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Willi Nr. 141 - November 2006

Knappkorte

Knappkortes Senf
Schröder ist Schuld - Ansichten eines penetranten Zeitgenossen
Nun hat unser letzter Altkanzler also auch ein Buch geschrieben, und was für eins. Natürlich habe ich es nicht gelesen, da brauche ich schon ein paar Wochen zu. (Meine Lehrer haben früher immer zu mir gesagt „Du bildungsfernes Arschloch“) Aber man liest ja in letzter Zeit sehr viel über dieses Machwerk, also kann ich mir schon ein Bild machen. Mit diesem Rundumschlag gegen seine Kritiker, Widersacher, Feinde und Parteigenossen hat sich Gerhard Schröder in meinen Augen als das geoutet, wofür ich ihn immer gehalten habe: Für einen arroganten, überheblichen und zynischen Besser- bzw. Alleswisser, der ein paar mal zu oft „Basta“ gesagt hat. Trotzdem hab´ ich ihn zweimal gewählt. Zum einen, weil er ein arroganter, überheblicher Besser- bzw. Alleswisser ist, der aber immerhin den dicken Kohl abgesägt hat, was nötig war, zum anderen, weil ich meinte, die SPD müsse mal wieder ran, wegen der sozialen Gerechtigkeit . . !

Allerdings habe ich seine Wiederwahl bereits nach vier Wochen übel bereut. Sei’s drum, das ist Geschichte. Nun hat er also seine Amtszeit aufgearbeitet, um viel Kohle damit zu machen, wie schon einst Helmut Kohl. Der ist ja sogar noch heute der festen Meinung, er sei stets ein integerer, ehrlicher und unbescholtener Ehrenmann gewesen, und behauptet  immer noch, seine vermeintlichen Verfehlungen seien von der Presse erfunden worden, die nur einen Grund brauchte, um auf ihn eine Hexenjagd zu veranstalten. Jo mei, heute hält er Vorträge, für viel Geld.
Übrigens der Schröder auch, der wird in Kürze in Hamm vor der Arnold-Freymuth-Gesellschaft eine Laudatio auf den Juristen und Journalisten Heribert Prantl halten. Böse Zungen haben nun das Gerücht in die Welt gesetzt, Schröder werde im Anschluss an den Festakt die Hartz-IV-Burg in Bockum-Hövel besuchen, um den dort tätigen Menschen, und denen, die unter diesen (und ihm) leiden müssen, sein Mitgefühl auszudrücken.  Wie gesagt, ein Gerücht, aber wenn ich den Kerl richtig einschätze, ist ihm das sogar zuzutrauen.

Eigentlich ist so ein Enthüllungsbuch doch eine interessante Sache, besser als so mancher Roman. Stellt Euch mal vor, unser ehemaliger Oberbürgermeister Werner Figgen könnte das jetzt noch tun, nicht auszudenken. Kann er aber leider nicht mehr, doch Auri Heimbeck, sein damaliger Bürgermeister und Spezi, der könnte, der ist noch fit. Oder ich, ich könnte das auch inzwischen tun, ein Buch schreiben. Ich lebe seit Jahrzehnten in dieser Stadt und meine Erlebnisse könnten Bände füllen. Mehrere Kapitel würde ich zum Beispiel der Deutschen Post widmen, die mich immer mal wieder erzürnt, erheitert, verwirrt oder verblüfft hat. Erst kürzlich begab ich mich in die Zweigstelle Hamm Westen, die sich noch vor einigen Monaten auf der Wilhelmstraße befand, und zur Zeit eine vorübergehende Bleibe im Kaufland-Gebäude hat. Ich bat um dreißig Briefmarken zu 0,55 € und dreißig Marken zu je 1,45 €. Nicht zu viel verlangt, wenn man berücksichtigt, dass ich mich in einer Postzweigstelle befand, oder?

Anscheinend doch, denn der Postmann bedauerte, er habe die 0,55er Marken nur von der Rolle, zum selberlecken, und die 1,45er Postwertzeichen seien ausverkauft. Ich lachte, weil ich an einen Scherz glaubte, doch der Mann behielt seine versteinerte Miene, ein Postler macht keine Witze. In der- selben Zweigstelle hatte ich vor vier Monaten eine Ladung Info-Briefe zu versenden, mein Formular war korrekt ausgefüllt. Doch der arme Kerl hinter dem Schalter musste einen zerknitterten Spickzettel zu Hilfe nehmen, um auf seinem Computer die richtigen Tasten drücken zu können. Die ganze Prozedur dauerte zwanzig Minuten, die hinter mir größer werdende Warteschlange hat sich aus der gegenüberliegenden Cafeteria mit Kaffee und Gebäck versorgen lassen . . ! Das ist kein Witz!!!

Mehrere Kapitel in meiner Biografie würden auch von dem Personenkreis handeln, dem ich es zu verdanken habe, dass ich vor Jahren für „Meyer´s Allgemeine“ schreiben musste, und heute für dieses Blättchen arbeite, wobei ich doch eigentlich viel lieber für den „Spiegel“ tätig wäre. Schuld daran sind nicht zuletzt meine früheren Lehrer (siehe oben) – und, im Zweifel, Gerhard Schröder.
Gruß, L. Knappkorte

 
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