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![]() Willi Nr. 152 - Oktober 2007 |
LeserbriefeKunst - man muss sie aufsaugen Im Faust steht: Was ihr den Geist der Zeiten heißt, das ist zumeist der Herren eigener Geist. Berlin ist die einzige Metropole der Welt, außer Washington, die keinen Kultusminister hat. Sie schiebt die Kunst, um nicht von ihr belästigt zu werden, in die Provinz, die so genannten Landeshauptstädte ab, deren jede einen Kultusminister hat, den kaum einer auch nur dem Namen nach kennt. Warum sind unsere Parks, Spiel-, Sport-, Marktplätze und Verwaltungsgebäude nahezu völlig kunstleer? Es erfordert Interesse an Kunst und darin sind unsere Behörden und Vorstände total überfordert. Es interessiert sie nicht, dass unsere Städte immer kälter und unpersönlicher werden Auf Rhodos haben während der Spätantike gleichzeitig 200 Bildhauer gearbeitet. Der Staat, als Auftraggeber, hat sie beschäftigt. Im Gegensatz zum heutigen Interesse an Kunst. Melancholisch berührt der Satz von Ernst Jünger in seinem Buch „Autor und Autorschaft“ ob Kunstwerke bilden können? Sie allein. Schon die werdende Mutter muss Melodien hören, Gemälde und Statuen betrachten. Wenn Kinder im Mutterleib und Babys Musik hören, fördert dies die Gehirnentwicklung (Medizin und Pädagogik, Alfred Läpple) Früher Musizieren wiederum macht Kinder Lern- und gemeinschaftsfähiger. Was bewegt einen Menschen dazu, zur Kunst zu pilgern, zu Ausstellungen, Konzerten, Theateraufführungen. Was erwarten, erhoffen wir uns eigentlich davon? Besonders zu einer Zeit, in der wir doch bereits im häuslichen und beruflichem Umfeld mit soviel Information durch Zeitung, Radio, Fernsehen, PC und Internet konfrontiert werden, dass wir nur noch einen geringen Teil davon wirklich aufnehmen und verarbeiten können. Wie sonst könnten Menschen, die sich sprachlich-phonetisch überhaupt nicht verständigen können, gemeinsam einer Beethoven-Sinfonie lauschen, sich gemeinsam an einem Rubens, Picasso, Klimt oder Henry Moore erbauen, gemeinsam einen Ballettabend in New York, Tokio oder Hamm genießen. Die Erklärung dafür ist eigentlich nahe liegend. Die Sprache der Kunst kommt nicht aus dem Rachenraum, ais technischen Apparaturen oder Ähnlichem, sondern aus dem Herzen und der Seele und ist daher für alle verständlich, die nicht nur Augen und Ohren, sondern sich selbst öffnen können. Natürlich hat auch die Kunst, wie jede Sprache, ihre Grundlagen, die zu beherrschen Voraussetzung dafür ist, das auszudrücken und auf ganz individuelle Weise formulieren zu können, was man vermitteln will. Das handwerkliche Können, die genaue Kenntnis der Materialien, deren Verhalten, die Möglichkeiten der Bearbeitung, ob Bronzeguss, Glastechnik, Weberei, Maltechnik von Öl bis Aquarell, bis zur Verarbeitung, Wirkung und Verhalten als Untergrund oder Komponente des Schaffens. Diese Formel ist eine notwendige, aber noch nicht „hinzureichende“ Bedingung für ein künstlerisches Schaffen. Denn auch ein Pianist, der alle technischen Möglichkeiten seines Instrumentes beherrscht, ist damit allein noch kein Künstler, der in dieser Sprache eigene Aussagen machen könnte. Für eine meisterhafte Beherrschung des künstlerischen Schaffens in der Malerei, so empfindet es immer wieder der Betrachter, ist die Schönheit und Ästhetik der Formen und Farben aus der Natur als dem wertvollsten unseres Planeten und deren Wirkung auf die Seele des Menschen - das ist das Feld der Künstlerischen Aussage. Bedenken wir die Gegenwart! Nüchternheit, industrielle Funktionalität bestimmen unsere Umgebung. Kunst der Neuzeit im Zeichen der Computer und Zurechnung aller Möglichkeiten. Man muss Akzente setzen, die den Ansprüchen dieser Zeit gerecht werden. Unsere Botschaft muss sein, die Kunst zu vermitteln. Führen Sie die Kinder und Enkelkinder zur Kunst. Hören Sie nie auf, mit ihnen zu singen, zu musizieren und zu malen, damit das Kulturgut Kunst uns mit der ganzen Vielfalt erhalten bleibt.
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