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![]() Willi Nr. 139 - September 2006 |
Ansichten einer AnachronistinLiebe Herren Schönheitsdoktoren! Er ringt und balgt nur zum Spaß, und sehr viel Zeit verwendet er auf die Körperpflege. Er laust und lässt entlausen, er krault und wird wieder gekrault. Beobachtet man einen Berberaffen verstohlen aus dem Hinterhalt, kann man feststellen, dass der Berberaffe ein geselliges Geschöpf ist, das vergnügt inmitten seiner Freunde und Verwandten von Baumwipfel zu Baumwipfel hüpft. Hat man ein bisschen Geduld und Freude am Naturschauspiel, bleibt man noch ein Weilchen und gewinnt Einblicke in die zahlreichen Tätigkeiten, denen der Berberaffe täglich nachgeht. Man lernt, wie der Berberaffe isst, trinkt und wie er sich vom einstmals Gegessenen und Getrunkenen wieder verabschiedet. Vielleicht wird man sogar Zeuge des Liebesspiels der Berberaffen. Eines jedoch wird man gewiss nicht zu Gesicht bekommen: Wie der Berberaffe einen anderen Berberaffen mit einer, sagen wir mal: Kokosnuss auf die Birne kloppt, um ihn anschließend mit scharfen und spitzen Gegenständen zu traktieren. Erst recht wird man nicht erleben, wie ein Berberaffe einen anderen Berberaffen darum bittet, ihn bewusstlos zu hauen, um ihn anschließend mit scharfen und spitzen Gegenständen zu traktieren. Der Berberaffe käme nicht auf solche Gedanken, ebenso wenig wie das Gnu, der Sumpfhirsch oder das Bison. Ganz anders jedoch der Mensch. Häufig bittet der eine Mensch den anderen, den er für eine Koryphäe auf seinem Gebiet hält, ihm die Tränensäcke oder Gesäßbacken tüchtig strammzuziehen. Er bezahlt sogar ein Heidengeld dafür! So ließ sich zum Beispiel einmal ein junger Mann von einer solchen Koryphäe einen so genannten amerikanischen, das heißt: energisch nach vorn sich reckenden Kiefer modellieren. Dies ging nicht ohne Gewalt vonstatten. Doch der junge Mann war nicht nur reich, er war auch risikofreudig. Ommawörterbuch Teil 63 Der seriöseste Schönheitsdoktor im deutschen Fernsehen ist Doktor Armand Herberger. Er gibt vielen ntv-ZuschauerInnen Ratschläge, die er selbst leider nicht beherzigt. Stolz trägt er Tränensack und Echsenhals. Am liebsten schneidet er Frauen auf, denn er spricht vornehmlich von „der Patientin“, egal, in welchem Gesundheitszustand das beschriebene Subjekt sich vor dem Eingriff befunden haben mag. „Die Patientinnen“, plaudert der Doktor munter aus dem Nähkästchen, „lassen meistens gleich mehrere Handgriffe auf einmal machen. Wenn man zum Beispiel das Dekolleté macht, dann macht man den Hals gleich mit. Wichtig ist bloß, dass Sie das regelmäßig machen.“ Gefährlich sei das nicht: „Wenn Sie eine Zigarette rauchen oder ein Stück Fleisch essen, ist das ja auch nicht risikolos!“ Dem Doktor ist nichts heilig, was ihm unter die Finger kommt. Er steckt dieselben in alle sich bietenden Hautbeutel und -taschen. Nun aber zurück zu unserer Ausgangsfrage: Wo sind Doktor Herbergers Kolleginnen? Es ist ganz leicht. Sie halten es wie die Berberaffen und meinen es gut mit ihren ArtgenossInnen. Sie werden lieber: Augenärztin, Kinderärztin, Tierärztin, Hausärztin oder Hirnchirurgin. Tierisch, Ihre Bianca |