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![]() Willi Nr. 155 - Januar 2008 |
LiteraturDAMENWAHL Preisgekrönte Romane liegen mir nicht. Oft jedenfalls. Schließlich muss es einen Grund haben für den Preis. Was sie von anderen Büchern abhebt, ein neuer Stil, eine frische Sprache, ein ungewohntes Sujet? Zugegeben - ich lese wohl eher 'konservativ' und bin immer einfach nur gespannt auf die Geschichte, die mir da erzählt wird. Und ob sie mich berührt - möglichst ohne rührselig zu sein. Wenn ich hier trotzdem Julia Francks „Die Mittagsfrau“ (Deutscher Buchpreis 2007) empfehle, hat das natürlich auch einen Grund: Mir hat sie sehr gefallen, diese Geschichte. Trotz des Preises...:)) Erzählt wird das Leben von Helene, deren einigermaßen idyllische Lausitz-Kindheit mit Ausbruch des ersten Weltkriegs abrupt endet. Der Vater kommt nur zum Sterben heim, und die jüdische Mutter flüchtet sich mehr und mehr - auch wegen äußerer Anfeindungen - in ihre „Verwirrung“. „Blind am Herzen“ Nach dem Tod des Vaters ziehen Helene und ihre ältere Schwester Marta nach Berlin, zur lange unbekannten Tante Fanny, die ein 'großes Haus' und viele Bekanntschaften pflegt. Marta liebt Leontine, die angehende Ärztin, die sie schon in Bautzen kannte. Und Helene trifft mit dem Studenten Carl ihre große Liebe. Doch aus dem gemeinsamen Leben wird nichts. Helene stürzt sich in ihre Arbeit im Krankenhaus und will nur überleben. Dann lernt sie Wilhelm kennen, der als Ingenieur Reichsautobahnen baut. In Stettin kommt ihr Sohn zur Welt, doch die Ehe scheitert schnell. Die Liebe, die der kleine Peter fordert, die Nähe, die er sucht, werden ihr zunehmend unerträglich; beide leben nebeneinander her und erleben, wie sich am Ende zeigt, menschliche Erschütterungen - jeder für sich allein. Ist es der Fluch der Mittagsfrau, die einfach nur verlangt, dass man ihr in einer bestimmten Zeit von der Flachsverarbeitung erzählt? Zwei Weltkriege, ein Frauenleben - genau genommen mehrere, aber die Spuren verlieren sich. Das Ende von Unbeschwertheit, Hoffnung, Zuversicht. Die Erkenntnis, das man alles verlieren, die eigene Stärke nie ausleben kann. Und ich darf das sagen, denn ich bin keine Literaturkritikerin, die über Preiswürdigkeit zu befinden hat. Zum Glück.
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