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![]() Willi Nr. 158 - April 2008 |
LiteraturDAMENWAHL Die Ich - Erzählerin trifft im Amsterdam des Jahres 2005 zufällig auf Künstler verschiedener Genres, ihr alle zumindest aus der Ferne bekannt. Es handelt sich um Menschen, die zu einer Gruppe 68er und in ihrer jeweiligen künstlerischen Betätigung zur Avantgarde gehören. Das Gespräch, zu dem die Erzählerin sich gesellt, dreht sich um einen Todesfall, der 1981 in der Szene für Aufregung sorgte und dies nicht nur durch einen seltsamen Satz in der Todesanzeige: „Unser Engel ist gefallen.“ Clara Wevers, Lebensgefährtin des Komponisten Lucas Loos, war während eines Griechenlandurlaubes von einer Mauer in einen tiefen Abgrund gestürzt und konnte nur noch tot geborgen werden. Einziger Zeuge des Unglücks: Lucas Loos. Sich an den Satz in der Todesanzeige erinnernd und angeregt durch das Gespräch der ehemaligen Weggefährten des unglücklichen Paares (reale Vorbilder waren Peter Schat und Marina Schapers), macht sich die Erzählerin daran, die Verstrickungen, Zweifel und Ungereimtheiten des Vorfalls zu erkunden. Was dabei herauskommt, ist kein Schlüsselroman und schon gar kein Kriminalroman sondern ein Soziogramm eines Mikrokosmos der 68er-Generation in den Niederlanden und Psychogramm der Gruppe um das Skandalpaar. Hatte der Vollblutmusiker Lucas Clara getötet, um den Schmerz über den Tod eines geliebten Menschen zu erfahren und somit die Gefühlsbasis für das Schreiben eines Requiems zu legen? Oder wollte er sich Freiräume schaffen für sein Leben in der Homosexualität? Hatte Clara die ewigen Streitereien und Wortgefechte, die gegenseitigen Verletzungen, die Exaltiertheit ihres Partners satt? Wollte sie Lucas nicht mehr mit den jungen Männern in seinem Leben teilen und stürzte sich deshalb in die Tiefe? Oder war es tatsächlich ein Unfall und Clara fiel (betrunken?) von der Mauer? Auch die Autorin, die sich nach 24 Jahren erneut daran macht, die Wahrheit zu finden, kann keine Aufklärung bieten. Dafür lässt sie uns teilhaben an dem Diskurs der Freunde nach dem Vorfall, zeigt, wie deren Vorbehalte gegenüber Lucas ihre eigene Wahrnehmung und so auch ihre „Wahrheit“ prägen. Herausgekommen ist dabei ein ausgesprochen kluges Buch über die Musik und die Literatur. Connie Palmen nimmt uns wie in all ihren Büchern mit in ein Seminar zu philosophischen Grundfragen und wie immer ist es keine große Anstrengung sondern bei aller Komplexität der dargelegten Gedanken einfach unterhaltsam und spannend.
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