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Willi Nr. 141 - November 2006

Die Hand am Ohr

Wie war das noch mit dem Euro, oder was sie schon immer darüber wussten.
Also man macht sich ja doch manchmal so seine Gedanken. Nicht immer, aber manchmal eben doch. Letztens machte sich bei mir gegen Mittag ein leichtes Hungergefühl breit. Dieses konnte, der Körper signalisierte es mir ganz eindeutig, einzig und allein mit dem Genuss von Fleisch und zwar in Form einer Frikadelle gestillt werden. Nun gibt es in unserer Stadt durchaus noch einige,  wenige  Metzger. Einer davon hat einen schönen Laden mitten in der Stadt. Dort würde ich Frikadellen von Meisterhand finden, so viel war mal sicher. Also ging ich hinein, betrachtete mit großem Wohlgefallen die properen Auslagen von exzellenten Fleischprodukten (der Laden ist für Qualität bekannt). Und natürlich gab es auch Frikadellen. Sogar solche, die frisch zubereitet und noch warm dem hungrigen Fleischesser entgegenleuchteten.

Gierig wurden zwei davon käuflich erworben, nach Hause befördert und mit großem Genuss verspeist. Erstklassige Ware. Aber wie immer, man sollte eben nicht mit leerem Magen einkaufen, setzte mit der eintretenden Sättigung Nachdenken ein. Also, ich bin ja weiß Gott nicht kniepig, aber schlagartig wurde mir bewusst, dass ich für diese beiden (mittelgroßen und aufs Gramm gewogenen) Produkte des Fleisch verarbeitenden Handwerks kurz zuvor mal so eben 3,16 € über die Theke der freundlichen Bedienung geschoben hatte. Also glatte 6 DM (wenn man das mal so berechnen darf). Mithin so ca. 3 DM pro Frikadelle. Also ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber in einer kurzfristig durch-geführten Umfrage bei gestandenen Hausfrauen wurde mir versichert, dass vor Einführung des Euro eine Frikadelle zwischen 80 Pfennig und 1,50 DM gekostet hat. Mit anderen Worten: Wenn man vor 5 Jahren, noch zu DM-Zeiten, in eine Metzgerei gegangen wäre und der Metzger dort hätte 3 DM für eine Frikadelle verlangt…

Nun, man hätte der freundlichen Bedienung anem-pfohlen, dieselbe doch bitte zu behalten und evtl. selbst zu verspeisen. Aber so ist das in den schönen Eurozeiten. Man kann es sich gut vorstellen, wie das damals, als es um die Entscheidung ging, den Euro einzuführen, gelaufen ist. Da sitzt der Kohl - Sie wissen schon, unser Ex-Kanzler Helmut Kohl - also da sitzt der mit ein paar europäischen Staatsoberhäuptern und Wirtschaftsbossen an irgendeiner Theke in Brüssel oder sonst wo. Er ist wohl gelaunt und in prächtiger Stimmung. Und irgendein Wirtschaftsboss in dieser illustren Stammtischrunde sagt plötzlich: „Du, Helmut, ich hab´ da ´ne Idee. Wir verdienen uns zwar schon dumm, aber ich weiß, wie wir uns nicht nur dumm, sondern dumm und dämlich verdienen könnten.

Alle, nicht nur wir in der Industrie, sondern auch der Staat." Das beschert Helmut ein warmes Gefühl, er ist interessiert und fragt nach Einzelheiten. Also sagt der Typ: „Helmut, Du bist doch so ein Europafan." „Klar", sagt Helmut. Sagt der Typ: „Also, Helmut, so ein politisches Europa ist ja eine feine Sache, aber dann muss auch eine gemeinsame Währung her." Helmut findet, dass das eine gute Idee ist: „Dann brauchen die Leute kein Geld wechseln, wenn sie z.B. nach Paris fahren“. Sagt der Typ: „Geld ist Psychologie und wir machen das dann so, dass die neue Währung immer einen Bruchteil der alten Währung darstellt (also 2 DM = 1€, 2000 Lira = 1€).

Dann fällt das gar nicht auf, wenn wir so peu á peu hinterher die Preise erhöhen und  den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen. So können wir auf ganz elegante und unauffällige Weise unsere Preise verdoppeln. Wir kriegen mehr Geld und Du mehr Steuern. Gut, die Sparquote wird sinken, die Anzahl der Privatinsolvenzen  wird mächtig steigen, der Otto-Normal-Verbraucher wird verarmen, was soll’s. Aber, Helmut, denke nur an die wahnsinnigen Unternehmensgewinne. Und für die Unternehmen warst Du doch immer da, oder?" „Immer", sagt Helmut". „Aber Du musst natürlich darauf achten, dass nicht etwa die Löhne oder Gehälter steigen! Sonst rechnet sich das Ganze nicht". „Klar", sagt Helmut, „so machen wir das", und bestellt noch eine Portion Saumagen.
So ist es gelaufen.
Ihr Ulrich Lenhart

 
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