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Willi Nr. 156 - Februar 2008

Kneipenszene

Nix los in Hamm?
Keine „Honky Tonk Night“ mehr! - Veranstalter machen einen Bogen um die Lippestadt
Warum bin ich eigentlich nicht überrascht, dass es bereits in diesem Jahr schon keine „Honky Tonk Night“ mehr geben wird? Weil es mir von Anfang an klar war, dass so etwas in Hamm nicht läuft. In ´zig deutschen, auch wesentlich kleineren, Städten schon, aber eben nicht bei uns. Sieben Jahre lang lief in Hamm eine ähnlich konzipierte Reihe, die „Nacht der Clubs“. Mit zwei Unterschieden zwar, denn die von der Kulturwerkstatt organisierten Clubnächte konzentrierten sich nicht nur auf die Innenstadt, sondern man beteiligte auch Veranstalter in den Außenbereichen. Der zweite Unterschied war, dass hier hinter den Organisatoren keine Firma stand, die mit der Planung und Durchführung Geld verdienen musste. Aus diesem Grunde hielt man auch sieben Jahre lang durch, und keiner der Beteiligten musste finanziell bluten. Zwischen 850 und 1800 Besucher pendelten bei den  sieben Nächten von Club zu Club, aber letztlich wurde einfach doch zu wenig Interesse bei dem Hammer Publikum festgestellt, und die Reihe eingestellt.

Das sollte mit der „Honky Tonk Night“ anders werden, jedenfalls war das so geplant. Das Konzept entstand übrigens 1993 in Schweinfurt, dort war das erste Kneipenfestival so erfolgreich, dass man inspiriert wurde, die Club-Nächte auch in anderen Städten zu etablieren. In diesem Jahr finden insgesamt 49 „Honky Tonk Night’s“ statt, in unserer Nachbarstadt Werne am 12. April. Hier besuchten 2007 dreitausendfünfhundert Zuschauer die verschiedenen Clubs.

Und warum verzichten die Organisatoren, die ihren Firmensitz in Leipzig haben, auf eine dritte Club-Nacht in Hamm? Ganz einfach, weil sich das Hammer Publikum nicht für so etwas zu interessieren scheint. Bitter, aber leider wahr.

Nun war zwar im Jahre 2006 in Hamms größter Boulevard-Zeitung zu lesen, dass bei der ersten Hammer „Honky Tonk Night“ zweitausendfünfhundert Leute in der Innenstadt unterwegs waren, und im Jahre 2007 sollen es immerhin noch zweitausend gewesen sein. Aber der Willi-Schreiber war auch in den Innenstadt-Kneipen präsent und er hatte einen völlig anderen Eindruck. Willis Informant hat nun mit dem örtlichen Veranstalter der Reihe, der sein Büro in Münster hat, telefoniert und erfahren, dass in beiden Nächten jeweils nur etwa eintausendzweihundert Konzertbesucher auf den Beinen waren. Das entspricht auch Willis Beobachtungen. In beiden Jahren hat die Veranstaltungsfirma hohe Summen draufzahlen müssen, kostet doch eine „Nacht“ ca. 24.000,- Euro. Da reichen zwölfhundert Gäste natürlich nicht. Auch die Hammer Gastronomen mussten Umsatzeinbußen zum „Normalbetrieb“ an Samstagen hinnehmen, sodass einige von ihnen an einer diesjährigen Club-Nacht kein Interesse mehr hatten. Und wieder muss man sich fragen, was ist anders in unserer Stadt, was läuft hier ab? Willi meint das nicht (nur) sarkastisch und provozierend, nein, wir möchten es wirklich wissen.

Wie oft liest man in der örtlichen Presse, dass eine Veranstaltung wegen Erkrankung des Künstlers oder seiner Garderobiere abgesagt werden muss . . . ? Dass das nicht selten mit einem dramatisch schlechten Vorverkauf zu tun hat, weiß Willi aus ganz sicheren Quellen.

Aber was die ganze Situation noch viel ärgerlicher macht, ist der Spruch, den man bereits vor vierzig Jahren hörte, der noch heute aktuell ist und der weder damals, noch heute zutrifft: In Hamm ist doch nix los!!! Doch in Hamm geht man nicht dann zu einer Veranstaltung, wenn etwas Interessantes zu sehen oder zu hören ist, sondern wenn ansonsten nix im Fernsehen läuft, wenn kein schlechtes Wetter ist, wenn’s nix (oder nur wenig) kostet, wenn die Kinder schon groß sind oder wenn die Schwiegermutter zu Besuch kommt. „Hamm ins Wasser“, möchte man manchmal sagen!

 

 
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