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Willi Nr. 156 - Februar 2008

Rückblick

Blues-Session im „Louis“ - Harp & Co.
Reges Treiben auf kleiner Bühne
 „Eine spontane Session muss gut geprobt werden“, sagte einmal ein Hammer Musiker, der den Blues auf seine Fahnen geschrieben hat. Er kann sich nämlich gut an seine eigenen, endlosen Gitarrenorgien erinnern, denn auch er hat in den Siebzigern nicht selten mit seinen damaligen Bandgenossen in den Probenräumen unserer Stadt „gejammt“. Oft genug hat man einen „Blues in A, in E und seltener einen in C, eine für Gitarristen ungeeignete, für Keyboarder aber umso besser passende Tonart, angestimmt, und kein Ende gefunden, weil Gitarristen nun mal maßlos sind, selbst dann, wenn sie nix können. Es muss nur genügend Bier im Spiele sein. Und das Publikum, falls welches anwesend war, konnte sich auch nur mit Alkohol über Wasser halten (schönes Wortspiel), denn meist war so eine Darbietung für Außenstehende schrecklich langweilig und öde.

Das war am 4. Januar im „Louis“ ganz anders. Zum zweiten Mal bereits wurde dort von Hammer Musikern eine Blues-Session veranstaltet, die nicht nur für die beteiligten Akteure, sondern auch für die sechzig Gäste hörenswert war. Egal, ob sie „vom Fach“ waren, oder nicht.

Natürlich gab es ausschließlich Blues zu hören, mit Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboards, Harp´s und Saxophon. Zur Freude der anwesenden „Fachleute“ im Publikum verschonten die „Sessionäre“ ihre Zuhörer mit improvisierten Langweilern, sondern präsentierten bekannte oder weniger bekannte Klassiker der Blues-Giganten. Die komplette „Kicking Up Dust“ - Band um Harper und Sänger Ingo Grefer war natürlich am routiniertesten, schließlich sind die Jungs ein eingespieltes Team. Aber auch die Kollegen, die für gewöhnlich nicht in einer gemeinsamen Band spielen, brachten eine unterhaltsame, abwechslungsreiche Show auf die Bühne, und sorgten für reges Kommen und Gehen auf dem kleinen Podium des „Louis“. Die Musiker, die gerade einmal nicht an der Reihe waren, konnten sich zwischendurch mal ein Bierchen gönnen, bis sie zurück an die Instrumente mussten. Die Harper waren glatt in der Überzahl, außer den Gitarristen natürlich: Der schon genannte Ingo Grefer, Berti Becher (sonst Keyboarder bei K.U.D.) und Walter Koch, ein Bläser der ersten Stunde. Die Gitarren bedienten u.a. Arndt Worbis, Jürgen Mevis und Thorsten Frerk, Michael Kunze blies das Saxophon, Reinhard Schulte, Mo Brandt und Dirk Schulte zupften den Bass, an den Drums saßen Thomas Iselt und „Dumpi“ und die Tasten drückten Berti Becher und Dieter Kotzak. Ich werde wohl einige Namen vergessen haben, sorry, aber ich konnte nicht mehr alle meiner Notizen lesen. Was ich aber nicht zu erwähnen vergessen möchte ist, dass es eine feine Sache ist, was der Betreiber des „Louis“, Hardy Weiß, in seiner Kneipe anbietet. Klein, aber fein!
Blues im „Louis“


J.T. & Bluetrain
Musikalische Reise durch das Delta
Es ging auf eine Reise durch das Mississippi - Delta mit J.T. &  Bluetrain, am Samstag, den 12. Januar im „Louis“ an der Oststrasse. Die Fahrkarte kostete 5,- Euro, nicht viel, für einen musikalischen Trip durch den Blues der 30er – 80er Jahre, trotzdem kamen erheblich weniger Mitreisende in die nette Kneipe, als eine Woche zuvor zur Blues-Session, denn hier war der Eintritt frei…! (Willi berichtet auf Seite 18)

Das Quartett mit Volker Wellenbrink (Drums, Vocal), Volker Speer (Bass), Rolf Trzeschan (Sound und Technik), Werner Kipp (Saxophon - war aber nicht mit dabei) und J.T. (Gitarre, Harp u. Vocal) hat sich der Musik von Robert Johnson, Muddy Waters, B.B. King, John Lee Hooker und anderen legendären Bluesgrößen verschrieben. Um 20.30 Uhr bestiegen die drei Musiker die kleine Bühne des „Louis“, J.T. hängte sich seine Gitarre um, setzte sich einen Hut auf, und fertig war der Bluesmusiker. Zunächst erklärte J.T. dem Publikum, warum er seine Texte abzulesen pflegt, er fühle sich dann einfach sicherer. Nun startete der „Bluetrain“ die musikalische Reise, J.T. zeigte sich äußerst beherzt an seiner Halbresonanz-Gibson „Lucille“ und war spieltechnisch durchaus anhörbar. Lediglich der Sound war kraftlos und ein wenig zu sauber für diese Art von Musik. Sein Gesang klang irgendwie . . . ich weiß nicht, irgendetwas fehlte einfach.

Was aber völlig indiskutabel war, zumindest für eine Band, die seit fünfzehn Jahren zusammenspielt, war eben dieses Zusammenspiel. Das passte nämlich zu oft gar nicht. Manchmal hüpfte der „Bluetrain“ gar aus den Schienen, einzig Volker Speer am Bass blieb souverän in der Spur, war aber ansonsten überaus unauffällig. Dann und wann sprang der Funke zum Publikum über, zum Beispiel als Drummer Volker Wellenbrink den Gesangspart übernahm. Songs wie „Crossroads“ von Robert Johnson, „Hangin´ Over“ von Keb Mo oder „Dust My Broom“ von Elmore James konnten überzeugen, oft aber blieben die Versuche der Band, authentisch zu sein, im mangelnden Feeling stecken. Über die Frechheit, Steve Ray Vaughn zu interpretieren, müde wie ein Ai (*), will ich mich lieber ausschweigen. Da konnten dann die akustisch gespielten Songs auf der Slide-Guitar den Fan wieder etwas besänftigen, aber vom Hocker riss die ohne Pfeffer präsentierte Abenteuerfahrt durch die Blues-Geschichte niemanden. Das Publikum spendete freundlichen Applaus, schließlich gaben die drei sympathischen Musiker ihr Bestes. Willi und seine Mitreisenden stiegen schließlich an der ersten Haltestelle zur Halbzeit aus dem Zug aus, um zu Fuß den abendlichen Weg fortzusetzen . . .
(*) „Ai“ - lt. Kreuzworträtsel = Faultier!

 

 
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