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![]() Willi Nr. 140 - Oktober 2006 |
KnappkorteSchöne Aussichten Kürzlich war ich mal wieder on Tour auf der „Meile“. Eigentlich wollte ich in den „Meilenstein“, aber da sind Betriebsferien, also hab´ ich einen Bummel durch die Lokale gemacht. Nun hat man in den letzten Wochen ja immer wieder mal etwas über die Westseite der Kneipenstraße gelesen, Das Marienhospital, Eigentümer der dort stehenden Gebäude, möchte sehr gern ein Gesundheitszentrum errichten. Einige meinen, das wäre nicht passend, Gesundheit und Kneipen vertrügen sich nicht. Das mag man so sehen, ich meine allerdings, dass die Menschen, die ein Gesundheitszentrum besuchen würden, und jetzt bereits schon den Service des Krankenhauses in Anspruch nehmen, ja eben nicht gesund, sondern krank sind. Und die „Boxkämpfe“, wie eine Hammer Tageszeitung die Kloppereien auf der Südstraße bezeichnete, sind doch auch Garant für einen regen Zulauf dieser Einrichtungen. Ich bin also durchaus für die Pläne der Eigentümer, zumal sich die künftigen Besucher des Zentrums sich die Wartezeit bis zur Behandlung sicherlich lieber an einer Theke kurzsaufen möchten, als in einem überfüllten Warteraum voller kranker Menschen. Zugegeben, falls unserer großen Koalition (Unwort des Jahres 2005) doch noch der große Wurf in der Gesundheitsreform (Unwort des Jahres 2006) gelingen sollte, hat eigentlich kaum noch jemand Mittel, um seine Freizeit an der Theke zu gestalten. Aber dann werden eben ab sofort gar keine Rechnungen mehr bezahlt. Zwar hat unsere städtische Genehmigungsbehörde signalisiert, keine Nutzungsänderungsanträge hin-sichtlich der Wegsanierung der West-Meile positiv zu entscheiden, aber wenn die Eigentümer nur genug Ausdauer haben, wird die Behörde wohl leider umfallen, wie es sicherlich auch bald die Gebäude tun werden, auch ohne Abrissbirne.
Der „Pelkumer Haldenkorn“ toppt zwar die Negativliste der hochprozentigen Garde, aber der „Radbodsee-Trop-fen“ ist für mich und meinesgleichen auch immer wieder eine Herausforderung. Natürlich ist der Preis dieser spiritus-ellen Elite ein Argument für deren Genuss, was soll man machen, wenn die Knete nicht reicht. Nix trinken, mögen die Gesundheitsbewussten sagen - inakzeptabler Vorschlag, meinen wir. Es gibt aber auch Abwechslung im Preiswert-Angebot, denn Billig-Biere sind auf dem Vormarsch. Da dürfen sich die etablierten Brauereien nicht wundern, haben sie doch gerade erst am 1. September erneut die Fass-Bier-Preise angehoben, trotz anhaltender Umsatzrückgänge. Davon profitieren dann die Schlichtmarken wie „Öttinger“ oder „Freigraf“. Vor Jahrzehnten, als ich und meine Kumpane mit unseren Booten die Lippe verunsicherten, hatten wir auch stets diese Biere mit an Bord, in Dosen, versteht sich. „Neptun“ hieß eine Marke, und „Titanic“, „Beelzebub“ und „Meyer´s Hirnsäftle“. Auch heute findet man im Getränkemarkt-Regal edle Tropfen wie „Alzheimer Hosenguss“, „Dülmener Demenz-Bräu“ oder „Tegernseer Inkontinentia“, ein mittelgäriges, dunkles bayerisches Klosterbier. Alle Biere haben eines gemeinsam: Sie schmecken wie Pumapisse und sind enorm harntreibend. Man kann danach nur noch den Arzt aufsuchen. Und da sind wir auch schon wieder am Anfangspunkt angekommen. Bald werden auf der „Meile“ auch nur noch diese niederen Getränke ausgeschenkt, denn man muss natürlich der „neuen Gastro-Meile“ auf der Weststraße etwas entgegenzusetzen haben. Dazu gehört es auch, neue (Ver-)Trinker-Märkte zu erschließen. Und da kann ein Gesundheitszentrum auf der Westseite nur hilfreich sein - der Gesundheit wegen. Und wegen der „Boxkämpfe!“ Glück ab, Euer Knappkore. |