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Willi Nr. 152 - Oktober 2007

Auslandsreporter

ISAF 2007 - Jörg Kamyszek war in Afghanistan  - 2. Teil
Wie und warum Jörg Kamyszek nach Afghanistan gekommen ist, habt Ihr in der letzten Ausgabe gelesen. Bei einem Besuch in unserer Redaktion, erzählte uns Jörg weitere Einzelheiten von seinem Einsatz.

Willi: Wie muss man sich einen Arbeitstag im Feldpostamt vorstellen?
Jörg: Die Post wurde meistens mit einer Transall angeliefert, die auf dem Flugfeld direkt neben dem Feldlager landete. Briefe, Päckchen und Pakete wurden dann direkt ins Feldpostamt gebracht. Mein Kollege und ich hatten die Aufgabe, die Sendungen in verschiedene Post-fächer zu sortieren. Da kam schon eine ganze Menge zusammen, immerhin waren ca. 600 Soldaten im Feldlager.

Willi: Und nach Feierabend ging’s in die Disco?
Jörg: Ne Disco gab’s natürlich nicht. Wir hatten im Camp die Möglichkeit nach Feierabend um 18.00 Uhr eine Betreuungseinrichtung - sprich Kantine - aufzusuchen, wo wir Kicker, Dart oder Billard spielen konnten. Auch ein Flipper war am Start und für Sportinteressierte gab es noch ein Fitnessbereich.

Willi: Gab es auch was zu trinken und wie war überhaupt die Verpflegung?
Jörg: Also die Verpflegung war klasse. Das Meiste kam aus Deutschland und wurde in Kühlcontainern per LKW angeliefert. Morgens und abends gab es immer frische Brötchen. Mit dem Trinken war das so eine Sache. Offiziell durften nur zwei Dosen Bier am Tag getrunken werden, Warsteiner, Becks, oder Cab. Aber Schnappes war total verboten.

Willi: War ja nicht besonders aufregend da!
Jörg: Im  Camp war alles ruhig. Es kam aber auch schon mal vor, dass wir Pakete mit Saatgut, landwirtschaftlichen Geräten oder Krankenhausbedarf  nach Kundus bringen mussten. Dabei wurden wir immer von Scharfschützen begleitet. Um Präsens zu zeigen wurden auch  hin und wieder Patrouillen in Kundus durchgeführt. Dabei durfte weder die 20 Kilo Sicherheitsweste noch die entsicherte G36 und Pistole fehlen. Das Ganze dann bei 40 - 45 Grad im Schatten. Da kam man ganz schön ins Schwitzen.

Willi: Wie war die Verständigung mit den Einheimischen?
Jörg: Eigentlich sehr gut. Wir hatten bei den Einsätzen in der Stadt auch immer einen Dolmetscher dabei. Du musst wissen, dass 90 % der Bevölkerung unseren Einsatz dort begrüßen. Die Leute waren sehr freundlich und haben ihre Probleme mit uns besprochen. Ich muss sagen, diese Einsätze waren trotz der Strapazen sehr interessant und beeindruckend. Einmal hat mich mitten auf dem Marktplatz ein Afghane in Deutsch angesprochen. Da war ich erstmal platt.

Willi: Hast Du was von dem Anschlag in Kundus mitbekommen?
Jörg: Klar! Wir waren alle ganz geschockt. Nach dem Anschlag am 19. Mai, bei dem drei deutsche Soldaten getötet und etliche verletzt wurden, durften wir bis zur Heimreise das Camp nicht mehr verlassen.

Willi: Herzlichen Dank für Deine Ausführungen.

 

 
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