte die Südstaaten in den HoppeGarden
Jahrelang spielte er mit US-Rocklady Sheryl Crow zusammen und schrieb mit ihr gemeinsam viele ihrer größten Erfolge, Todd Wolfe, Gitarrist, Sänger und Song-writer aus den USA. Am Samstag, den 3. Juni machte er im Rahmen seiner Deutschland-Tour mit seiner Band „Wolfe“ Station im HoppeGarden der Kulturwerkstatt.
Die drei Musiker begnügten sich mit einer minimalistischen technischen Anlage, die „PA“ bestand lediglich aus zwei winzigen Lautsprecherboxen, die allerdings hatten es offensichtlich in sich, denn der Gesamtsound des Trios ließ keine Wünsche offen. Das allerdings lag nicht nur an der Technik, sondern in nicht zu unterschätzender Weise an der spielerischen Kompetenz der Musiker. Bassist Tad Wadhams und Drummer Dave Hollingsworth spielten bereits bei den „Red Hot Chilli Peppers“ und sind feste Mitglieder bei den „Farm Dogs“, der Band des Elton John-Texters Bernie Taupin. Sie wissen also was sie tun. So dauerte der Soundcheck am späten Nachmittag auch nicht länger als fünfzehn Minuten.
Trotz Pfingsten und „Stühle raus Party“ auf der Meile sind schließlich doch etwa einhundert Zuschauer in den HoppeGarden gekommen, um eine interessante Mischung aus Blues und Southern Rock zu erleben, und sie sollten nicht enttäuscht werden. Um 22.00 Uhr betrat die Band die Hoppe-Bühne und Todd Wolfe griff gleich zur Slide-Guitar. Wolfe ist ein wahrer Meister auf diesem Instrument und spielte mit einer Intensität, die stark an den begnadeten, aber verstorbenen Lowell George von „Little Feat“ erinnerte. Songs im Stile und mit Zitaten von dieser legendären Band waren an diesem Abend auch zu hören. Egal, ob „Wolfe“ langsame Bluesballaden oder schnellen Bluesrock spielte, die Songs aus eigener Feder oder die der berühmten Kollegen wie Howlin´ Wolf, Willie Dixon oder Muddy Waters kamen perfekt und unheimlich sauber ´rüber. Und dassTodd Wolfe ein Fan des großen Rory Gallagher ist, war ebenfalls nicht zu überhören, denn Zitate des irischen Gitarristen waren allgegenwärtig. Auch Jimi Hendrix wurde bemüht, den Abend abwechslungsreich zu gestalten, sein „Manic Depression“ war beeindruckend.

Immer dann, wenn die Band vom Blues in den Südstaaten-Rock wechselte, erinnerte der Gitarrenstil von Todd Wolfe an den US-Super-gitarristen Dicky Betts, der einst schon mit den „Allman Brothers“ Musikgeschichte schrieb. Nur Todd Wolfe benutzte eine Fender-Telecaster, während Betts stets zu „Gibson Les Paul“ griff. Sei´s drum, Erinnerungen an die guten alten Southern-Rock-Bands wie die vorgenannten, oder andere wie Lynyrd Skynyrd, Poco oder Dicky Betts´ Great Southern wurde wieder wach. Leider sind solche Gruppen viel zu selten in Deutschland unterwegs. Gerade deshalb war das Konzert mit „Wolfe“ ein Erlebnis.


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