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![]() Willi Nr. 154 - Dezember 2007 |
RückblickDie „Fantastischen Drei“ im HoppeGarden: The Steve Schuffert Band Da hat sich einer der Freunde und Förderer der Kulturwerkstatt mit der Steve Schuffert Band ein schönes Geburtstagsgeschenk zum 40sten gemacht, denn wenn die Band aus Nashville/Tennessee zum Tanz aufspielt, ist das schon etwas Besonderes. Zwar hat das Trio aus der Hochburg der Country-Music nicht den Ententanz gespielt, oder die bei ausgelassenen typisch-deutschen Familienfeiern übliche berühmte „Reise nach Jerusalem“ unternommen, aber ich denke, das wird auch niemand erwartet haben. Allerdings gab es auch keine Country-Music zu hören, denn die Steve Schuffert Band hat sich dem knallharten Rock, mit einer gehörigen Portion Blues verschrieben. Zwar hat die Band ihr Programm immer wieder auch durch langsame und durchaus gefühlvoll-melodische Balladen sehr abwechslungsreich gestaltet, für zarte und empfindliche Ohren konnte der Abend im HoppeGarden allerdings eine ziemliche Herausforderung sein. Die meisten der etwa 120 Gäste wussten das, und feierten mit den netten US-Musikern eine ausgelassene Party. Mit einer minimalen Club-Anlage, die allerdings manchmal an ihre Grenzen stieß, bot der Gitarrenvirtuose Steve Schuffert mit seinen nicht weniger brillanten Freunden Pete Tomarakos (Bass, Voc.) und Matt Carmichael (Drums, Voc.) ein Feuerwerk in Sachen Blues-Rock der amerikanischen Art. Was der kleine, schmächtige Gitarrist aus seiner (zugegeben, modifizierten) Fender Stratocaster herausholte, war einfach gigantisch. Meist spielte die Band eigene Kompositionen aus den 20 Jahren Bandgeschichte, oft mit Ohrwurmcharakter, immer aber hochwertig und virtuos. Man fragt sich, warum sind andere Bands in dieser musikalischen Klasse berühmt, und die Steve Schuffert Band nicht. Eine Frage, die man sich bei den US-Tourbands, die unentwegt durch Europa reisen, immer wieder stellt. Eine Antwort gibt’s darauf wohl nie. Die Steve Schuffert Band befand sich im Oktober und November auf der letzten gemeinsamen Tournee ihrer zwanzigjährigen Partnerschaft. Der letzte Auftritt war am 1. Dezember in Hannover. Der Grund ist nicht sehr dramatisch - Bassist Pete Tomarakos hat ein Angebot von einer US-Band, die im nächsten Jahr mit den Southern-Rock-Legenden „Lynyrd Skynyrd“ auf eine 150tägige Welt-Tournee gehen soll. Ein Musiker, der dieses Angebot ausschlägt, müsste mit dem Klammerbeutel gepudert sein. So trennt sich die Steve Schuffert Band also ohne Groll, mal sehen, wie’s weiter geht. Übrigens, wer beim Auftritt der Band im HoppeGarden einen etwas zurückhaltenden Steve Schuffert erlebt zu haben glaubt, hat Recht. Am Morgen des 9.11. brach bei dem Musiker eine Magen- und Darmgrippe durch, mit allen Begleiterscheinungen! Dass er die zweistündige Show trotzdem hervorragend meisterte, bewies einmal mehr seine absolute Weltklasse. Noch ´ne neue Comedy-Reihe: Der Schacht lacht Comedy scheint im Moment der große Renner zu sein, überall schießen die neuen Comedy-Reihen wie Pilze aus dem Boden. Demnächst auch im CinemaxX und in den Zentralhallen, nun also auch im „Kulturrevier Radbod“. Mal sehen, wann es sich totläuft, sicher nur eine Frage der Zeit. Daniel Dudek ist der Initiator von „Der Schacht lacht“. Der junge Hammer zaubernde Moderator, wie er sich selbst nennt, führte am Mittwoch den 14. November durch das Programm des Zechenkabaretts. Etwa sechzig Gäste saßen im Veranstaltungssaal des Kulturrevier, für einen Mittwochabend nicht schlecht. Nach einer kurzen Anmoderation von Daniel Dudek, bei der er sich gleich eine junge Dame aus der ersten Reihe für einen Kartentrick herauspickte (man sollte nie in der ersten Reihe sitzen), begann das Programm mit dem Improvisationstheater „Dicke Lippe“. Die jungen Schauspieler unter der Leitung von Jens Hoppe boten, in enger Zusammenarbeit mit dem Publikum, eine lebhafte, quirlige und schrille Improvisation über Gefühle, einen kaputten Fahrstuhl und über Dixi-Klo´s. Dargestellt in vom Publikum vorgegebenen Gefühlssituationen wie euphorisch, traurig oder angeekelt. Eine kurzweilige halbe Stunde. Nachdem Daniel Dudek mit seiner „Partnerin“ erneut versuchte, das Kartenkunststück (vergeblich) zum Gelingen zu bringen, berichtete die Kölnerin Renate Coch über ihre Bemühungen, den einzig richtigen Mann fürs Leben zu finden. Mich wunderte keineswegs, dass ihre Versuche stets erfolglos blieben, denn sie nervte gehörig. Ich jedenfalls würde die Flucht ergreifen, spätestens dann, wenn sie ihre Gedichtchen zum Vortrag bringen würde. Ganz nach dem Motto „Reim dich oder ich fress dich“. Nee nee. André eS!, entertainender Zauberer aus NRW, konnte dagegen schon mehr überzeugen. Er bot eine halbstündige Magic-Show im (nicht ganz ernst gemeinten) David-Copperfield-Stil, mit Tanzeinlagen, Medium und mit „Jump“, einem flauschigen Nagetier mit Waschbärschwanz. Danach kam der Moderator wieder zum Einsatz, immer wieder das Publikum, insbesondere Bernd und andere Auserwählte, mit einbeziehend. Das Kartenkunststück wollte einfach nicht gelingen . . ! Als Top-Act war schließlich Achim Knorr vorgesehen, Stand-Up-Komiker und „Prix-Pantheon“-Preisträger. Er konnte wirklich überzeugen. Mit treffsicheren Pointen, herrlichen Wortspielereien und intelligent, witzig und locker erzählten Geschichten unterhielt er das Publikum souverän. „Nach meinem Gewicht zu urteilen, müsste ich 1,90 Meter groß sein, aber ich kann essen, soviel ich will, ich werde einfach nicht größer. Aber ich bin wenigstens nicht im Streit auseinander gegangen.“ Ich weiß nicht, ob der Schacht lachte, das Publikum jedenfalls fand das Zechenkabarett höchst amüsant. Übrigens konnte Daniel Dudek am Ende seinen Kartentrick doch noch zum verdienten Erfolg führen. Letztes Konzert der Europa-Tour in der Kulturwerkstatt: Der Tourbegleiter kündigte die Brothers Wendell und Sherman Holmes (Guitar/Piano u. Bass) sowie ihren Cousin Willie „Popsy“ Dixon (Drums) um Punkt 22.00 Uhr als die „Gebrüder Holms“ an, und das erwartungsfrohe Publikum begrüßten die Drei mit jede Menge Vorschuss-Applaus. Mit „Big Boss Man“ begann das Trio seine über zweistündige Show und jagte dem Publikum eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken, Egal, ob mit wunderbaren, gaanz langsamen Balladen (Amazing Grace / When Something Is Wrong), knackigen Bluesstücken wie „Put My Hands“ oder „Dashboard Bar“ oder gar mit dem herrlichen John Fogerty-Song „Bad Moon Rising“, die Holmes Brothers beeindruckten und begeisterten die bestens gelaunten Gäste durch ihr außergewöhnliches Können auf den Instrumenten, aber ganz besonders durch den unglaublichen Satzgesang, von dem man nicht annehmen würde, dass er lediglich durch drei Stimmen erzeugt werden kann, wenn man es nicht livehaftig miterlebt hatte. Und so waren die Stimmen der Holmes Brothers, zusammen mit Gitarre, Piano, Bass und Schlagzeug unzertrennlich mit einander verbunden, und erzeugten einen unglaublich vollen Sound. Gelegentlich wechselte Gitarrist Wendell Holmes ans Keyboard und bewies auch hier sein außergewöhnliches Können. Immer wieder überraschten die drei Virtuosen mit eigenwilligen Interpretationen bekannter Nummern, wie „You got me running“, gespielt als ganz langsamen Slow-Blues oder „Hey Baby“, einem klassischen Gospelsong, in Germany wohl eher bekannt in einer Version von Dj-Ötzi, der den Song seinerzeit unverfroren und in unverantwortlicher Weise versaut hat. Doch die Holmes Brothers sind nicht nur Interpreten klassischer Blues-Nummern, sondern auch noch fantastische Komponisten eigener Werke, schließlich haben sie in ihrem jahrzehntelangem Musikerleben so manche Erfahrungen gemacht, und nicht immer ging es den Dreien gut. Inzwischen aber genießen die „Brothers“ auf der ganzen Welt die verdiente Anerkennung. Popsy Dixon verabschiedete sich vom HoppeGarden-Publikum mit den Worten: „Wir werden langsam alt, daher weiß ich nicht, ob wir uns wiedersehen“. Das wollen wir doch nicht hoffen, liebe Holmes Brothers, dass Ihr zu alt für die Bühne werdet, denn wir wollen Euch wiedersehen, unbedingt.
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