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![]() Willi Nr. 140 - Oktober 2006 |
LiteraturDAMENWAHL Eleni lebt in einem kleinen Dorf auf Naxos und erhöht das Familieneinkommen, indem sie als Putzfrau in einem Hotel arbeitet. Elenis Mann betreibt eine kleine Autowerkstatt; die Kinder sind schon fast erwachsen. Die Ehe von Eleni und Panos ist nicht wirklich schlecht, aber auch nicht mehr besonders aufregend. Panos trifft sich nach der Arbeit mit seinen Freunden in der Bar und wartet darauf, dass Eleni das Essen auf den Tisch stellt. Eleni selbst hängt während der Arbeit ihren Träumereien nach und schafft sich so einen Ausgleich für das eher langweilige Inselleben. Bevorzugtes Ziel ihrer Phantasien ist das mondäne Pariser Leben. Der Zufall (?) will es, dass ihr ausgerechnet im Zimmer französischer Hotelgäste ein Missgeschick passiert: sie stößt eine Figur in einer begonnenen Schachpartie um. Schreckerfüllt stellt sie die Figur zurück und von diesem Augenblick an ist Eleni von diesem Spiel fasziniert, nicht ahnend, dass sich in diesem Augenblick eine dramatische Wendung in ihrem Leben ankündigt. Zunächst will Eleni „nur“ das Schachspiel erlernen. Als treusorgende Ehefrau schenkt sie erst einmal ihrem Panos ein Brett und Figuren, der aber nun so gar nichts damit anfangen kann. Das gemeinsame Erlernen des königlichen Spieles - so wie Eleni es sich vorgestellt hatte - klappt also nicht. Da ihre Faszination ungebrochen ist, macht sie sich daran, sich das Spielen allein beizubringen. Einschlägige Handbücher helfen ihr schon bald nicht mehr weiter und sie fragt einen alten Lehrer, ob er sie unterrichten könne. So fährt Eleni jeden Mittwoch mit dem Bus (Autofahren hat sie nie gelernt) in das Nachbardorf zum Schachspielen. Sehr zum Verdruss ihres Mannes, der diese Leidenschaft nicht verstehen kann und sich zunehmend vernachlässigt fühlt. Die Ehe wird tatsächlich gefährdet, weil Eleni sich nicht beirren lässt und ein gutes Stück Eigenständigkeit entwickelt - in allen Lebensbereichen. Die zufällig umgestoßene Schachfigur wird so zum Ausgangspunkt einer Entwicklung fort vom überkommenen Rollenverständnis von Männern und Frauen. Ach, Eva - lies und erkenne: es gibt im Leben einer Frau doch mehr als Kinder, Küche und (Ehe-)Mann! Bertina Henrichs - in Deutschland geboren und seit zwanzig Jahren in Frankreich lebend - ist ein kleiner (140 Seiten ), mit feiner Ironie gespickter Emanzipationsroman gelungen, der große Freude hervorruft: nicht nur über Eleni, sondern auch über die liebevollen Schilderungen des griechischen Dorflebens. Das schmale Buch mit einer typischen blaugestrichenen Haustür auf dem Cover ist somit geeignet, Erinnerungen an den letzten Griechenlandurlaub wachzurufen und vielleicht Appetit auf den nächsten zu machen. Bertina Henrichs, Die Schachspielerin, € 15,95 |