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Willi Nr. 143 - Januar 2007

Knappkorte

„Knappkortes Senf“
Wörter - Unwörter
Ansichten eines penetranten Zeitgenossen
Endlich ist es raus, das Wort des Jahres 2006. Wie in jedem Jahr ermittelte die „Gesellschaft für deutsche Sprache“ (GfdS) zehn Wörter, die für dieses Jahr repräsentativ sind. An erster Stelle steht diesmal das Wort „Fanmeile“, bezogen auf die Fußballweltmeisterschaft 2006. Nun kann man darüber streiten, ob das ein so gewichtiges Wort ist, und dass es diese Ehre verdient hat. Wie auch immer, viel interessanter sind einige der neun anderen Wörter, die auf die Plätze verwiesen wurden. „Rechtschreibfrieden“ zum Beispiel (Platz 4). Was habe ich darunter zu verstehen? Soll ich mit meiner Unzulänglichkeit, die deutsche Sprache korrekt zu Papier zu bringen, endlich Frieden schließen und sie akzeptieren? Das happich zum Leidwesen meiner Leerer schon im Kindesalter getan, worauf diese mir und meiner Kapitulation vor der Rechtschreibung den Krieg erklärten. Was soll’s, ich lebe noch, meine Lehrer nicht.

Oder was halten Sie von dem Wort „Prekariat“? Ich würde diese Wortschöpfung in die Reihe der Unwörter des Jahrzehntes aufnehmen. Unser Vizekanzler und Arbeits- und Sozialminister Müntefering, ehemaliger Sozialdemokrat und jetzt „schärfster Hund“ der Kanzlerin, meinte nämlich, die Bezeichnung „Unterschicht“ wäre diskriminierend gegenüber den Bevölkerungsteilen, die es im Leben zu nix gebracht haben, oder die durch die Hartz-IV-Gesetze ruiniert worden sind. „Prekariat“ wäre da schon besser, meinte Münte. Zum einen, weil die intelligente und gehobene Unterschicht sich mit dieser Betitelung besser identifizieren könne, zum anderen, weil die untere Unterschicht sie Gott sei Dank nicht verstehen würde. Warum 2006 ein gutes Jahr für Deutschland war, wie Münte es vor laufender Kamera im TV behauptete, und 2007 ein ebenso gutes Jahr für alle Deutschen werde, verstehen nicht einmal die bildungsfernen Bürger. Die Intelligenz sowieso nicht.

Auf Platz sieben der Jahresbestwörter landete der „Problembär“. Erst vor wenigen Tagen durfte ich in einem Jahresrückblick das hilflose Gestammel des bayerischen Ministerpräsidenten Eddi Stoiber auf einer Pressekonferenz erleben. Er versuchte umständlich zu erklären, dass Bären in verschiedene Kategorien eingeordnet werden müssten. Bruno, der Bär mit Migrationshinter-grund, der kein Asyl in Deutschland bekam, sondern, nachdem seine Abschiebung mehrfach misslungen war, erschossen wurde, gehöre eindeutig in die Abteilung „Problembär“. Die anwesenden Journalisten konnten ihrer Erheiterung nicht Herr werden, und mussten durch Herrn Stoiber zurecht gewiesen werden. Ein wahrhaft erhabenes Schauspiel des bayerischen Bauerntheater-Komödianten.

Auf den letzten Platz rutschte schließlich „schwarz-rot-geil“, hab´ ich zwar noch nie gehört, aber ich stell’s mir gerade vor, wie der Münte mit der Angela… -  nee, lieber nicht.

Ein paar Vorschläge von mir: „Lupenreiner Demokrat“ (Schröder über Putin), „Gesundheitskompromiss“, „Mehrwertsteuererhöhung“, „Pendlerpauschale“, „Sparerfreibetrag“, „Krankenkassenbeiträge“, „Rentenversicherungsbeiträge, „Lohnnebenkostensenkung“  - „Aufschwung“…!!

Übrigens, auch Hamm hatte 2006 bestimmt sein Wort des Jahres, deshalb starten wir von Willi eine  „Bürgerbefragung“.
Wie sieht es aus, liebe Leser, haben auch Sie Vorschläge zu machen? Senden Sie Ihre „Wörter des Jahres 2006“ an die Willi-Redaktion, Östingstr. 92, 59067 Hamm.  
Einzige Bedingung, sie müssen sich auf Hamm beziehen. Eine einköpfige Jury wird dann das Wort des Jahres ermitteln und dessen Schöpfer einen Preis zukommen lassen. Also denken Sie nach, sicher fällt Ihnen etwas ein.


Zaubertricks und Zauberbücher

 
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