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![]() Willi Nr. 140 - Oktober 2006 |
RückblickAuferstehung in der Kulturwerkstatt: Wahnsinn, sechsunddreißig Jahre getrennt, dann wieder vereint. Das ist fast wie in einer Ehe, nur anders herum. The Taste, einst Blues-Rock-Superstars am Ende der sechziger Jahre, mit dem legendären Rory Gallagher als Gitarrist, Frontmann und Egozentriker im Mittelpunkt. Dabei waren schon damals die beiden anderen Musiker Richie McCracken am Bass und John Wilson an den Drums auf ihren Instrumenten mindestens ebenso brilliant wie der kleine Ire im Holzfällerhemd. Nur - ein Gitarrist kommt eben besser ´rüber. Ich kann mich besonders gut an Taste erinnern, weil ich bei deren Auftritt im Jahre 1970 in den Zentralhallen die Ehre hatte, mit meiner damaligen Band „Yuma“ das Vorprogramm zu gestalten. Natürlich verklärt sich mit den Jahren die Erinnerung an so große Vorbilder - hatte ich befürchtet. Doch als ich THE TASTE am 1. September im HoppeGarden der Kulturwerkstatt erneut erleben durfte, wurde mir sofort klar, die waren wohl damals wirklich so fantastisch, und sie haben bis heute nichts verlernt - im Gegenteil. Naja, Rory Gallagher hatte sich an diesem Abend entschuldigen lassen, da er es vorzog, im Jahre 1995 bei einer Lebertransplantation das Zeitliche zu segnen, nach einem wilden Leben mit unzähligen Whisky-Vollbädern. Richard McCracken war ebenfalls erkrankt, nicht ernstlich, aber immerhin erkrankt. Für ihn kam der nicht weniger grandiose Nick Scott, Bassist der Van-Morrison-Band. Aber John Wilson war da. Und wie. Immerhin muss dieser Ausnahme-Drummer auch schon knapp sechzig Jahre alt sein, aber er trommelte wie ein junger Gott und übernahm an diesem wundervollen Konzertabend auch die Conference. Ja und dann dieser Sam Davidson, der legitime Nachfolger des Rory Gallagher, den John Wilson als „seinen (musikalischen Zieh-) Sohn vorstellte - dieser begnadete Gitarrist versuchte erst gar nicht, seinen Vorgänger zu imitieren oder zu kopieren, das kann nur schief gehen. Davidson hat längst seinen eigenen Stil entwickelt, und wahrscheinlich klangen deshalb die vierzig Jahre alten Songs der auferstandenen Legende TASTE so jung und frisch. Als musikalisches Begrüßungskomitee glänzte die einzige, von Rorys Familie anerkannte, Gallagher-Coverband BRUTE, FORCE & IGNORANCE um Gitarrist Markus Kerkeling ab 21.15 Uhr auf der Hoppe-Bühne. Aus Respekt (und aus Vernunft) spielte diese tolle Band lediglich Songs aus Rory´s Solo-Karriere und hatte das fast 200köpfige Publikum sofort auf ihrer Seite. Mit Power, großer musikalischer Der einzigartige John Wilson schuf an seinem Schlagzeug Variationen, die man mit den Augen kaum verfolgen konnte, allein das Zuhören bereitete Vergnügen und man fragte sich nicht selten, wie hat der das denn jetzt gemacht. Die vielen lokalen Musiker im Saal hatten alle dieselben Fragen im Gesicht stehen. Und nicht zuletzt Nick Scott an seinem Bass, der Davidsons Gitarrenspiel und Wilsons kompliziertes aber perfekt getimtes Drumming harmonisch und souverän mit einander verknüpfte, macht dieses Trio zu einem absoluten Hörerlebnis. Sicherlich hätte Richie McCracken das auch so gemacht, aber auf der Bühne stand nun mal Nick Scott. Eine kleine Begebenheit am Rande: Nach dem ersten Song von TASTE kam mein Freund Rudi Riemer zu mir und sagte: „Die Vorband war suuper, Uli, aber das hier, das ist nun mal der feine Unterschied.... !“ Hardy singt! „Hoppe´s Comedy-Bühne“ präsentierte: Aufgrund dieser einschneidenden Erlebnisse in seiner Jungend nannte der Comedian und Musiker Moses W. sein derzeitiges Programm wohl auch so. Übrigens zum letzten Mal führte er es auf, als er am Freitag, den 8. September auf „Hoppes Comedy-Bühne“ in der Kulturwerkstatt Oberonstraße zu Gast war. Aber was eigentlich ist „Zimmerlautstärke“ wirklich, wie laut ist das, und wer darf das bestimmen? Der mit dem besseren Musikgeschmack, oder der, der die Miete bezahlt? Alles Fragen, die Moses W. an diesem Abend zu beantworten versuchte. Die Bühne, auf der eine Woche zuvor noch die Blues-Rock-Legende TASTE ein fantastisches Konzert gegeben hatte (Willi berichtet auf Seite 18) war mit nur einem Mikrofonständer und Moses´ Gitarre spartanisch dekoriert. Lediglich ein unter einem schwarzen Tuch verhülltes quadratisches Objekt ließ Neugier erwachen, doch der junge Comedian erging sich zunächst in Betrachtungen über Protzgehabe seiner Artgenossen, zum Beispiel Rauchen mit Windschutz (wenn man die brennende Kippe in der hohlen Hand verbirgt), über die nicht unkomplizierten Beziehungen zwischen Vater und Sohn, über Handwerker (pass auf, ich mach euch das mal vor) oder über Körperpflege beim Mann, nicht immer hygienisch, und schon gar nicht appetitlich. Alles was Moses sagte, kam den männlichen Zuschauern irgendwie bekannt vor. Den weiblichen auch, das konnte man an ihren hämischen Blicken feststellen. Einen Riesenspaß hatten beide Geschlechter, denn „die Hilti unter den Comedians“, wie sich der Künstler auch nennt, unternahm einen Riesen-Rundumschlag durch die Welt des Mannes. Aber Moses W. ist auch Musiker, was er im zweiten Teil des Programms eindrucksvoll unter Beweis stellte. Umhüllt von künstlichem Nebel, von einem grünen Scheinwerfer angestrahlt, zollte er seiner Bewunderung für die Band KISS Tribut, fuchtelte mit der legendären Axt-Gitarre herum und spuckte (künstliches) Blut. „Ich spiele live, die Band kommt vom Band“, erklärte Moses, und zog mit einem Griff das schwarze Tuch von dem Objekt, was sich als zwei Mini-Marshall-Türme entpuppte. Bevor er noch weitere Kostproben seines musikalischen Könnens abgab, widmete sich der Künstler den Männerhobbys und den hierfür jeweils passenden Fachgeschäften. „Das richtige Fachgeschäft für Fußballfans ist der Getränkemarkt“, meinte Moses, und erntete verständiges Kopfnicken der männlichen Besucher. Die Zeit verging viel zu schnell mit diesem jungen Comedian, das meinte auch das Publikum und holte Moses W. am Ende der Show zu einer Zugabe auf die Bühne zurück. Mit dem „Elternblues“ verabschiedete sich der sympathische Entertainer, der, wie er versicherte, im Herbst des nächsten Jahres mit seinem neuen Programm „Testsieger“ gerne wiederkommen möchte. Schau’n wir mal. |