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Willi Nr. 158 - April 2008

Im Gespräch

Raus aus der Krise: Fröhlicher Abgang
Hammer Bestatter geht neue Wege
Seit Jahren schon befindet sich die deutsche Bestattungsbranche in der Krise. Nicht, dass nicht mehr gestorben wird, das Ableben hat nach wie vor Hochkonjunktur. Neueste Studien beweisen sogar, dass arme Leute, das so genannte Präkariat, also „Hartz-IV“-Empfänger, Manager, die ihr Vermögen in Liechtenstein an den deutschen Fiskus verloren haben und andere Leidensgenossen, früher sterben, als Menschen, denen es wirtschaftlich gut geht. Auch dumme, bzw. „bildungsferne“ Gruppen wie Journalisten, Gastwirte, Lehrer und Bundeswehrunteroffiziere stellen weitaus früher „die Schlappen hoch“, wenn ich das mal so salopp ausdrücken darf. Also eigentlich alles Gesellschaftsschichten, die der Bestattungsindustrie in die Hände spielen sollten. Tun sie aber nicht, denn diese Schicht hat einfach kein Geld, um sich würdevoll und mit Pietät versenken zu lassen.

Wohingegen Spitzenmanager, die ihre Millionen vor allen staatlichen Zugriffen sichern konnten, Schauspieler und Politiker, also alles Personen, die fernab jeglicher Realität unbekümmert ihr Dasein fristen können, weitaus länger leben, und daher, zumindest teilweise, für die Misere in der „schwarzen Zunft“ mitverantwortlich sind. Natürlich sterben auch die eines Tages, aber wenn, dann im sonnigen Ausland, in Kalifornien, zum Beispiel. Hier ist es seit Jahrzehnten üblich, den lieben Verstorbenen zunächst einzuäschern, um ihn später in einer Schatulle, einer Urne oder (in Texas) in eine Whiskyflasche gefüllt, auf den Kaminsims zu stellen. Hier hat man den Verblichenen, oder die teure Ehefrau, stets im Visier, bzw. unter Beobachtung. Im Zweifel kann man sich wehmutsvoll an ihn oder sie erinnern. Das alles aber heißt nicht, dass die amerikanische Bestattungsbranche hierunter leidet, im Gegenteil. In den USA haben sich die Bestatter immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um ihre Kundschaft spektakulär unter den Rasen zu bringen. Beerdigungen sind hier nicht selten ein Event, mit dem man sich ein letztes Mal in der Öffentlichkeit Respekt verschaffen kann, mindestens aber Beachtung. Und so haben sich neben den Unternehmen, die die Verstorbenen bestatten, viele Parallelbranchen gebildet, die sich an dem amerikanischen Boom beteiligen: Kostümschneider, Visagisten, Coiffeure, Clowns, Musiker, Entertainer und unzählige mehr.

Nun hat ein Hammer Bestattungsunternehmer die mutige Entscheidung getroffen, sich Anregungen bei den US-Kollegen zu holen, und die deutsche „Undertaker“-Branche zu revolutionieren. Die Traditionsfirma Heinrich Abwärts GmbH, seit einhundertzwanzig Jahren in Hammer Untergrund tätig, bietet ab April 2008 die „Sunny Funny“-Bestattung an, ein „Begräbnis der sonnigen Art“, wie ein Firmensprecher unserem Magazin erklärte. Die verstaubte, längst überholte „schwarze Reise“ untertage wird nun abgelöst von einer fröhlichen Fahrt in eine sichere Zukunft ohne Sorgen. Die Kirche steht dem Vorhaben des Familienunternehmens äußerst kritisch gegenüber, ob sich der lockere Umgang mit dem Ableben trotzdem durchsetzen wird, muss sich erweisen. Willi meint - probiert es aus, liebe Leser, und teilt uns Eure Eindrücke und Erfahrungen mit. jenseits@willi.de.

 

 
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