Knappkorte
„Knappkortes Senf“
Der Lippesee
Ansichten eines penetranten Zeitgenossen
In einer früheren Ausgabe dieses Magazins philosophierte ein unbekannter Autor über den Sinn und Unsinn des geplanten Lippesees in Hamm. Nun kann ich es ja zugeben, ich bin´s gewesen. Damals war ich der Meinung, einen Lippesee haben wir doch bereits, und zwar den Haarener Baggersee. Wenn man den mit Beton ummantelt, ein Dixi-Klo aufstellt, einen Kioks einrichtet, den ein bekannter Hammer Gastronom dann auch noch übernehmen könnte, und kräftig Eintrittsgeld verlangt, können wir uns den millionenschweren Lippesee sparen. Für das so eingesparte Geld würde man dann die Hammer Straßenszene erneuern (??? – d. Red.), Schulen renovieren, Kindergärten bauen und unseren wohnungslosen Mitbürgern Penthäuser einrichten. Außerdem müsste sich das Eisvogelpärchen, das in der Abbruchkante der Lippe haust (jedenfalls noch bis vor 14 Jahren) keine neue Bleibe suchen, der Tasmanische Todesrammler, der nun schon seit fünf Jahren im Hammer Tierpark seinen Vor-Ruhestand genießt, der aber immer noch einen Koffer an der Lippe hat, könnte, wenn es sich mal ergeben sollte, Urlaub am Wasser machen, und Milliarden Stechmücken blieben aus unseren Schlafgemächern verbannt, weil sie sich in den Lippe-Auen halt wohler fühlen. Das alles wollte unser Oberbürgermeister mit seiner Vision ändern. Er wollte die Eisvögel obdachlos machen, er wollte dem Todesrammler seinen Urlaub versauen und er wollte uns Milliarden Mücken in unsere Schlafzimmer schicken. (Die würden übrigens alle in meinem landen, weil ich so schön streng rieche)
Und weil sich unsere Stadtoberen sicher waren, dass unsere Bürger weltoffene, innovative und zukunftsorientierte Menschen sind, die die Chancen eines Lippesees, der, wie der Maxipark, weit über die Grenzen der Stadt, ja, des Landes, bekannt sein würde, sehr wohl erkennen, hat er eine Bürgerbefragung angeordnet. Eine fatale Fehlentscheidung, denn sie irrten sich, unsere Volksvertreter. Zwar bin ich sicher, dass die meisten Bürger, wie ich inzwischen auch, für den See waren, aber die sind eben nicht zur Wahl gegangen. (Ich schon) Sehr wohl aber die, die tatsächlich meinten, dass bei einer Ablehnung Schulen, Straßen und Kindergärten gebaut oder renoviert würden. Kürzlich stand ich auf dem Wochenmarkt neben einem Politiker der „Grünen“, der von einem Bürger dessen Gründe für die Ablehnung zu hören bekam (Schulen, Kindergärten, Straßen), er ließ diesen Mann in seinem Glauben, er bestätigte ihn sogar in seiner naiven Ansicht.
Zwar müssen der Oberbürgermeister und seine Sprecher diese für mich unverständliche Niederlage souverän wegstecken und kommentieren, dafür leben wir nun mal in einer Demokratie. Ich aber, der als hurtiger Sensationsreporter Weltruhm erlangte, der als penetrantes und ignorantes Miststück gilt, der durch einen Beratervertrag der Firma „Maikampf-Kräuter-Fusel“ finanziell unabhängig geworden ist, darf hier offen meine Meinung ausdrücken.
Denn ich habe mit vielen Gegnern des Lippesees gesprochen, alle haben das Projekt aufgrund irreführender und überzogener und panikmachender Informationspolitik der Gegner abgelehnt. Und um es „denen da oben“ einmal so richtig zu zeigen, haben sie ihr Kreuzchen an der (eindeutig, wie ich meine) falschen Stelle gemacht. Frei nach dem Motto: „Ich geh´ da sowieso nicht hin, sollen es andere dann eben auch nicht“. Andere werden sich aber nun doch über die Millionen-Zuschüsse und tolle neue Projekte freuen. Andere Städte, natürlich, und andere Bürger!
P.S. Was bin ich froh, dass damals nicht über den Maxi-Park abgestimmt wurde. Dann würden unsere Bürger ihre Freizeit heute nämlich immer noch im Dortmunder Westfalen-Park, oder im Essener Gruga-Park verbringen.
Ihr Luder Knappkorte
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