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![]() Willi Nr. 136 - Juni 2006 |
Rückblick
„On the Edge of a Knife“ - Hamburg Blues Band Gutgelaunt schaufelten sich die Fünf bei ihrer Ankunft im HoppeGarden erst mal ein paar Brötchen rein, und wärmten sich mit einem Gläschen des „Extra trockenen“ Weißweines auf, den sie auf ihrer Catering-Liste ganz obenan gesetzt hatten. (Ich hab ihn probiert, er zieht einem die Schuhe aus) Nach dem Soundcheck zogen sich die Musiker ins Hotel zurück, jedoch nicht, bevor mir Sänger und Frontmann Gert Lange den Tipp gab, Clem Clempson nicht David zu nennen, er möge das überhaupt nicht. Ist doch aber ein schöner Name, oder? „Drive me Crazy“, „Love me or leave me“ und „Real Stuff“ von der aktuellen Live-CD “On the Edge of a Knife”. Sänger Gert Lange, der seine geile und hocherotische (O-Ton vieler weiblicher Gäste) Stimme sicher nicht hinter den der großen Kollegen verstecken muss, spielte eine knackige und sparsame Rhyhmus-Gitarre und überließ dem unentwegt freundlich lächelnden Alex Conti die Solo-Parts, die dieser mit Leichtigkeit und überragendem Können meisterte. Aber auch Michael „Bexi“ Becker am Bass (Ex-Spooky Tooth) und ganz besonders Hans Wallbaum (Stoppok, Chuck Berry) ließen keine Wünsche offen und lieferten ihren Kollegen den perfekten Untergrund, um sich souverän auf dem musikalischen Teppich bewegen zu können. Eine Band, die man in dieser Klasse und Kompaktheit in Deutschland selten findet. Im zweiten Teil schließlich genoss der begnadete Clem Clempson die ihm zustehende Aufmerksamkeit. Mit Songs wie „Rattlesnake Shake“ von Peter Green oder dem klassischen „White Room“ (Cream), den Clem auch selber sang, und dessen Text übrigens von Pete Brown stammt, der auch viele Texte für die HBB verfasste, stellte Clempson eindrucksvoll klar, dass er zu den Besten in seiner Sparte gehört. Besonders seine Slide-Guitar würde auch den „Meister“ Eric Clapton beeindrucken. Open Stage-Projekt Das wurde auch dankend angenommen. Natürlich gab es auch bei den instrumentalen Solo-Passagen reichlich Szenenapplaus, wie in einem richtigen Jazzclub halt und zu guter Letzt waren Musiker und Publikum rundherum zufrieden. Nur der arme Hardy der an der Kaffeemaschine - ohne Pause von Anfang bis Ende - Kaffee in allen Variationen zubereiten musste tat mir richtig leid. Wir freuen uns schon auf das 2. Open-Stage am 10. Dezember um 17.00 Uhr Comedy und „Literarischer Herbst“. Vater meinte, er habe es schon immer gewusst, der kleine Johannes musste in der Klinik wohl vertauscht worden sein, während in Mutter sofort der Mutterinstinkt zum Vorschein kam. Flöck schoss immer wieder kleine spitze Pfeile gegen seine Geburtsstadt Koblenz und vor allem gegen seine derzeitige Wahlheimat Köln ab, und zitierte nicht selten seinen Bekannten, den Gyros-Pitter, der aufklärte, dass Fliegen nicht gefährlich sei - nur das Abstürzen. Auch Johannes Flöck suchte sich im Publikum natürlich einen Ansprechpartner, den er immer wieder mit Fragen „belästigte“, obwohl er am Anfang seiner Show versprach, dies nicht tun zu wollen. Auf die Bühne jedoch holte er eine andere junge Dame, um mit ihr zu erproben, ob seine Anmache mit Hilfe eines Animations-Tonbandes bei ihr funktioniert. Tat es nicht. Schließlich sei er jetzt Mitte dreißig, „da kann man nicht mehr alles was man will, man muss jetzt das wollen, was man noch kann“. Ein netter Abend mit einem gutgelaunten Johannes Flöck, der sein Publikum zu schallendem Gelächter animierte. Die Comedy-Reihe wird im Frühjahr fortgesetzt. Sehr erfrischend, dass Fascher nicht stur aus seinem Buch vorlas, sondern, manchmal von „Hölzken auf Stöcksken“ kommend, plaudernd von seinen unzähligen interessanten Erlebnissen berichtete. Musikalische Gäste waren an diesem Abend die WA-Band, die extra ihr Programm erweitert hatte, um Songs aus dieser Zeit zu spielen: Blue suede Shoes, Bye bye Love, Johnny B. Goode, Hippy hippy Shake und den ersten Welterfolg der Beatles „Love me do“. Besondere Anerkennung verdient ihr Auftritt, da sie am nächsten Tag ihr „Hamm´s beste Band“-Festival zu bestreiten. Hatten, ein hartes Wochenende also. I Immer abwechselnd unterhielten die Akteure ihr über 230köpfiges Publikum. Mein Name ist Mensch Seit 2003 touren die beiden mit der Rio Reiser Songrevue nicht nur durch Deutschland, sondern durch ganz Europa. Stefan Hasenburg, ausgebildeter Pianist und in der Vergangenheit u.a. Mitglied in Bands wie Geier Sturzflug, Freischwimmer und Jana, begleitete Trash auf dem Keyboard; das musikalische Zusammenspiel der beiden war perfekt. Hasenburg verdichtete auf stimmungsvolle Weise die stillen Balladen Rio Reisers, die Roger Trash mit seiner charismatisch-dunklen Stimme eindrucksvoll interpretierte. Zu den ersten Stücken, die die beiden spielten, gehörte „Mein Name ist Mensch", eins meiner persönlichen Lieblingslieder. Es folgten u.a. die bekannten Stücke „Junimond", „Für immer und dich", „Lass mich gehn" und „Übers Meer". Ich selbst liebe die einzigartige und unverwechselbare Stimme Rio Reisers; nachzuahmen ist die nicht. Eine „Nachahmung" hat Roger Trash auch gar nicht versucht, erst recht nicht nötig: Seine Stimme ist ebenso beeindruckend und verleiht der Interpretation einen ganz eigenen Stil. Einen kleinen Bruch in der Balladen-Stimmung verursachte dann der „König von Deutschland", eins der populärsten Reiser-Stücke im Neue Deutsche Welle Stil, das zum Ende der Performance nicht fehlte; einen Abbruch tat das der Stimmung selbstredend nicht: Das Publikum ging ausgelassen mit und forderte Zugaben ein, die es natürlich auch bekam. Aufmerksamen Zuhörern wird nicht entgangen sein, dass Trash auch eins seiner eigenen Stücke in die Revue eingeschmuggelt hat: Das eher humorige „Ich hasse Blues". Wie der sympathische Künstler bei einem kleinen Bierplausch in der Pause erzählte, will er sich in Zukunft wieder verstärkt den eigenen Kompositionen widmen. Zunächst aber bringt er gemeinsam mit seinem Partner Stefan Hasenburg die Songrevue u.a. nach Polen, wofür die Texte noch eigens ins Polnische übersetzt werden. Zur Rio-Reiser-Performance sei Trash übrigens durch Zufall gekommen: Er habe vor Jahren aus bloßem Spaß ein paar Reiser-Stücke interpretiert, und diese hätten bei Zuhörern so großen Beifall gefunden, dass er entschieden hatte, die Sache auszubauen. Von 2001 bis 2003 präsentierte er zahlreiche Reiser-Songs zunächst mit dem Trashkluborchester, bevor er mit Stefan Hasenburg zusammen die Rio Reiser Songrevue auf die Bühnen brachte. Eine phantastische Entscheidung, finde ich: Die beiden Herzblut-Musiker haben dem Publikum mit ihrer „Liaison d'Amour" einen wundervollen Abend geschenkt. - |