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![]() Willi Nr. 157 - März 2008 |
KnappkorteKnappkortes Senf: Also, nee! - Ansichten eines penetranten Zeitgenossen Nun, ich sehe das anders. Ich habe früher immer, wenn Werbung auf den Privaten lief, zum „Offenen Kanal“ umgeschaltet, und war nicht selten von den brisanten Interviews des Ulrich L. dermaßen gefesselt, dass ich das Zurückzappen auf den spannenden Krimi vergaß. Sätze wie „Na, auch hier?“, „Sind sie öfters hier?“ oder „Werden Sie wieder kommen“ bleiben im Gedächtnis eines Boulevardmagazin - Kuckers haften. Und der Schlusssatz des hurtigen Sensationsreporters „Danke für dieses Interview“ ist stets ein Höhepunkt der aufregenden Reportagen in der Programmlandschaft des Volkssenders gewesen. Unvergessen auch der Tatsachenbericht von einer Schiffsreise auf einem der großen Flüsse dieser Welt. U.L. war mit seiner Reisegruppe, mit der er unentwegt on Tour gewesen ist, an Deck des Schiffes und filmte in der Gegend herum.
Manchmal lief er, wie einst Hitchcock auch, durch das Bild, stets mit einem verstohlenen Blick in die Kamera, um der Dramaturgie zu einem Sahnehäubchen zu verhelfen. Er, oder seine Assistenten, bannten ein entgegenkommendes Schiff aufs Bild, dann wieder Mitglieder seiner Reisegruppe, dann erneut das näher kommende Wasserfahrzeug . . . nur, wie das gegnerische Schiff ein anderes breitseits rammte, das versäumte er zu dokumentieren. Sehen Sie, liebe Leser, das meine ich. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Historie des „Offenen Kanals“, der mit enormen Fördermitteln durch die Landesrundfunkanstalt über Wasser gehalten wird, er berichtet nichts Wesentliches. Heute kann ich zwar den Sender in meiner Wohnung nicht mehr empfangen, aber wenn ich mich mal so richtig ärgern will, fahre ich zu meinen Eltern. Die können noch. Mein Vater erwartet mich fast regelmäßig mit den Worten: „Die haben wieder Programmhinweise vom vorvorigen Monat gesendet - kuck mal.“ Und dann diese endlosen, ätzenden Autofahrten durch Hamm, mit einer Kamera hinter der Windschutzscheibe kommentarlos aufgezeichnet, aufregend, nervenzerfetzend und einfach nur überflüssig. Und erst die Kultur. Ich kann mich gut an eine Vorstellung des Kabarett -Programms von Lisa Fitz erinnern, das aufgezeichnet wurde. Keine einzige Pointe der scharfzüngigen Entertainerin entkam den Schneidekünsten des Cutters des Senders, alle wurden gnadenlos weggeschnippelt. Schade ist auch, dass die Kochsendung des „Kanals“ die eine kurzfristig dort tätige, jüngere Mitarbeiterin ins Leben gerufen hatte, nach nur einer Folge aus dem Programm genommen wurde. Zu einer Fortsetzung der viel versprechenden Reihe kam es nicht mehr. Vielleicht sind neue Ideen nicht wirklich erwünscht. Ich hab´ so etwas läuten hören! Ich weiß nicht, ob ein Verantwortlicher der Geldgeber das Programm jemals gesehen hat. Ich denke nicht, denn dann hätte er den Geldhahn sicherlich unverzüglich zugedreht. Zu Recht! Übrigens - die häufigste Sendung des „O.K.“ ist eine Schautafel, auf der steht: „Hier könnte Ihr Videobeitrag laufen.“ Nee, wirklich nicht. Freundlichst, Euer Knappkorte
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