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Willi Nr. 141 - November 2006

Rückblick

15 Jahre HoppeGarden:
Scotty, Helga und Till
Kulturwerkstatt feierte mit fast 1000 Gästen
Fünfzehn Jahre HoppeGarden, eine lange Zeit für einen Live-Club, in dem vorwiegend Musikveranstaltungen stattfinden. Die meisten Hammer Kneiper, die es immer mal wieder gewagt haben, wurden schließlich stets durch ihre Nachbarn ausgebremst. Die Kulturwerkstatt hatte mit ihrem HoppeGarden mehr Glück mit den Anwohnern. Denn das Gebäude an der Oberonstraße liegt etwas außerhalb der City, was manchmal ein Handicap ist, aber dafür kann man hier nach Herzenslust Musik machen. Sicher, manchmal gab es auch hier kuriose Auswüchse nachbarlicher Nörgeleien, aber letztlich lässt man die Veranstalter in Ruhe arbeiten.

Der Oktober war der offizielle Geburtstagsmonat des HoppeGarden, denn am 16. Oktober 1991 wurde die Kneipe in der Kulturwerkstatt eröffnet. Mike Müller, Janis Tilkiarides und Bettina Hoppe, die Namensgeberin, hatten mit viel Mühe, Geschmack, Ideen und - Geld eine perfekte Mischung aus Restaurant, Bistro, Kultur- und Szene-Treffpunkt geschaffen, in dem von Anfang an lokale und regionale Bands sowie internationale Top-Acts gastierten. Ein Highlight der frühen Jahre war ohne Zweifel die Luther Allison Bluesband, an die sich viele Stammgäste noch heute gern erinnern. Viele weitere Top-Acts folgten, immer zogen sich der Blues und der Bluesrock wie ein roter Faden durch die Programme der Jahre, es ergab sich einfach so. Trotzdem macht diese Musikrichtung bis heute lediglich etwa 35 % des gesamten Angebotes aus.

Im hinter uns liegenden Oktober wurde also kräftig im HoppeGarden gefeiert, und fast tausend Gäste feierten mit. Den Anfang der einmonatigen Party machte am Montag,  den 2. Oktober Scotty Blinn   mit seinen Mississippi Mudsharks. Die drei Jungs sind aus dem sonnigen San Diego (Californien) angereist, um uns Hammer´n mal vorzuführen, was wirkliche Lautstärke ist. Aber ehrlich, nebenbei waren die „Mudsharks“ hervorragende Musiker, die eine geile Mischung aus Rockabilly, Tex-Mex-Blues und Rock´Roll präsentierten.

Am Samstag, den 7. Oktober feierte „OrangeSun Entertainment“ eine GOA-Party im HoppeGarden und der Mittwoch, 11. Oktober war für die Senioren reserviert. Die Seniorentheater-Gruppe „Die Herbstzeitmimen“ spielten vor etwa vierzig älteren Zuschauern das heitere Stück „Bankgeheimnisse“. Zuvor jedoch gab’s für jeden Gast ein Kaffee- und Kuchengedeck, welches im Eintrittspreis enthalten war. Diese Theaterreihe, die vom Altenamt der Stadt unterstützt  wird soll im nächsten Frühjahr fortgesetzt werden.

Und dann kam Helga Hammer-Gescheid, die Lehrersgattin. Im Rahmen der neuen Comedy-Reihe im HoppeGarden erzählte die Frau am Freitag, den 13. Oktober aus ihrem Alltag mit ihrem Gatten Bernhard, dem Lehrer. Dargestellt von der Autorin (Sauerlandkrimis), Kabarettistin und Schauspielerin Kathrin Heinrichs sinnierte Helga über die Unzulänglichkeiten ihres Gemahls, der, wie eine bunte Fleischwurst aussehend, mit einem Latex-Overall bekleidet leidenschaftlich gern Fahrrad fährt, oder seine Frau durch sein lehrertypisches Verhalten veranlasst, eine Selbst-hilfegruppe für Lehrerfrauen zu besuchen.

In ihrem köstlichen Programm „100 % Helga“ sieht Kathrin Heinrichs in der Ehe ihrer Figur mit einem Lehrer eine große Herausforderung. Alle vorhandenen Plätze im HoppeGarden waren übrigens ausverkauft, was auf die große Popularität Heinrichs´ in unserer Stadt schließen lässt.

Bereits einen Tag später, am Samstag, den 14. Oktober war schließlich die große HoppeGarden - Geburtstag-Party angesagt. Über 250 Gäste waren erschienen, um mit dem HoppeGarden-Team kräftig zu feiern. Unter ihnen viele Hammer Musiker, die bereits auch schon mal auf der Hoppe-Bühne standen, Uli Weißenberg (Kulturbüro), Patrice Jacopit  (Hammer Künstler), Dr. Alexander Tillmann (Stadtwerke) und natürlich der Hammer Comedian Till Hoheneder. Der allerdings war mit seinen „Altobellis“ angereist, denn Till & Die Altobellis waren für die musikalische Unterhaltung  des  Publikums  zuständig. Bis zum frühen Morgen präsentierten die Jungs Songs von den Beatles, CCR, Joe Walsh, Willy DeVille und natürlich den Stones. In der Konzertpause verloste Hoppe-Veranstalter Uli Holesch gemeinsam mit Till einige CD´s, Freikarten, Tank-gutscheine, Armbanduhren und eine Wochenendreise nach Hamburg. Um halbsechs Uhr morgens verließen die letzten Gäste den HoppeGarden!

Elderly People Crossing und Harvest Moon“ waren die musikalischen Gäste am Samstag, den 21. Oktober. Sie hatten American-Folk, Country-Music und Texas-Swing im Angebot und unterhielten die 65 Zuschauer mit einem entspannenden Programm  in angenehmer, gemütlicher Atmosphäre. Mit Michael Mitzkus an Pedal-Steel und Lap-Steel-Guitar hatten sie einen überaus hochkarätigen Gastmusiker eingeladen, der nicht zuletzt zur hohen musikalischen Klasse der Hammer Bands beitrug.

Also ein hochkarätiges Geburtstags-Programm im Oktober, dessen Abschluss mit dem Konzert „Show me your Core“ in diesem Bericht leider nicht mehr berücksichtigt werden konnte. (Red.-Schluss!!)

Westfälisches Landestheater im Kurhaus Bad Hamm
Licht aus - Spot an
Die 70er - Jahre - Revue
Mitten in meine eigene Pubertät fühlte ich mich zurückversetzt. Schlaghose, Hot-Pans und Blümchenkleid waren der letzte Schrei damals. Ganz ähnlich nostalgisch erging es wahrscheinlich den zahlreichen Besuchern im Kurhaus. Aber  auch die Generation aus den 60ern, als sexuelle Freiheit, politische und gesellschaftliche Revolution, die Zeit bestimmten, amüsierte sich köstlich, als die Darsteller des Westfälischen Landestheater die 70er aufleben ließen.

Vor dem großblumigen Bühnenbild, ließen die Freunde, Ilja, Conny, Andy, Betty und Helmut sowie Alice und die Englischlehrerin Mrs. Robinson ein ganzes Jahrzehnt Revue passieren und sie ließen fast nichts aus. Immer wieder fing der Spot Szenen aus dem Leben der Hippie-Jugend ein und ließ große Emotionen und starke Erinnerungen aufleben.

„Am Tag als Conny Kramer starb“, der Hit von Juliane Werding, der das Ende eines Drogenlebens beschreibt, stimmte traurig. Die Willi Brandt - Anstecker (einer von vielen Politiker, die damals um ihr Leben bangen mussten, weil der Terror und die RAF sie auf dem Kieker hatten) stimmten nachdenklich.

War doch schön, als es den autofreien Sonntag gab - endlich kam man sich näher und hatte nicht das Blech zwischen sich und dem Gegenüber. Im Fernsehen gab es spannende Szenen, die Demonstranten mit Blumen im Haar zeigten - Aufbegehren gegen Kernkraftwerke und Atomstrom. Oder die Show, nachdem diese Revue benannt ist und wo der Hauptdarsteller nicht ganz zufällig Ilja hieß und Richter von Beruf war.

Als die Haare noch länger waren und die Tage unbeschwerter, als die Träume bunter und die Ereignisse schriller, da entstanden Lieder wie „Butterfly“ von Daniel Gerard oder der „Hund von Baskerville“ von Cindy und Bert. Nina Hagens Unbekannte „Du hast den Farbfilm vergessen“ - das waren Lieder mit Erinnerungswert und aus heutiger Sicht mit Amüsierpotenzial. „Hier ist ein Mensch“ von Peter Alexander, 30 Jahre später brachte der Hit das Zwerchfell zum Hüpfen. Ebenso  der Supersong von Peter Maffay, der  als  16jähriger
nach Verführung durch eine 31jäh-rige, als Mann aufwachte: „Es  war Sommer“
Stimmlich glänzten die Akteure bei der Liederpalette aus zehn Jahren und rissen auch die letzte Schnarchnase (mich) vom Hocker und „Wuthering Heights“, der Obertonsopran von Kate Bush, klingelt immer noch in meinen Ohren, dabei träume Ich davon mit der Harley auf dem „Highway to Hell“ von AC/DC dem Himmel für einen Moment Lebewohl zu sagen.

Das war auch die Zeit als Abbas „Waterloo“ und „Mamma Mia“ aus dem Kassettenrekorder durch den Girlanden geschmückten Partykeller drang, wo der Igel Stacheln aus Käse, Ananas und Weintrauben hatte. Den Pullunder über dem Hemd und unter dem Parker, auf hohen Plateau-Sohlen mit einer Doppelrolle im Haar, die nur mit zig Haarnadeln und noch mehr Haarspray hielt, so traf man sich damals in Partykellern um zu den Rolling Stones oder T. Rex zu tanzen.

Zweieinhalb Stunden versank ich in einen witzigen, temporeichen, ernsthaften Traum, der mich 30 Jahre jünger machte, mich und andere Besucher zum Nachdenken, Mitsingen, Lachen brachte und am Ende Wünsche  nach der guten alten Zeit weckte. Das Medley aus „Jesus Christ Superstar“ brachte mich leider zurück in die Zukunft und mit „Everything´s Alright“ verabschiedete sich das Ensemble nach der dritten Zugabe. Das war toll, findet  
Pauline Pepper

 
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