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Willi Nr. 155 - Januar 2008

Knappkorte

Knappkortes Senf: Guten Rutsch
Ansichten eines penetranten Zeitgenossen

Liebe Leser/innen,
falls Sie diese Rubrik noch vor dem Jahreswechsel lesen sollten, wünsche ich Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr. Möge 2008 genau so gnädig zu Ihnen sein, wie das vergangene 2007. Ich hoffe, Sie hatten ein schönes, ruhiges Weihnachtsfest mit der Familie, einen dicken Braten auf dem Tisch, eine gute Flasche Wein dazu und die rechte Stimmung , dem Fest der Liebe, der Freude und Barmherzigkeit angemessen. Falls Sie „Hartz IV“-Empfänger sein sollten, dürften Sie mit einer Dose Ravioli und einer Flasche Öttinger ebenfalls weihnachtlich gestimmt worden sein, und wenn Sie Kindergeld beziehen, saß sicher auch noch ein Six-Pack „Maykamp-Ekelbitter“ dran.

Die blaue Weihnachtsbeleuchtung in unserer Fußgängerzone haben Sie offenbar ebenso überlebt, wie den „Fall Sodenkamp“, und die Wochenmarkt-Beschicker haben die vierwöchige Verlagerung auf den Santa-Monica-Platz doch auch jetzt durchgestanden.

Unser Weihnachtsmarkt hat schließlich sogar von den auswärtigen Besuchern, laut Radio Lippe Welle, gute Noten bekommen. Zwar nicht, weil er so besonders schön ist, sondern er sei, im Gegensatz zu denen in unseren Nachbarstädten, „überaus preiswert“ - oder billig? Ich muss sagen, ich fand unseren „Christkindlmarkt“ richtig nett. Ich habe so manchen Abend dort in den beiden Gastrozelten verbracht, habe „HeiWi´s“ Weihnachtsbier genossen, im „Atlantico-Zelt“ meine mitgeführten „Maykamp-Ekelbitter“ einlaufen lassen, in die Tannen gepinkelt, weil ich die Toilettenwagen erst am 22. Dezember entdeckt habe, und Reibeplätzchen gefressen, bis mir schlecht wurde. Nur Weihnachtssachen gekauft, das habe ich nicht. Allerdings gingen mir nicht wenige Leserbriefe in einer unserer größten Tageszeitungen gewaltig auf den Keks.

Dort wurde bemängelt, dass es auf dem Weihnachtsmarkt keine hochwertigen Waren gäbe, nur Fress- und Trinkbuden, oder Ramsch-Angebote, wie billige Ledergürtel, die man nicht um den Wanst bekommt, weil man zu fett geworden ist, Kunstgewerbe, deren Herstellung im Knast als Beschäftigungsmaßnahme dient oder edlen Schmuck, der von fleißigen kleinen Händen in China gefälscht wurde. Aber was wäre denn gewesen, wenn sich um unsere Pauluskirche herum Händler aus dem Erzgebirge angesiedelt hätten, um ihre kunstvollen Weihnachtspyramiden oder putzigen Erz(gebirge)engel feilzubieten? Oder wenn Glasbläser aus Venedig versucht hätten, kostbare Weihnachtskugeln, Christbaum-spitzen oder wertvolle Weihnachtsmannsäcke an den Kunden zu bringen? Hätte die denn jemand für teures Geld gekauft? Ich wage das zu bezweifeln. Das alles gibt es in den „Ein-Euro-Läden“ der Fußgängerzone oder des City-Centers schließlich für diesen berühmten Einen Euro!

Ach übrigens - die Ansiedlung von „T€di“ im Rhyneraner Gewerbegebiet soll ja tatsächlich von der dort heimischen Bürgerinitiative verhindert werden. Es heißt ja von Seiten des Konzerns, dass dadurch 1000 Arbeitsplätze gesichert werden, was allerdings nicht bedeuten muss, dass welche geschaffen werden sollen. Trotzdem, eine Zuwanderung eines so großen Unternehmens dürfte sich eine „Großstadt“ wie Hamm nicht entgehen lassen. Aber da unsere Großstädtler schließlich sogar den Lippesee verhindert haben, dürften sie, in diesem Fall die Eingeborenen von Rhynern, mit dieser aktuellen Verhinderung, fürchte ich, ebenfalls Erfolg haben.
Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen - die „ISG“ hat keinen Vorstand mehr, und die Schuld daran trägt das Stadtmarketing!

Sei´s drum, mir gefällt es trotzdem in unserer kleinen Stadt, ich werde hier bleiben - und meckern!

Euer Ludger Knappkorte

 

 
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