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Willi Nr. 155 - Januar 2008

Ansichten einer Anachronistin

Liebe Verächter des unangenehmen Anrufs!

Nur mal angenommen, Sie hatten da diesen Wellensittich zur Pflege. Weil die Nachbarn ein paar Tage lang nicht da waren. Es waren wirklich nur ein paar Tage, aber man wird ja wohl mal aus dem Haus gehen dürfen. Und normalerweise darf die Katze ja auch gar nicht ins Wohnzimmer. Sie haben keine Ahnung, wie die dort hineingeraten ist, da bekommt man ja regelrecht die Befürchtung, dass da was Esoterisches vor sich gegangen sein muss.

Was aber eigentlich wiederum gar nicht sein kann, denn die Wohnung ist komplett nach Feng Shui eingerichtet, also: die Regale an der richtigen Wand, der Fernseher in Hüfthöhe, das Klo auf dem Hof, damit kein Quentchen der so wertvollen, aber leider häufig etwas orientierungslos umhervagabundierenden Energie versehentlich in die Kanalisation gelangt. Denn dort würde sie nur den Ratten, den so genannten Tauben des Untergrunds, zugute kommen, welche sich aufgrund dessen explosionsartig vermehren und die Vorherrschaft des Menschen ausrotten würden. Eigentlich ist es also vollkommen unmöglich, dass die Katze, Sie wissen schon, vor allem weil der Vogel ja auch gar nicht herumgeflogen sein kann. Der Vogel durfte nur zwischen eins und halb zwei herumfliegen, und auch das nur ungern, denn er randalierte nicht nur mit Leidenschaft in den Gardinen vor sich hin, nein, er schiss auch mit Freude auf die Tischdecke. Sehr gern auch in die Obstschale und einmal sogar in den stehengelassenen Kaffee. Der allerdings auch schon ein bisschen komisch aussah, Sie hätten ihn also nicht unbedingt noch trinken MÜSSEN.

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Auflauf - Gratin

Wie dem auch sei, es stellt sich also die Frage: Wer hat den Vogel heraus-, die Katze hingegen hereingelassen? Das ist Ihren Nachbarn wahrscheinlich egal, denn: Noch ahnen sie nichts. Das Auto haben Sie jedoch schon vor dem Haus stehen sehen. Gleich werden sie klingeln. Und Sie? Sie werden sich voraussichtlich tot stellen. Das schlechte Gewissen wird Sie vernichten, Sie wissen es genau. Sie müssen es den Nachbarn also sagen. Sie denken: Ich könnte ja auch einfach anrufen. Eine schöne Idee! Aber: Was würden Sie sagen? Würden Sie vielleicht sagen: Es tut mir Leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ihrem Vogel etwas zugestoßen ist? Nein. Denn Sie selbst haben den Nachbarn schließlich wortreich versichert, dass die Katze nicht ins Wohnzimmer darf. Es ist eine ausweglose Situation. Sie schwitzen. Ihr Puls rast. Höchste Zeit für die AuA.

Die Nummer wissen Sie zum Glück auswendig, denn Ihnen passieren komischerweise öf-ter solche Sachen. Zum Beispiel damals, als der nackte Besoffene im Freibad gesichtet wurde, der Ihnen täuschend ähnlich sah, während alle anderen auf Omma Applerbecks Neunzigstem vergammelten. Gut, da hätten Sie vielleicht einfach zu Hause bleiben sollen, anstatt diese schwere Sonnenallergie vorzuschieben, die Sie den ganzen Sommer über „an die Wohnung fesselte“. Die AuA hätte Sie da in diesem Fall sicher gern beraten und vielleicht sogar eine etwas weitsichtigere Strategie entworfen. Aus dieser Sache hatten Sie wenigstens bereits etwas gelernt, als Sie Ihrem Chef auf dem Parkplatz hinten reingefahren sind. Seitdem haben Sie sich geschworen, sich nie mehr mit einem unangenehmen Anruf zu belasten. Nie wieder. Denn es gibt einen Ausweg aus dem Ich-müsste-endlich-den-unangenehmen-Anruf-er-ledigen-Dilemma: Die AuA.

Die Agentur für unangenehme Anrufe. Sie haben den dritten Krankenschein in zwei Wochen? Ihnen ist das Navigationssystems des Freundes Ihrer Cousine runtergefallen, und der Freund züchtet Kampfhunde? Ihre El-tern glauben, Sie seien auf dem besten Weg, Ihr Studium abzuschließen, und Sie wollen mit dieser Lüge nicht mehr leben? Dann holen Sie sich Hilfe! Die AuA ist Ihr kompetenter, hilfsbereiter und preiswerter Komplize in den Bereichen Gewissensbereinigung, Schadensbegrenzung und Wellness. Zögern Sie nicht. Besuchen Sie uns noch heute unter: www.agentur-fuer-unangenehme-anrufe.de!  

 

 
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