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Willi Nr. 136 - Juni 2006

Ansichten einer Anachronistin

Liebe NaturliebhaberInnen!
Die Natur, das lernen wir aus den Nachrichten, ist das höchste Gut. Wir leben in und auf ihr herum, daher ist sie schützenswert. Es ist wichtig, dass wir das eigene Kellergelass, das wir erworben oder als Bonus zu unserer Mietwohnung ausgeliehen bekommen haben, vor Überflutung schützen. Doch halt! Das Kellergelass, das wir schützen wollen, ist nicht die Natur.

Die Natur, die gegen den Klimawandel aufbegehrt und neurotisch einen auf Revoluzzer macht, ist in diesem Fall der Feind! Obwohl die Natur also ein hohes Gut ist, muss sie nicht immer gut sein. Sie kann ebenso gut auf der gegnerischen Seite stehen und sich in Fäustchen lachen. Das hat auch der Präsident von Amerika beobachtet, weshalb er als Revanche der Natur mit verstärkter CO-2-Ausstoßung eins auszuwischen versucht. Es gelingt ihm immer wieder, obwohl die Natur (noch) in der Überzahl ist! Auch das schöne Land Deutschland muss einsehen, dass mit Windrad & Biogas kein Blumenpott zu gewinnen ist.

Der Blumenpott aber ist ein Symbol für die Herrschaft des Menschen über das Reich der Natur, das als Parkkultur den aus der Gesellschaft Ausgestoßenen genügend Raum zum Drogenmissbrauch und Verbrechenaushecken bietet. Die Regierung, die zum Ausgehen am liebsten die Farben Schwarz und Rot trägt, das Güldene (Glitter, Glamour) jedoch vermissen lässt, widmet ihre Aufmerksamkeit dem Wachstum der Wirtschaft und dem Wachsen des genetisch verfremdeten Maises in der Landwirtschaft. Wachsen und Naturbeherrschen fördert das Zirkulieren von Euros!

Und weil man immer im Kleinen anfangen muss, also bei sich selbst, einem Bestandteil der beliebten Demokratie, überprüfe ich das Wirken der Natur, deren Herrscherin auch ich zu einem Trillionstel Bruchteil des Ganzen bin, genauestens und mit Skepsis. Ich stelle fest: Red & Black und Stars & Stripes haben mal wieder recht gehabt! Die Natur ist eine alte Sau, man muss sie bekämpfen, nicht nur im öffentlichen Leben (Billigflüge, Atomkraftwerke, Kohlekraftwerke, Edelhölzer, Pelztierzucht), sondern auch im ganz privaten Rahmen, und jeder so gut er kann!

Ommawörterbuch Teil 64
stiften gehen - sich verpissen

Im Oktober, der als Ersatz für den nicht stattgefunden habenden Sommer im Mai/Juni/August mit Temperaturen bis zu vierzig, fünfundvierzig, fünfzig Grad auftrumpfte, siegte ich mehrere Male über die Wildnis, die gemeinsam mit den Wölfen und den Füchsen die Zivilisation zurückzuerobern trachtet. Ein Beispiel. Bei einer Bewegung im Freien geriet ein Naturgeschöpf (Gewitterwurm) in das Innere meiner Person. Es trat durch die rechte Nasenöffnung ein und übertrat somit eine Grenze, nämlich die Grenze meiner körperlichen Randbezirke.

Die Grenzüberschreitung hatte allerdings aus Gründen der Gerechtigkeit einen Tod zur Konsequenz, und zwar nicht meinen! Es hätte sich das Naturtier sein Vorgehen also besser vorher überlegt. Dann wäre es auf der Umgehungslinie geblieben. So aber war ich ihm überlegen und fühlte mich sofort wichtig und wie auf der richtigen Seite. Denn obwohl die Natur so unendlich viel größer ist als ich Ameise (im Vergleich zum Universum) und auch entsprechend größere Schäden anrichten kann (Erdbeben, Blutvergiftung, Pest), besitzt sie dennoch kein Gehirn. Daraus lernen wir, dass nur die kultivierte Natur ein Gut ist, das auch gut ist (Schlachthof, Legebatterie), denn in der Kultur hat alles seine Ordnung. In der Ordnung, die der Mensch gestaltet, gestutzt und in eine ästhetisch ansprechende Form gebracht hat, wächst auch die Nordmanntanne heran, die wir jährlich zur Erntezeit in unsere Heime integrieren, und mit Holzschmuck, der einen natürlichen Ursprung hat, oder mit Lametta verzieren, das höchstwahrscheinlich Gifte ausströmt (Alufolie), die jedoch dem Organismus erst nach dem Durchführen zahlreicher Langzeitstudien schaden. Und die Tanne macht es sowieso nur bis Neujahr. Frohes Fest!

 
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