![]() |
|
|
|
|
![]() Willi Nr. 136 - Juni 2006 |
KnappkorteKnappkorte´s Senf: Kurioses noch getoppt Schlimm genug, aber sie verdiente immerhin 925,- Euro netto im Monat. Mit seinem „ALG II“ (nach einem Jahr Arbeitslosengeld) und ihrem Verdienst ging es aber noch gerade so. Bis - ja bis das Job-Center ihr - ja, ihr, nicht ihm, Unterlagen über Arbeitsangebote schickte. Die beiden glaubten an ein Missverständnis und sandten die Papiere zurück. Das Job-Center aber stellte klar, dass es sich nicht um einen Irrtum handele. Sie müsse sich nun um eine besser bezahlte Arbeit kümmern, bei der sie so viel verdiene, dass er seinen Anspruch auf „Hartz IV“ verliert. Der TV-Journalist fragte daraufhin mehrere Politiker der großen Koalition, ob das Gesetz solche Auswüchse einkalkuliert und billige. Die gewohnt zynische Antwort von „Niemals-Betroffenen“ lautete, das wäre völlig in Ordnung, schließlich müssten sich die Familien zunächst einmal selber helfen, bevor der Staat zur Ader gelassen wird. Die Antwort reicht schon, um den Kopf zu schütteln, aber warum in des Teufels Namen bietet man dem armen Mann keinen Job an, warum muss die Frau nun ihren sicheren Arbeitsplatz aufgeben, und sich etwas Neues, vielleicht Unsicheres suchen? Wer beantwortet mir diese Frage? Andererseits lässt mich diese Reportage auch hoffen, mein eigenes Einkommen aufbessern zu können, denn auch ich bekomme „Hartz IV“. Dabei würde es mir wesentlich besser gehen, wenn das Job-Center in Bockum-Hövel meine vier Damen, mit denen ich in einer Bedarfsgemeinschaft (meinem Bedarf entsprechend) in der Jägerallee im Hammer Osten lebe, veranlassen, notfalls auch zwingen würde, mehr Geld (her)anzuschaffen. Ich könnte dann, ohne Not zu erleiden, auf mein ALG-II verzichten, trotzdem weiterhin in einem Stadtteil ohne besonderen Erneuerungsbedarf leben, meinen Porsche Carrera fahren, meinen Araberhengst bereiten, mein Boot im Starnberger See zu Wasser lassen und auch weiterhin in der Münchener Schickeria verkehren. Hierauf verzichten möchte ich allerdings nur ungern, ist das doch der Lebensstandart, den Nutznießer der Hartz-Gesetze zu pflegen gewohnt sind. Schade nur, dass es dem Peter Hartz jetzt an den Kragen gehen soll, schließlich hat er seinen Mitarbeitern bei VW doch nicht geschadet. Oder? Bevor ich jetzt in den Winterurlaub nach St. Moritz reise noch eines: Ich muss etwas klarstellen, obwohl es so gar nicht meine Art ist. Sicherlich habt ihr es in der Presse gelesen, dass die Siegertrophäe für Hamms beste Band (Dam Sonic), die von Jockel Reisner geschaffene Gitarristenfigur, aus dem VIP-Bereich der Zentralhallen gestohlen wurde. Das stimmt so nicht. Ich habe die Skulptur lediglich als Türstopper verwendet, als ich aus eben diesem VIP-Bereich mit Hilfe meiner Sackkarre sechzehn Kisten Isenbeck-Pils entwendete, sie in meinen PKW verbrachte, um sie anschließend zu verzehren. Ich habe dann mehrere Tage in komatösem Zustand gelegen, be-vor ich mit der Trophäe im Arm und im Nordring erwachte. Ich habe wohl versehentlich das Männeken mitgehen lassen, happs aber, wie ja bekannt ist, zurückgebracht. Ein Tipp noch an die WA-Band: Ich würde das Ding vorsichtshalber desinfizieren lassen, der Hygiene wegen. |