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Willi Nr. 159 - Mai 2008

Knappkorte

Knappkortes Senf: Deutschlandhilfe
Ansichten eines penetranten Zeitgenossen
Vor ein paar Tagen war ich in der Werkstatthalle des Maxiparks bei dem Kabarettisten Georg Schramm, der sein Programm „Deutschland helfen - aber wie?“ vorgestellt hat. Mein Gott, der konnte sich aufregen, dagegen bin ich ein Waisenknabe. Und der hatte sogar auch noch Ahnung von dem was er redete. „Deutschland helfen“ - tja, wie kann man das nur? Ein bisschen geholfen werden wir ja nun durch die RTL-Reihe „Deutschland sucht den Superstar“ mit Dieter Bohlen als Hauptdarsteller. Ich meine natürlich nicht die Endphasen der Serie, wenn nur noch die besten übrig geblieben sind, die, die wirklich etwas können, und der Schrott bereits ausgemerzt ist.

Das ist nicht interessant, denn mit namenlosen Pop-Interpreten (ich vermeide das Wort Musiker) ist die Grundversorgung in der deutschen TV-Landschaft gewährleistet. Nein, ich finde die Idioten, die wirklich glauben, sie könnten irgend etwas, und von ihren Angehörigen oder Freunden auch noch in unverantwortlicher Weise unterstützt und bestärkt werden. Da habe ich ja Typen gesehen, da wirkt die Muppet-Show wie ein Intellektuellen-Kabinett. Natürlich könnten die Verantwortlichen des Senders diese peinlichen Vorführungen und selbst gewollten Bloßstellungen der schwachköpfigsten Kandidaten im Vorfeld aussieben, aber sind wir doch mal ehrlich, wer würde denn dann diese Sendungen noch kucken. Das ist doch gerade das Interessante daran, wenn eine Dame in mittleren Jahren, mit der Figur einer Abrissbirne ins Mikrophon schrillt „Ich hab´ die Haare schön“. Bei solchen Darbietungen sind die verbalen Ausfälle des Dieter Bohlen doch geradezu verständlich und menschlich absolut nachvollziehbar. Dieser Mix aus unzumutbaren Vorträgen verblödeter Fehlgeleiteter und die überaus treffenden Beleidigungen des „Pop-Titanen“ ist doch Unterhaltung pur. Ich gebe es gern zu, ich bin ein Fan von Dieter Bohlen. Er hilft Deutschland wirklich, wenn er es durch seine Beschimpfungen erreichen kann, dass solche „Superstars“ nach ihren Auftritten in ihren Kellern vergammeln.

Auch Jan Ullrich hat Deutschland geholfen. Eigentlich schon seit langem des Dopings überführt, leugnet er bis heute, jemals Eigenurin getrunken zu haben, oder war’s Eigenblut? Was auch immer, mit Zahlung eines sechsstelligen Betrages ist es ihm nun gelungen, einem Gerichtsverfahren zu entkommen. Das Geld entnimmt er sicherlich seiner Portokasse, oder bekommt er es gar von der Telekom? Schließlich hat er es ja nur vage angedeutet, dass sein Rennstall von seiner Leidenschaft gewusst hat. Verraten hat er seine ehemaligen Ernährer schließlich nicht. Geholfen hat er seinem Land, weil er bis heute als unschuldig gilt, ein Schuldanerkenntnis ist mit der Zahlung nicht verbunden. So hat er unserem Land ein Idol erhalten.

Und unsere Regierung erst, die hilft unserem Land auch ganz doll. Denn die große Koalition will nun doch nicht für alte Autos eine höhere Kfz-Steuer verlangen. Einhellig betonten unsere Minister Tiefensee, Gabriel und Glos, dass eine solche Steuer für 16 Millionen Autofahrer unzumutbar wäre. Wo kommt denn dann dieses Gerücht über eine so geplante Steuer nur her? Ob der Peer wieder laut nachgedacht hat, weil er seinen dicken Hals nicht vollkriegt? Wirklich dementiert hat er nicht, nur „eine Festlegung gibt es noch nicht“, sagt er. Diese Formulierung macht mir Angst. Aber bis nach der Wahl werden wir wohl verschont bleiben, dann allerdings . . . !

Unserm Land leider gar nicht geholfen hat übrigens der Vater von Michael Wendler. Der „Pop-Schlagerkönig“, wie der Wendler sich selber nennt, ist nämlich pleite, weil er eine Bürgschaft für seinen alten Herrn übernommen hatte, die er nun einlösen muss. Das bedeutet, dass der Kerl weitersingen wird, bis in alle Ewigkeit, fürchte ich. Ein Jahr Galgenfrist haben wir hier in Hamm aber noch, dann nämlich sucht er auch unsere Stadt wieder heim.

Tschüssi, Euer Ludger

 

 
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