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Willi Nr. 156 - Februar 2008

Knappkorte

Knappkortes Senf: Unworte und Eisbären - Ansichten eines penetranten Zeitgenossen
Und wieder gibt es ein Unwort des Jahres: „Herdprämie“. Eine Jury aus Sprachexperten hat aus den im Jahre 2007 von Presse, Politik und Wirtschaft meistgebrauchten Wörtern eine Auswahl getroffen, und „Herdprämie“ schoss den Vogel ab. Gemeint ist mit dem Wort die Prämie, die Familien erhalten, wenn sie ihre Kinder nicht in einer Krippe, sondern zuhause im Familienkreis verziehen wollen. Diese finanzielle Zuwendung ist in der Politik lange diskutiert worden, die Befürworter setzten sich schließlich durch. Sie hofften, (wohl zu Recht) dass nicht wenige Familien auf professionelle Früherziehung verzichten, und ihre Sprösslinge stattdessen lieber bei der Omma, dem appelkorntrinkenden Oppa oder der arbeitslosen Nachbarin unter die Räder kommen lassen würden. Die „Aufzuchtprämie“ oder das „Gluckengehalt“, wie die Knete auch genannt wird, kann man dann abgreifen, um sich Kippen, Maykamp-Ekelbitter oder ein Abonnement im Fitness-Studio leisten zu können. Supersache, das Ganze. Ich verstehe nicht, warum jemand dagegen sein kann.

Den zweiten Platz der Unwörter belegte „Klimaneutral“. Aber was ist damit gemeint? Vielleicht, wenn der Nichtraucher den ausgestoßenen Zigarettenrauch des rauchenden Nachbarn einatmet und somit der schädliche Dunst aus dem öffentlichen Klima verschwindet? Oder wenn ein mega luftverschmutzender Industriegigant eine entsprechende Summe an den Staat bezahlt, um somit die Luft weiter ungehindert verschmutzen zu dürfen? Ablasshandel nannte man das früher, heute heißt das Schadstoffhandel. Übrigens sind Kühe sehr große Luftverschmutzer, denn jedes mal wenn die Tiere furzen, werden große Schadstoffmengen in die Luft abgegeben. Wenn nun der Bauer aber Leute einstellt, die dem Hornvieh auf der Weide hinterherlaufen, und jeden Darmwind tief einatmen, hat er bereits Verschmutzungsrechte erworben, und bekommt von der Agentur für Arbeit noch Zuschüsse obendrauf.

Auf dem dritten Rang landete das Wort „entartet“ (das hatten wir doch schon mal???), welches vom Kölner Kardinal Meisner wiederbelebt wurde. Entartet sei die Kunst, wenn sie ihre religiöse Bindung verliert, meinte der Hetzer der katholischen Kirche. „Abartig“ wäre übrigens eine passende Bezeichnung für diesen Götterboten.
Mein Unwort, beziehungsweise Unsatz des Jahres ist allerdings ein anderer. Unsere wandelnde Knopfleiste, die Frau Bundeskanzlerin hat ihn geprägt. Er lautet: „Der Aufschwung kommt bei den Menschen an!“

Es gibt einen neuen Knut in Deutschland, genauer gesagt in Nürnberg, im Zoo natürlich. Und ein Mädel ist es obendrein, wegen der vorgeschriebenen Gleichheit zwischen den Geschlechtern. Der vorläufige Name des putzigen kleinen Schreihalses ist Flocke. Zwei Geschwister hatte Flocke ursprünglich, die wurden aber von der Mutter aufgegessen. Man müsse der Natur ihren Lauf lassen, meinte der Zoodirektor von Nürnberg, er wolle keine Handaufzucht wie bei Knut, und schon gar nicht so einen Rummel. Doch der öffentliche Druck (und der aus der „Chefetage“) wurde aber größer, und so ein Rummel bringt ja schließlich auch jede Menge Pulver, und überhaupt, man wolle einen eigenen Knut bzw. Flocke. Das überzeugte den Mann, und nun wird gepäppelt.

Jetzt rätseln die Fachleute, warum die Eisbärdame ihren Nachwuchs wohl verspeist haben mag. Die kleinen könnten krank gewesen sein, unartig oder gar unehelich. Alles Quatsch, meine ich, vielleicht hatte die Frau einfach nur Hunger.
Ich ziehe übrigens schon seit Jahren in meiner Wohnung Kakerlaken, Ratten und Wollmäuse groß, teilweise sogar mit der Flasche. Keine Sau interessiert das, keine Presse, kein Fernsehen, und keine Menschenmassen stehen vor meiner Bude, und wollen gegen harte Währung meine Tierchen sehen. Nur mein Hauswirt und das Gesundheitsamt stehen ständig auf der Matte. Die zahlen aber keinen Eintritt . . . !

 

 
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