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![]() Willi Nr. 152 - Oktober 2007 |
KneipenszeneDie Zeit abgelaufen? - „Amadeus“ und „Backstage“ dicht! Viele Jahre hat unser Kultur-Magazin für Alphabeten über die Hammer Kneipenszene berichtet, meistens, wenn neue Kneipen, Restaurants oder Event-Gastronomien eröffnet wurden. Mehr oder weniger respektvoll hat unser Kneipen-Gänger seine, manchmal zugegebenermaßen sehr persönliche, Meinung über die Hammer Gastro-Szene kundgetan. Das soll auch in Zukunft so bleiben. Heute allerdings wollen wir mal über gastronomische Betriebe schreiben, die nicht neu eröffnet, sondern geschlossen werden, oder es bereits sind. Nein, nicht über den „Meilenstein“, der hat ja noch Betriebsferien. Das „Amadeus“ soll unser Thema sein, diese Mega-Event-Gastronomie am Ende der „Meile“. Mit einem Riesen-Spektakel wurde der Laden vor nicht allzu langer Zeit eröffnet, das Isenbeck-Glas wurde enthüllt, OB und Stadtspitze waren zu Gast und die Presse berichtete großzügig. Doch das Konzept des Betreibers ging nicht auf, nur wenige Gäste waren bereit, sich einem bei gehobener Event-Gastronomie leider üblichen Geschäftsgebaren unterzuordnen, zumal die Erwartungen der Besucher, für ihr Geld und ihre Anpassungsbereitschaft auch die entsprechende hochwertige Gegenleistung zu erhalten, teilweise nicht erfüllt. Handeln war angesagt, ein neues Konzept musste her. Also wurde umfassend „renoviert“. Nach der Neueröffnung sollte das „Amadeus“ noch hochwertiger werden. Michael Ammer, Party-Veranstalter aus München und professioneller Party-Gast bei Familie Schön und Reich war mit einigen Damen angereist, um sich mit ihnen Schampus einlaufen zu lassen. Erwartet wurde, dass sich recht viele Hammer/Hammenser einfinden würden, um einmal diesen tollen Mann mit seinen angemieteten Weibchen sehen zu können. Aber auch das ging schief. In der „Bunte“ oder im „Goldenen Blatt“ kann man reichlich über diese Szene lesen, und viel billiger noch dazu. Nach ein paar Monaten seichten Dahindümpelns ging der Laden, samt Personal, erst mal in die wohlverdienten „Betriebsferien“. Die aktuellste Nachricht ist nun, dass der Betreiber über ein neues Konzept nachdenken möchte, trotz Räumungsklage der Eigentümer gegen ihn. Ein weiteres Beispiel ist das „Backstage“ gegenüber dem Allee-Center. Auch hier wird jetzt das Handtuch geworfen, allerdings mit dem Unterschied, dass man das in der Chef-Etage auch zugibt. Nachdem hier letztendlich sogar die Flatrate-Saufparties nicht mehr funktionierten, war man zu dem Entschluss gekommen, die Zapfhähne hochzudrehen. Durch die „50-Cent-für-alles-Events“ sind die jugendlichen Gäste wohl dermaßen trinkfest geworden, dass sich das Geschäft für die Betreiber nicht mehr rechnete. Zudem war die Polizei in der letzten Zeit auch öfters im Dunstkreis der Großraumdisco präsent, und verdarb den durch Alcopops mutig gewordenen Pimpfen immer mehr den Spaß, anderen die Handy´s zu klauen, oder ihnen die Fresse zu polieren. Gut so. Die Betreiber des „Backstage“ geben nun dem Publikum in dieser Stadt die Schuld, dass ihr Laden nicht mehr läuft. Da ist natürlich auch was dran, der Verfasser dieser Zeilen weiß, wovon er spricht. Es war schon immer so, bereits vor über dreißig Jahren. Was in anderen Städten funktioniert, klappt in Hamm noch lange nicht. Das muss man wissen, wenn man in dieser Stadt Veranstaltungen oder gar Kultur anbietet. Manchmal ist das schier zum Verzweifeln. Nur manchmal ist die Zeit eines Lokales in seiner ursprünglichen Form auch einfach abgelaufen, dann muss man umdenken. Aber wenn das „Amadeus“ in seiner jetzigen Form einfach nur geschlossen bliebe, und die „Backstage“-Räume vielleicht demnächst einem 1-€-Shop als Domizil dienen würden… zugegeben - eine reizvolle Vorstellung.
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