![]() |
|
|
|
|
|
|
|
![]() Willi Nr. 141 - November 2006 |
KnappkorteKnappkortes Senf Allerdings habe ich seine Wiederwahl bereits nach vier Wochen übel bereut. Sei’s drum, das ist Geschichte. Nun hat er also seine Amtszeit aufgearbeitet, um viel Kohle damit zu machen, wie schon einst Helmut Kohl. Der ist ja sogar noch heute der festen Meinung, er sei stets ein integerer, ehrlicher und unbescholtener Ehrenmann gewesen, und behauptet immer noch, seine vermeintlichen Verfehlungen seien von der Presse erfunden worden, die nur einen Grund brauchte, um auf ihn eine Hexenjagd zu veranstalten. Jo mei, heute hält er Vorträge, für viel Geld. Eigentlich ist so ein Enthüllungsbuch doch eine interessante Sache, besser als so mancher Roman. Stellt Euch mal vor, unser ehemaliger Oberbürgermeister Werner Figgen könnte das jetzt noch tun, nicht auszudenken. Kann er aber leider nicht mehr, doch Auri Heimbeck, sein damaliger Bürgermeister und Spezi, der könnte, der ist noch fit. Oder ich, ich könnte das auch inzwischen tun, ein Buch schreiben. Ich lebe seit Jahrzehnten in dieser Stadt und meine Erlebnisse könnten Bände füllen. Mehrere Kapitel würde ich zum Beispiel der Deutschen Post widmen, die mich immer mal wieder erzürnt, erheitert, verwirrt oder verblüfft hat. Erst kürzlich begab ich mich in die Zweigstelle Hamm Westen, die sich noch vor einigen Monaten auf der Wilhelmstraße befand, und zur Zeit eine vorübergehende Bleibe im Kaufland-Gebäude hat. Ich bat um dreißig Briefmarken zu 0,55 € und dreißig Marken zu je 1,45 €. Nicht zu viel verlangt, wenn man berücksichtigt, dass ich mich in einer Postzweigstelle befand, oder? Anscheinend doch, denn der Postmann bedauerte, er habe die 0,55er Marken nur von der Rolle, zum selberlecken, und die 1,45er Postwertzeichen seien ausverkauft. Ich lachte, weil ich an einen Scherz glaubte, doch der Mann behielt seine versteinerte Miene, ein Postler macht keine Witze. In der- selben Zweigstelle hatte ich vor vier Monaten eine Ladung Info-Briefe zu versenden, mein Formular war korrekt ausgefüllt. Doch der arme Kerl hinter dem Schalter musste einen zerknitterten Spickzettel zu Hilfe nehmen, um auf seinem Computer die richtigen Tasten drücken zu können. Die ganze Prozedur dauerte zwanzig Minuten, die hinter mir größer werdende Warteschlange hat sich aus der gegenüberliegenden Cafeteria mit Kaffee und Gebäck versorgen lassen . . ! Das ist kein Witz!!! Mehrere Kapitel in meiner Biografie würden auch von dem Personenkreis handeln, dem ich es zu verdanken habe, dass ich vor Jahren für „Meyer´s Allgemeine“ schreiben musste, und heute für dieses Blättchen arbeite, wobei ich doch eigentlich viel lieber für den „Spiegel“ tätig wäre. Schuld daran sind nicht zuletzt meine früheren Lehrer (siehe oben) – und, im Zweifel, Gerhard Schröder. |