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Willi Nr. 136 - Juni 2006

Literatur

DAMENWAHL
von Alexandra Bialas
Warum nicht einmal eine Biographie? Das dachte ich mir, als ich eines Abends durch den Lupus - Chat schlenderte. Empfohlen wurde das Buch „Der Schatten des Wolfes“ von Kerstin Elstner. Ein Buch bei dem mich schon das Cover faszinierte, da es die „nackte“ Wahrheit über eine schwere Krankheit zeigt, der man schutzlos ausgeliefert ist.

Kerstin ist 16, als bei ihr die schwere Autoimmunerkrankung „Systemischer Lupus Erythemododes“ diagnostiziert wird. Diese Krankheit hört sich nicht nur böse an, sondern wirkt sich auch genauso auf den Organismus aus. Von starken Gelenk-, Muskel- und Nervenschmerzen bis hin zum Nierenversagen. Der Lupus hat viele Gesichter und kann sich bei jedem anders zeigen.

Als Kerstin weiß, dass sie jetzt genau diese Krankheit hat, die ihre Mutter schon mit jungen 36 Jahren in die Rente getrieben hat, wird ihr bewusst, dass sie ab nun anfangen muss, sich dagegen zu wehren. Ihr Alltag wird sich grundlegend ändern und sie muss versuchen, sich nicht von ständigen Krankenhausaufenthalten und begleitenden Ängsten unterkriegen zu lassen.

Ein ständiges Auf und Ab beginnt und ist neben der Schule so anstrengend wie ein Fulltimejob. Aber Kerstin hat ein Ziel vor Augen: Sie möchte ihr Abitur bestehen und Architektur studieren. Als ihr der Lupus jedoch mit 23 sein wahres Gesicht zeigt und ihr Leben ernsthaft bedroht gibt es für Kerstin nur noch einen Ausweg. Eine riskante und oft tödlich ausgehende „letzte Chance“.

Ein längerer Krankenhausaufenthalt ist nicht zu vermeiden und muss mit viel Geduld und Kraft ertragen werden. Doch Kerstin lässt sich nicht unterkriegen. Sie will gesund werden und ihr Studium erfolgreich abschließen. Sie hat sich viel vorgenommen und muss sich entscheiden: Aufgeben oder kämpfen. Kerstin hat sich für „kämpfen“ entschieden.

Wenn Sie sich jetzt fragen, warum ich dieses Buch unter der Rubrik Damenwahl vorstelle? Weil diese schwere Erkrankung zu 80 Prozent junge Frauen im gebärfähigen Alter befällt.

Dieses faszinierend geschriebene Buch soll nicht nur Betroffene dazu anregen, für ihre Ziele zu kämpfen und nicht zu schnell aufzugeben. Keiner sollte jedoch unterschätzen, wie schnell eine zunächst harmlos beginnende Krankheit auch anders enden kann.

Ich, als selbst betroffene Lupus-Patientin, habe nach diesem Buch neue Kraft geschöpft und versuche trotz vieler Rückschläge meine Ausbildung bei der Stadtverwaltung Hamm im nächsten Jahr erfolgreich zu beenden. Kämpfen lohnt sich!

Kerstin Elstner
Der Schatten des Wolfes; Ullstein, 18,-

 
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