Jahrgang 2006  - Januar - Februar - März - April - Mai - Juni - Juli - August - September - Oktober - November - Dezember
Aktuelle Ausgabe  - Editorial - News-Klatsch-Trasch - Lyrik - Literatur - Kochen mit Willi - Aktuell - Kneipentest
Knappkorte - Anachronistin - Der letzte Tag im Jahr - Unterwegs - Rückblick - Vorschau - Was los ist

Willi Nr. 136 - Juni 2006

Rückblick

 „On the Edge of a Knife“ - Hamburg Blues Band
Besonderer Gast: David „Clem” Clempson
Bereits zum dritten Mal waren die netten Hamburger Jungs der HAMBURG BLUES BAND zu Gast im HoppeGarden der Kulturwerkstatt, und immer hatten sie ihre treue Fangemeinde voll auf ihrer Seite. So auch dieses Mal, am Samstag, dem 4. November. Es war der letzte Tag ihrer Tournee und sie reisten am Nachmittag aus Belgien an, um es im HoppeGarden noch einmal richtig krachen zu lassen.
Auch auf dieser Tour haben die vier Musiker sich einen hochkarätigen Gast eingeladen, der als Sahnehäubchen  den rauhen, ehrlichen und überaus kraftvollen Blues-Rock zierte. Ein häufiger Gast der Band ist der Sänger der „Spooky Tooth“ Mike Harrison, bis zu seinem Tod im Jahr 2004 begleitete der Saxophon-Magier Dick Heckstall-Smith (Collosseum) die Hamburger, diesmal war einer der besten Gitarristen Englands mit on Tour, David „Clem“ Clempson, Gitarrist der der Super-Band COLLOSSEUM, ein langjähriger Kollege von Dick.

Gutgelaunt schaufelten sich die Fünf bei ihrer Ankunft im HoppeGarden erst mal ein paar Brötchen rein, und wärmten sich mit einem Gläschen des „Extra trockenen“ Weißweines auf, den sie auf ihrer Catering-Liste ganz obenan gesetzt hatten. (Ich hab ihn probiert, er zieht einem die Schuhe aus)

Nach dem Soundcheck zogen sich die Musiker ins Hotel zurück, jedoch nicht, bevor mir Sänger und Frontmann Gert Lange den Tipp gab, Clem Clempson nicht David zu nennen, er möge das überhaupt nicht. Ist doch aber ein schöner Name, oder?
21.00 Uhr - der Laden füllte sich. Viele bekannte Gesichter, viel Stammpublikum, alles Leute, die wussten, dass sie ein Abend voller Power und virtuoser Musikalität erwarten würde. Schließlich, um punkt 22.00 Uhr betrat die HAMBURG BLUES BAND unter Applaus die Hoppe-Bühne und legte sich gleich in die Vollen.

Drive me Crazy“, „Love me or leave me“ und „Real Stuff“ von der aktuellen Live-CD “On the Edge of a Knife”. Sänger Gert Lange, der seine geile und hocherotische (O-Ton vieler weiblicher Gäste) Stimme sicher nicht hinter den der großen Kollegen verstecken muss, spielte eine knackige und sparsame Rhyhmus-Gitarre und überließ dem unentwegt freundlich lächelnden Alex Conti die Solo-Parts, die dieser mit Leichtigkeit und überragendem Können meisterte. Aber auch Michael „Bexi“ Becker am Bass (Ex-Spooky Tooth) und ganz besonders Hans Wallbaum (Stoppok, Chuck Berry) ließen keine Wünsche offen und lieferten ihren Kollegen den perfekten Untergrund, um sich souverän auf dem musikalischen Teppich bewegen zu können. Eine Band, die man in dieser Klasse und Kompaktheit in Deutschland selten findet.

Im zweiten Teil schließlich genoss der begnadete Clem Clempson die ihm zustehende Aufmerksamkeit. Mit Songs wie „Rattlesnake Shake“ von Peter Green oder dem klassischen „White Room“ (Cream), den Clem auch selber sang, und dessen Text übrigens von Pete Brown stammt, der auch viele Texte für die HBB verfasste, stellte Clempson eindrucksvoll klar, dass er zu den Besten in seiner Sparte gehört.

Besonders seine Slide-Guitar würde auch den „Meister“ Eric Clapton beeindrucken.
Wieder einmal überzeugte die HAMBURG BLUES BAND ihre Fans und Freunde und darf somit sicher sein, dass alle (und vielleicht noch mehr) bei ihrem nächsten Besuch in Hamm wieder dabei sind. Mal sehen, welchen berühmten Gast sie dann mitbringen werden.

Open Stage-Projekt
Super-Premiere der Jazzsession
Da können die drei Damen, Hilde Stork, Beate Lüffe und Jutta Elbers mächtig stolz sein, denn die erste Veranstaltung des Projekts „Open Stage“ am 5. November war sofort ein Riesenerfolg. Brechend voll war das Louis auf der Oststraße, so voll, dass sich schon vor der Tür Menschenschlangen bildeten. Die drei oben erwähnten Damen haben dieses Projekt ins Leben gerufen, um dem Hammer Jazz-Nachwuchs ein Podium zu bieten und die Möglichkeit zu geben, öffentlich ihre Musik einem interessierten Publikum zu präsentieren.

Das wurde auch dankend angenommen.
Nachdem Hilde Stork mit ihrem Pianisten Volker Schlingmann um 17.00 Uhr die Veranstaltung musikalisch eröffnete und großen Applaus erntete, erschienen fünf junge Musiker auf der Bühne, die sich von der Musikschule kannten. In der Besetzung Piano,  Saxophon, Trompete, Bass und Schlagzeug  machten sie mit dem Stück „Cantaloupe Island“ von Herbie Hancock den Anfang. Nach einigen anderen Stücken begleiteten sie  die Sängerin Hannah Noack, die mit einer gefühlvollen „Summertime“-Version begeisterte. Danach kamen die Musiker der „Stone Messengers“ auf die Louis-Bühne.

Natürlich gab es auch bei den instrumentalen Solo-Passagen reichlich Szenenapplaus, wie in  einem  richtigen Jazzclub halt und zu guter Letzt waren Musiker und Publikum rundherum zufrieden. Nur der arme Hardy der an der Kaffeemaschine - ohne Pause von Anfang bis Ende  - Kaffee in allen Variationen zubereiten musste tat mir richtig leid.

Wir freuen uns schon auf das 2. Open-Stage am 10. Dezember um 17.00 Uhr
Wer schlau ist, kommt etwas früher - wegen der Schlange und so. (rb)

Comedy und „Literarischer Herbst“.
Flöck & Fascher - Tolles Wochenende im HoppeGarden
Das war doch mal ein netter Schwiegersohn, der Johannes Flöck, der am Donnerstag, den 9. November auf „Hoppe´s Comedy-Bühne“ in der Kulturwerkstatt zu Gast war. Jedenfalls auf den ersten Blick, denn schon bald erwies sich der Comedian, der aus dem „Quatsch-Comedy-Club“ und der WDR-Sendung „Nightwash“ bereits einem breiteren Publikum bekannt sein dürfte, als scharfzüngiger Lümmel, der den Schalk im Nacken hat. Flöck war der letzte des Comedy-Trios, welches im Herbst dieses Jahres die neue Veranstaltungs-Reihe der Kulturwerkstatt eröffnete. Gemütlich an Tischen sitzend, genoss das Publikum die Weisheiten, Erlebnisse und Erkenntnisse des sympathischen Komikers, der kein Blatt vor den Mund nahm. Schon in jungen Jahren wollte er seine Eltern schocken, einfach nur so, indem er sich outete: „Ich bin schwul“.

Vater meinte, er habe es schon immer gewusst, der kleine Johannes musste in der Klinik wohl vertauscht worden sein, während in Mutter sofort der Mutterinstinkt zum Vorschein kam. Flöck schoss immer wieder kleine spitze Pfeile gegen seine Geburtsstadt Koblenz und vor allem gegen seine derzeitige Wahlheimat Köln ab, und zitierte nicht selten seinen Bekannten, den Gyros-Pitter, der aufklärte, dass Fliegen nicht gefährlich sei - nur das Abstürzen.
Auch Wellness war ein Thema für Johannes Flöck. Seine Freunde und Bekannten gehen schwimmen, saunen, joggen, er selbst gehe jetzt - und er sei sehr stolz darauf,  zweimal die Woche - saufen. Das wäre sehr schön, nur der schlechte Geschmack im Mund am nächsten Nachmittag nicht. Flöck meinte, der stamme aber von einem Außerirdischen, der ihm nachts in den offenen Mund furze . .

Auch Johannes Flöck suchte sich im Publikum natürlich einen Ansprechpartner, den er immer wieder mit Fragen „belästigte“, obwohl er am Anfang seiner Show versprach, dies nicht tun zu wollen. Auf die Bühne jedoch holte er eine andere junge Dame, um mit ihr zu erproben, ob seine Anmache  mit  Hilfe  eines Animations-Tonbandes bei ihr funktioniert. Tat es nicht. Schließlich sei er jetzt Mitte dreißig, „da kann man nicht mehr alles was man will, man muss jetzt das wollen, was man noch kann“.

Ein netter Abend mit einem gutgelaunten Johannes Flöck, der sein Publikum zu schallendem Gelächter animierte. Die Comedy-Reihe wird im Frühjahr fortgesetzt.
Ein Tag später, am Freitag den 10. November lud Stadtbüchereichef Dr.Volker Pirsich zum „Literarischen Herbst“ in den HoppeGarden ein. Zu Gast waren der Hamburger „Star-Club“-Gründer Horst Fascher und die WA-Band. Fascher, der sich vor über vierzig Jahren in der Hamburger Club-Szene bewegte, und dort auch Anfang der Sechziger die Beatles kennenlernte, gründete, nachdem er im „Top Ten“ und im „Indra“ die Bands betreute, im Jahre 1962 seinen eigenen Club, eben den berühmte „Star Club“. Zu Gast waren hier unter vielen anderen Fats Domino, Chubby Checker, Tony Sheridan, Ray Charles und - die Beatles. Aus dieser Zeit erzählte Horst Fascher an diesem literarischen Abend. Moderiert wurde er von Volker Pirsich, der dezent Stichworte gab, oder erinnerte: „Horst, erzähl doch mal, wie du damals den John Lennon . . .“

Sehr erfrischend, dass Fascher nicht stur aus seinem Buch vorlas, sondern, manchmal von „Hölzken auf Stöcksken“ kommend, plaudernd von seinen unzähligen interessanten Erlebnissen berichtete. Musikalische Gäste waren an diesem Abend die WA-Band, die extra ihr Programm erweitert hatte, um Songs aus dieser Zeit zu spielen: Blue suede Shoes, Bye bye Love, Johnny B. Goode, Hippy hippy Shake und den ersten Welterfolg der Beatles „Love me do“.  Besondere Anerkennung verdient ihr Auftritt, da sie am nächsten Tag ihr „Hamm´s beste Band“-Festival   zu bestreiten. Hatten, ein hartes Wochenende also.

I Immer abwechselnd unterhielten die Akteure ihr über 230köpfiges Publikum.
Fascher und Pirsich hockten locker an einem Kneipen-Stehtisch auf der Bühne, umgeben vom Equipment der WA-Band, und das in einer Live-Musikkneipe, in der sich lokale Bands und internationale Top-Acts die Hand reichen. Es hätte keinen besseren Ort für diese Veranstaltung geben können.

Mein Name ist Mensch
Rio Reiser Song-Revue: Roger Trash und Stefan Hasenburg im HoppeGarden - ein kleiner Rückblick von Mone Hartman
Die Stimmung war schon vor dem Auftritt gut: Zahlreiche wohlgelaunte Gäste hatten am 17. November den Hoppegarden gefüllt, alle gespannt auf die Rio Reiser Songrevue, die dort von Roger Trash und Stefan Hasenburg auf die Bühne gebracht werden sollte. Der Münsteraner Musiker und Buchautor Roger Trash begeisterte bereits Anfang diesen Jahres im Hoppegarden das Publikum mit skuril-humorvollen Geschichten aus seinen Büchern „Traumjob" und „Der Erlebnismillionär". Am Ende dieser Performance spielte er damals auch zwei oder drei Stücke von Rio Reiser- ein kleiner Vorgeschmack auf die „Liaison d'Amour", die er nun gemeinsam mit Stefan Hasenburg präsentierte.

Seit 2003 touren die beiden mit der Rio Reiser Songrevue nicht nur durch Deutschland, sondern durch ganz Europa. Stefan Hasenburg, ausgebildeter Pianist und in der Vergangenheit u.a. Mitglied in Bands wie Geier Sturzflug, Freischwimmer und Jana, begleitete Trash auf dem Keyboard; das musikalische Zusammenspiel der beiden war perfekt. Hasenburg verdichtete auf stimmungsvolle Weise die stillen Balladen Rio Reisers, die Roger Trash mit seiner charismatisch-dunklen Stimme eindrucksvoll interpretierte. Zu den ersten Stücken, die die beiden spielten, gehörte „Mein Name ist Mensch", eins meiner persönlichen Lieblingslieder. Es folgten u.a. die bekannten Stücke „Junimond", „Für immer und dich", „Lass mich gehn" und „Übers Meer". Ich selbst liebe die einzigartige und unverwechselbare Stimme Rio Reisers; nachzuahmen ist die nicht. Eine „Nachahmung" hat Roger Trash auch gar nicht versucht, erst recht nicht nötig: Seine Stimme ist ebenso beeindruckend und verleiht der Interpretation einen ganz eigenen Stil.  

Einen kleinen Bruch in der Balladen-Stimmung verursachte dann der „König von Deutschland", eins der populärsten Reiser-Stücke im Neue Deutsche Welle Stil, das zum Ende der Performance nicht fehlte; einen Abbruch tat das der Stimmung selbstredend nicht: Das Publikum ging ausgelassen mit und forderte Zugaben ein, die es natürlich auch bekam. Aufmerksamen Zuhörern wird nicht entgangen sein, dass Trash auch eins seiner eigenen Stücke in die Revue eingeschmuggelt hat: Das eher humorige „Ich hasse Blues". Wie der sympathische Künstler bei einem kleinen Bierplausch in der Pause erzählte, will er sich in Zukunft wieder verstärkt den eigenen Kompositionen widmen. Zunächst aber bringt er gemeinsam mit seinem Partner Stefan Hasenburg die Songrevue u.a. nach Polen, wofür die Texte noch eigens ins Polnische übersetzt werden.

Zur Rio-Reiser-Performance sei Trash übrigens durch Zufall gekommen: Er habe vor Jahren aus bloßem Spaß ein paar Reiser-Stücke interpretiert, und diese hätten bei Zuhörern so großen Beifall gefunden, dass er entschieden hatte, die Sache auszubauen. Von 2001 bis 2003 präsentierte er zahlreiche Reiser-Songs zunächst mit dem Trashkluborchester, bevor er mit Stefan Hasenburg zusammen die Rio Reiser Songrevue auf die Bühnen brachte. Eine phantastische Entscheidung, finde ich: Die beiden Herzblut-Musiker haben dem Publikum  mit ihrer „Liaison d'Amour" einen wundervollen Abend geschenkt. -

 
Aktuelle Ausgabe - Forum - Archiv - Impressum - willi@hamm.net - nach oben
© 2002-2006 Stadtführerverlag, Reinhard Bialas - designed by municDesign