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Willi Nr. 158 - April 2008

Rückblick

„Remember The Daze“, Epitaph in Hamm
Gewaltiges Konzert im HoppeGarden
Wer so alt ist wie ich, und sich für Musik begeistert, der kommt an Epitaph nicht vorbei, denn bereits vor fünfunddreißig Jahren war die Band (nicht nur) in Hamm ein Begriff. Es gab zwar noch „Abacus“, die stammten sogar aus unserer Stadt, und waren qualitativ mindestens genau so gut wie die Rocker aus unserer Nachbarstadt Dortmund, aber die Musikstile der beiden Gruppen waren doch recht unterschiedlich. Entweder man stand auf Epitaph, oder auf Abacus, beides ging nicht. Ich gehörte der Epitaph-Fraktion an, bis heute. Ich kann mich an einen legendären Auftritt der deutsch/ englischen Formation in den Hammer Zentralhallen erinnern. Es war auf einem zweitägigen Festival, halbfünf Uhr morgens, die Besucher in der Halle hatten sich in ihre Schlafsäcke eingemummelt, die Musik einer gähnend langweiligen englischen Klassik-Rock-Band hatte ihnen diese Entscheidung erleichtert, als plötzlich ein Gitarren-Donnerwetter auf der Bühne losbrach, Epitaph war da. Alles wurde unweigerlich hellwach und erlebte einen gigantischen Auftritt einer fantastischen Band.

Und das war am 8. März im HoppeGarden, fünfunddreißig Jahre später, nicht anders. Zwar waren keine Schlafsäcke im Spiel, aber als Epitaph um 22.00 Uhr die Hoppe-Bühne betrat, ging es richtig zur Sache. „Remember The Daze“ heißt die aktuelle CD der Band, in der Sänger und Gitarrist Cliff Jackson, neben Bassist Bernd Kolbe Gründungsmitglied, noch immer den Mittelpunkt bildet.

Achim Poret sitzt nun am Schlagzeug, nachdem der langjährige Drummer Jim McGillivray die Gruppe verließ, und Heinz Glass ist gleichberechtigter Gitarren-Kollege, der sich mit Cliff Jackson nicht selten atemberaubende Solo-Duelle liefert, oder zweistimmige Passagen beeindruckend punktgenau und harmonisch perfekt einem staunendem Publikum präsentiert. Auch der vierstimmige Gesang des Quartetts war nicht von schlechten Eltern und hält internationalen Standards durchaus stand. Auslandserfahrung hat die Band ohnehin bereits, schließlich war Epitaph die erste Band, die durch die USA reisen durfte, obwohl das Abenteuer mit einem Desaster endete, denn die US-Plattenfirma machte Pleite, und ließ die Band mittellos im Stich. Aber das ist dreißig Jahre her und vergessen, geblieben ist eine Band, die in ihrer langen musikalischen Karriere Erfahrungen sammelte, die sie bis heute nutzen kann, und die Epitaph zu einer der profiliertesten und professionellsten deutschen Bands macht. Ihr „Hardrock mit Ohrwurm-Charakter“ zieht die Zuhörer ebenso in ihren Bann, wie die perfekte Performance der vier Musiker. Wenn die Profis dann und wann in Unna ein Konzert geben, lassen es sich  sechshundert Zuschauer nicht entgehen, in Hamm haben immerhin hundertzwanzig  ihren Ohrensessel verlassen! Keiner wird’s bereut haben.

Blues im HoppeGarden:
Dominik Clayton Band
Stammgast machte sich ein Geschenk
Wer in Köln lebt, ist entweder ein Narr, schwul, oder er hat den Blues. Letzteres traf ohne Zweifel auf Dominik Clayton zu, der am Samstag, den 22. März im HoppeGarden der Kulturwerkstatt mit seiner Band ein Konzert gab. Ein guter Freund des Hauses feierte an diesem Tag seinen fünfzigsten Geburtstag und sein Geschenk an sich war eben die Dominik Clayton Band. Über einhundert Gäste und Besucher waren gekommen, um den erst 23jährigen Gitarristen, Sänger und Songschreiber zu erleben, der mit seinen beiden musikalischen Freunden Gerd Harder (Bass) und Timo Ickenroth (Drums) den Blues zu seinem bisherigen Lebensinhalt gemacht hat. Um 21.45 Uhr betraten die drei die Hoppe-Bühne und starteten ihre Show mit „Treat me right“, einem Jive im Stile von Bo Diddley, um mit „Dreams“ fortzufahren, und so gleich auch die Blues-Rock-Freunde zu bedienen. Äußerst dynamisch kam schließlich „Everyday I have the Blues“ daher, ein Shuffle, leise und sehr dezent beginnend, dann kraftvoll mit gewaltiger Power, das Publikum mit einbeziehend. Überhaupt beteiligten sich die aufmerksamen Zuhörer an der Bühne intensiv an der Show der Dominik Clayton Band, während diejenigen, die zum Partymachen gekommen waren, zunächst im hinteren Bereich des HoppeGarden ihre Freizeit gestalteten. Doch mit zunehmendem Alter des Abends konnten sie sich der Musik der drei Kölner nicht weiter entziehen. Mit einem Schlagzeugsolo verabschiedete sich die Band in die Pause.

Nach zwanzig Minuten ging’s schon weiter mit „Mama, Mama“ einer der zahlreichen eigenen Songs des jungen Gitarristen, die an diesem Abend dominierten. Allerdings vernachlässigte Dominik Clayton auch seine berühmten Kollegen nicht, mit Muddy Water´s „Hoochie Coochie Man“ erfreute er die Bluesfreunde, die eher auf bekannte, ältere Songs stehen. „Going Down“, eine Nummer, die von unzähligen Interpreten gespielt wurden (Chicken Shack, Alexis Korner, Empty Bottle Bluesband, John Mayall usw.) war ein richtiger Hammer. Wer der Komponist einst gewesen ist, dürfte wohl im unendlichen Blueshimmel für immer verschollen bleiben. Sei’s drum, jeder Musiker hat bei diesem Song seine eigene Version, und die Dominik Clayton Band hatte die ihre.

Drei Zugaben mussten die drei Kölner Jungs geben, bevor das inzwischen ausgelassene Publikum sie von der Bühne lassen wollte. Mit „Hey Joe“, „Rock me Baby“ und „Crosscut Saw“ verabschiedete sich die Band. Ein glückliches Geburtstagskind und ein zufriedenes Publikum feierten bis zum frühen Morgen ausgelassen weiter.

 

 
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