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Willi Nr. 159 - Mai 2008

Rückblick

 „Thomas Berhard hätte geschossen“ - Georg Schramm im Maxipark
Absolute Spitzenleistung des politischen Kabaretts
Nicht erst die Satire-Sendung „Scheibenwischer“, vor Jahrzehnten von dem großen Dieter Hildebrandt ins Leben gerufen, hat ihn bekannt gemacht, nein - Lothar Dombrowski, der nörgelnde Rentner mit der Lederhand, war allen Polit-Kabarett-Freunden schon vorher ein Begriff. Alles was mit Comedy zu tun hat, muss man vergessen, wenn Georg Schramm, so heißt der Kabarettist mit bürgerlichem Namen, auf der Bühne steht, und sein Publikum mit den Realitäten in Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen schockiert.

Denn bei ihm bleibt einem das Lachen schier im Halse stecken. Erheiternd sind die Wahrheiten ohnehin nicht, umso erschreckender ist es, wenn man weiß, dass Schramm selten übertreibt, sondern einfach nur schonungslos anprangert. Am 18. April war der Freund von Dieter Hildebrandt im Maxipark zu Gast, und bot bitterböse Unterhaltung. Er trat vor sein Publikum in der Gestalt eines Referenten, der das Seminar „Deutschland helfen - aber wie?“ leitet. Der Redner beklagte die „innere Verzagtheit“ der Deutschen, die die allgemeine bedrückende Grundstimmung in unserem Lande noch verschlimmert. Auch resultierend aus der Gesundheitsreform nimmt die Lebensfreude rapide ab, trotzdem solle man die Volkswirtschaft mithelfen anzukurbeln, denn übergewichtige, saufende Raucher seien für das Land allemal besser (und wirtschaftlicher) als gesund lebende Bürger, die ein (beklagenswert) hohes Alter erreichen. Ein Zitat des ehemaligen Präsidenten der Bundesärztekammer untermauerte diese These beeindruckend: „Bei dem derzeitigen demographischen Wandel muss man sich zum Thema Sozialverträgliches Frühableben ganz neue Gedanken machen . . !“

Nun betrat Lothar Dombrowski die Szene und leistete sich mit dem Referatsleiter einen verbalen Schlagabtausch, bevor er die Bühne für sich allein beanspruchte. „Lachen sie nicht so fröhlich“, raunzte er das Publikum an, als sich die Zuschauer über sein erregtes Gehabe amüsierten. So unterbrochen in seinem Redefluss grübelte er: „ . . . ich wollte mich doch über irgendwas aufregen - ach ja!“ Dann bekamen unsere Vertreter von Politik und Wirtschaft ihr Fett weg: „Arbeitslose sind totes Humankapital ohne nennenswerte Rendite“, besagt eine Studie der Deutschen Bank, und die Arbeitsmarkt- und Gesundheitsreform unterstreichen diese menschenverachtende These auch noch. Dombrowski bewies mit eindrucksvollen Zahlen, (alle aus echten Statistiken der Verbände) dass „je größer die Arztdichte, umso geringer die Lebenserwartung“ sei. Nun ge-sellte sich der hessische Rentner hinzu, natürlich auch von Georg Schramm verkörpert. Er ist ein schlichter, sich den Halbgöttern in Weiß völlig ergebender Witwer, der es in einem bewegenden Monolog beklagte, seine Frau, nachdem sie einen Schlaganfall erlitten habe, durch Herbeirufen eines Notarztes gerettet zu haben, weil die Zustände in den Pflegeheimen menschenunwürdig sei.

Oberstleutnant Sanftleben war da erheblich unbekümmerter und zackiger, als er, leicht angeschickert von einem Kameradschaftsabend kommend, über das Abhandenkommen des Gefühles für einen ehrenhaften Soldatentod klagte. Man habe zwei Weltkriege in den Sand gesetzt, nun ist die Luft ´raus, signalisierte er allerdings Verständnis. Der Titel des Programms „Thomas Bernhard hätte geschossen“ wurde erst am Ende des Abends verständlich, als nämlich, anstelle einer Zugabe, Schramms Freund Dieter Hildebrandt per Konserve ein Zitat des Literaten verlas. Dieser Abend machte einmal mehr deutlich, dass Georg Schramm mit seinen Kunstfiguren zu den bedeutendsten deutschen Kabarettisten gehört. Zudem hat er gemeinsam mit Urban Priol mit der Sendung „Neues aus der Anstalt“ den nach Hildebrandts Ausscheiden abstürzenden „Scheibenwischer“ mehr als ersetzen können.

Livingroom-Blues im HoppeGarden - It´s Me
Hannoveraner Duo verbreitete Bar-Atmosphäre
 „Die beste kleinste Bigband der Welt“ schrieb  Rocknews Hannover, und gemeint war „It´s Me“, eine personell variable Band aus der Stadt an der Leine. (Fluss durch Hannover. d. Red.). Personell variabel heißt, dass die Gruppe als Quartett, mit Bass, Schlagzeug, Gitarre und Piano auftritt, als Trio, oder als Duo. Letzteres war schließlich am 12. April im Rahmen der Reihe „Livingroom-Blues“ zu Gast im HoppeGarden der Kulturwerkstatt. Melanie Maschke, Gesang, Perkussion und Gitarre und ihr Partner Ecki Hüdepohl, Piano und Gesang, boten in überaus gemütlicher Club-Atmosphäre im verkleinerten HoppeGarden einen bunten Reigen unterschiedlichster Musikstile von Blues, Jazz, New-Orleans-Honky-Tonk, Soul, Swing und Boogie Woogie. Durch die dezente Besetzung und nicht zuletzt durch die rauchige, dunkle Stimme von Melanie Maschke entstand eine stimmungsvolle Bar-Atmosphäre, unterstützt durch eine schummerige Beleuchtung von „Bühne“ und Zuschauerraum. Die etwa vierzig Zuschauer ließen sich gern auf die musikalische Reise durch die Musikstile mehrerer Jahrzehnte entführen, und lauschten - ohne übermäßiges Dazwischenquatschen - den interessant interpretierten Balladen („She´s watching Rain“), Pop-Songs („Kiss“) oder auch den eigenen Titeln der beiden sympathischen Musiker.

„Mardi Gras in New Orleans“ oder „Oh Happy Day“ bedienten die Louisiana-Abteilung, „Don´t Stop” erinnerte daran, dass Jackson Brown ein hervorragender Songschreiber ist und „You are so beautiful” machte deutlich, dass auch andere Musiker, außer Joe Cocker, gute Stimmen haben können. Der ein oder andere Rock´n Roll brachte das Publikum auf Trab und mit  „Harts On Fire“ („Ein Hartz-Song“ - Ecki Hüdepohl) sowie „One good Reason“ (In Hannover sind Partys recht langweilig, es muss daher „gute Gründe“ geben, um hinzugehen“ - Ecki Hüdepohl) bewies auch der Pianist seine Unterhalter-Qualitäten. Zudem lieferte er die perfekte Zweitstimme, und harmonierte mit Melanie Maschke überaus  beeindruckend.  Die Livingroom-Reihe  der Kulturwerkstatt hat sich inzwischen im HoppeGarden etabliert und ihr Stamm-Publikum gefunden. Erst recht nach der erfolgten Renovierung am Anfang des Jahres hat der Laden eine angenehme, intime Atmosphäre erhalten, und die schwarzen Vorhänge, mit denen der Raum verkleinert werden kann, sorgen dafür, dass man sich auch bei einem kleinerem Publikum nicht verloren vorkommen muss.

Die nächsten Termine: 17. Mai: L. Bow Grease / 27. September: Crazy Chris Kramer / 31. Oktober: Pete Alderton.

 

 
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