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Ausgabe 140, Oktober 2006  - Editorial - News-Klatsch-Trasch - Lyrik - Literatur - Kochen mit Willi - Musikszene - Kneipentest - Knappkorte
Ansichten einer Anachronistin - Unterwegs mit Willi - Rückblick - Vorschau - Was los ist

Willi Nr. 140 - Oktober 2006

Unterwegs mit Willi

Robert Griess im Alten Schlachthof, Soest
„Geht ,s noch?“

Ausgerechnet von einer Spielplatzbank aus, betrachtete der Satiriker und Komiker Robert Griess als letzter Hetero-Mann, Politiker, Schwule und den Vatikan durch die humorige Brille des Witzes. Klar, dass dann Kinderarmut und Seniorenreichtum zu Thema seiner komischen Anschauungen werden.

Vier Akademikerinnen sind nötig, um eine neue Akademikerin zu reproduzieren. Statistisch gesehen erzeugt eine Frau mit Hochschulabschluss ein Viertel Kind und so geht die Rechnung auf. Fragt sich nur wo der passenden Mann ab 40 ist, - denn Spätgebären ist in. So kommt  dann auch ebenfalls das zum Teil missverstandene Buch von Eva Hermann nicht ungeschoren durch die Rasur - ach nein Zensur des „Dieners im Weinberg der Satire“, so bezeichnete sich Robert Griess nämlich selbst.
Im Kampf der Kulturen steckt er als krasser Außenseiter mittendrin. Sei es, dass er als Hetero-Mann unter lauter Schwulen  in Köln residiert oder als Familienvater mit zwei imaginären Vätern aus der Ober - und Unterschicht über Politik, Religion oder Kindererziehung diskutiert.

So zensiert Griess gnadenlos Alltagsdramen der aussterbenden Deutschen und Waldorf-Mütter beim Feng Shui, Politiker im Friendly-Fire und Manager auf der Suche nach dem inneren Kind.

Bedauerlicherweise verloren sich seine Vergleiche in den lichten Besucherreihen im Bürgersaal und lockten an einem Montagabend nur wenige Lacher aus den tiefen des Zwerchfells.

Eigentlich lachte, schmunzelte und kicherte nur ein Mann aus der hinteren Ecke, bei dem der Eindruck entstand, dass er als Lachanimateur eigens mit dem Team angereist war.

An dieser Stelle empfehle ich die neue Lach- Schule von Dieter Fechtel, der bringt mit seinem Lach Yoga bestimmt mehr Leute zum Lachen als es Robert Griess an diesem Abend schaffte.

Einmal erntete Robert Griess sogar tiefes Schweigen. Seine Frage nach den 15 Ministern unter Kanzlerin Angela Merkel (nachzulesen unter Bundesregierung .de -  Kabinett), blieb lange unbeantwortet. Zögerlich kamen einige Auskünfte. Ein Zeugnis der Politikverdrossenheit im Lande.

Sollte etwa der geringe Besucherandrang im Alten Schlachthof ein Ausdruck von Kabarettverdrossenheit sein?
fragt Pauline Pepper

 
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