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![]() Willi Nr. 139 - September 2006 |
KneipentestWillis Kneipkur, heute: Als es noch warm war, schickte der Herausgeber den Schreiberling in Richtung Schmehausen, dort sollte nach des Chefs Beschreibung ein schöner, großer Biergarten sein, irgendwo in der Walachei, ganz weit draußen. Also nahm ich meine Freundin zur Hand, setzte mich mit ihr in mein Cabrio und fuhr in die angegebene Richtung, um diesen besagten Biergarten zu finden. Aber so gründlich wir auch suchten, wir fanden nix, nur Landschaft, schöne Landschaft zwar, aber keinen Biergarten. Als wir uns kurz vor Soest befanden, kam mir in den Sinn, unser Herausgeber könnte sich geirrt haben. Vielleicht war in der Gegend mal ein Gartenlokal, vor ´zig Jahren, was bei dem hohen Lebensalter unseres Chefs durchaus schon vor meiner Geburt gewesen sein konnte. Wir brachen die Suche also ab, aber da wir auf rustikales Biergarten-Essen eingerichtet waren, fuhren wir nun in Richtung Haus Splietker, denn Essen wollten wir natürlich trotz ergebnisloser Suche. Aber Splietker war überfüllt, also irrten wir noch ein wenig durch die hochsommerlichen Temperaturen, was in einem Auto ohne Dach eine feine Sache ist, und landeten schließlich in Rhynern, im Ortskern. Im „Lindenhof“ - Biergarten war nix los, also führte uns unser Weg zu einem Gasthof gegenüber des Bürgeramtes in Rhynern, der hatte sogar einen Biergarten. Zwar haben wir den bereits im letzten Jahr besucht, aber inzwischen waren neue Betreiber am Werke. Wir nahmen in besagtem (schönen) Biergarten Platz und eine Dame fragte uns nach unseren Wünschen. Wir bestellten unsere Getränke und baten um die Speisenkarte. Die Drinks wurden kurze Zeit später von einem jungen Mann gebracht, der auf unsere Bitte, die Karte zu bringen, die völlig falsche Antwort gab: „Ja, das dauert aber ´ne Zeit.“ Die korrekte Erwiderung wäre gewesen: „Aber gern, sofort.“ auch, wenn er wusste, dass es noch dauern würde. Und es dauerte tatsächlich - und zwar exakt weitere fünfundzwanzig Minuten. Nicht, dass wir danach die Karte bekommen hätten, nein. Ich bat den jungen Mann lediglich darum, die Getränke bezahlen zu dürfen. Nach weiteren zehn Minuten kam er, aber sagte nicht: „Oh, Verzeihung, sie wollten doch die Speisenkarte. Ich bringe sie sofort“. Nein, er rechnete die Getränke zusammen und kassierte. Dass ich kein Trinkgeld gab und auch seinen Abschiedsgruß nicht erwiderte, störte ihn nicht. Inzwischen habe ich erfahren, dass ich meine diesbezüglichen Erfahrungen in diesem Lokal mit etlichen weiteren Gästen teile. Sehen Sie, liebe Leser, das war gar kein Biergartentest. So gern ich über ein leckeres Biergarten-Essen berichtet hätte, es gab ja nix. Ich möchte erst gar nicht darüber nachdenken, wie lange wir darauf hätten warten müssen. |