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![]() Willi Nr. 145 - März 2007 |
Knappkorte „Knappkortes Senf“ - Namen mit Schall und Rauch In einer unserer führenden Tageszeitungen gibt es immer mal wieder Anzeigen mit Grüßen oder Wünschen an die jeweiligen Liebsten der Leser zu bewundern. Auch ein beliebter Radiosender in unserer Stadt sendet diese lyrischen Kostbarkeiten, manchmal sogar, wenn’s ganz schlimm kommt, in Gedichtform. (Lieber Pappa, hör gut hin, heut bist du im Radio drin“). Grund genug, mich darüber aufzuregen. Meistens nennen die Verfasser ihre Liebsten dann auch noch beim Kosenamen, und oft genug outen sie sich selbst als Träger eines solchen. Manche Mitmenschen sind aber auch völlig schmerzfrei, beim Vergeben oder Ertragen eines Pseudonyms. Ihnen ist scheinbar nix heilig, und absolut nix peinlich. „Hallo Tiger . . . Dein Stern“ ist ja noch ok, obwohl man sich natürlich fragen könnte, was mit „Tiger“ gemeint ist. Ist er so wild wie ein Tiger, oder riecht er ähnlich beißend beim Wasserlassen? Aber was bitte ist ein „Vienussel“? (Anzeige im WA am Valentinstag). „Bärchen“ klingt auch noch human, falls er sie selbst damit meint, und nicht „ihr“ Bärchen. Auch „Schnucki“ oder „Maus“ (Koseform von Ratte) klingt noch recht putzig, wohingegen es bei „Knubbel“ oder „Mutschi“ schon richtig peinlich wird, und bei „Engelmuckimausi“ geht dann aber gar nichts mehr! Bei „Geliebte Schnecke“ muss ich immer an den Staubsaugervertreter des begnadeten Loriot denken: „Es gibt Schnecken . . . fette Schnecken!“ Vico von Bülow ist aber auch ein genialer Namen-Erfinder. Herr Müller-Lüdenscheid, Frau Hoppenstedt, Herr Halmackenreuther (auch Reithallenmacker) oder Viktor Schmoller sind inzwischen beliebte Namen für Neugeborene. Meine vorvorletzte Gefährtin nannte mich dann und wann „Mistkerl“, was man, wenn man humoristisch veranlagt ist, auch als ein insgeheim bewunderndes „Lumpenhund“ oder „Schlingel“ auslegen könnte. Im Bayerischen würde das dann „Hinterfotziger Bazi, hinterfotziger“ heißen. Ihre Mutter betitelte mich allerdings als „Drecksack“, das wiederum ist wohl eindeutig. Die Deutschen sind im Erfinden von Namen für Maskottchen, zum Beispiel für die Triathlon-WM, aber auch völlig bescheuert. Nannte man doch das Tierchen „Bummsi“, weil eine Disziplin bei dieser Sportart das Schießen ist. Ein wichtiger Funktionär erhob aber den Einwand, Gewehrkugeln verursachen kein „Bumm“, sondern ein „Peng“. Ich weiß jetzt nicht genau, ob man den Namen in „Pengi“ änderte, oder die Gewehre gegen Kanonen austauschte, die machen „Bumm!“ Auch Prominente von Funk, Film oder Fernsehen sind oft unempfindlich gegen bekloppte Namen. Viele allerdings können mit ihrem echten Namen nicht umgehen, und ändern ihn in einen Künstlernamen. Wolfgang Völz zum Beispiel heißt in echt „Aron Treppengeländer“ - und das ist wirklich kein Scherz. Gerhard Höllerich nannte sich im wirklichen Leben Roy Black, und Archibald Leach wurde berühmt als Cary Grant. Warum aber ändern dann Prommis wie Kai Pflaume, Grete Wurm (Schauspielerin) oder Carsten Speck nicht ihre Namen, da wäre es doch wirklich bitter nötig.
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