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Willi Nr. 160 - Juni 2008

Knappkorte

 Knappkortes Senf: SPD ade?
Ansichten eines penetranten Zeitgenossen
Die SPD löst sich auf. Eine überaus reizvolle Vorstellung, wie ich finde, aber leider ist das nur ein Gerücht. Aber etwas Wahres ist schon daran, wie bei jedem Gerücht. Als Gerhard Schröder seinerzeit den Job bei seinem Komplizen, dem lupenreinen Demokraten Wladimir Putin und seiner Gas-Firma sicher in der Tasche hatte, provozierte er Neuwahlen, die er, wie er auch wusste, verlieren musste. Seine Partei, die SPD (von der ich behaupte, es war nie „seine“ Partei) hatte er durch seine Politik längst zur Strecke gebracht, und langjährige Sympathisanten, Wähler oder Mitglieder (wie ich eines war) verprellt und in die Flucht getrieben. Das Fußvolk, das „Präkariat“, wie Müntefering die traditionellen Wähler der SPD zynisch nannte, hatten Schröder und seinen Superminister Wolfgang Clement ohnehin nie interessiert. Umso peinlicher musste es dem Gerd sein, einen arbeitslosen Halbbruder zu haben.

Sei’s drum, Schröder sitzt nun in der Chefetage, in der er, im Gegensatz zum Bundeskanzler-Gehalt, auch wie ein Chef entlohnt wird. Münte zog sich
nach einigen politischen Niederlagen in der eigenen großen Koalition ebenfalls aus der Politik zurück, weil er seine kranke Frau pflegen wollte. Auch Clement schwebt nun noch höher über seinen ehemaligen Wählern und meldete sich Gott sei Dank lediglich bei der Hessen-Wahl mit SPD-feindlichen Hetzparolen aus dem vergoldeten Exil zurück. Nun hat auch der ehemalige Terroristen-Anwalt und SPD-Innenminister Otto Schily seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Heißa, eine wirklich gute Nachricht. Da wirkt das Ausscheiden von Peter Struck und dem SPD-Bazi Ludwig Stiegler zwar nur als kostenlose Zugabe, deutet aber mit Nachdruck darauf hin, dass die Ratten die sinkende SPD zu verlassen im Begriff sind. Ach ja, der Günter Verheugen macht auch Schluss, aber der ist in „Europa“ ja eh niemandem vom Präkariat aufgefallen, nicht einmal unangenehm.

Der größte und schnellste Umfaller der letzten Jahre aber ist ohne Zweifel der bisherige Vorsitzende der Eisenbahnergewerkschaft Norbert Hansen, der einen Tag nach dem Bekanntwerden seiner neuen Tätigkeit als Arbeitsdirektor der Deutschen Bahn verkündete, es werde bei der anstehenden Neuordnung der Bahn nicht ohne Entlassungen abgehen. Er vermied dieses Wort nicht einmal, nannte die Rausschmisse nicht „Freisetzungen“, „Stellenabbau“ oder „Betriebsfreundliches Frühableben“, nein, er sprach von Entlassungen. Und die Lokführer sollten sich darauf einstellen, auf den kleineren Bahnhöfen, die nach der Teilprivatisierung nicht geschlossen werden, auch mal beim Gepäck ausladen zu helfen, die Toiletten zu reinigen oder die Zugabteile zu putzen. An sich nicht so schlimm, denn einen Zug nur zu steuern, lastet schließlich nicht aus. Aber diese Vorschläge von einem Gewerkschaftsboss zu hören, ist doch schon recht kurios.

Und das ist auch das, was ich meine, wenn ich sage, die SPD löst sich auf. Vor Schröder war diese Partei die Heimat der so genannten kleinen Leute. Es gab kein Präkariat, man war entweder arbeitslos, oder Sozialhilfe-Empfänger, oder man hatte, wie immerhin die meisten, eine Arbeit. Die Reichen gab’s auch schon, aber alles war nicht so extrem, so pervers und eher erträglich. Natürlich tut es mir weh, die Kohl-Ära zu beschönigen, aber die wirklich echten Existenzsorgen, auch der Mittelschicht, kamen erst mit Gerhard Schröder und seinen Komplizen. Nun könnte man sich über das Ausscheiden einiger der wichtigsten Köpfe dieser Periode freuen, aber was wächst denn nach? Kurt Beck, Siegmar Gabriel? Und Münte will auch wieder - schöne Aussichten.

Die letzte Umfrage ergab, dass 11% der Deutschen den Beck als Kanzler wollen. So viele sind’s doch noch???
Tschüssi, Euer Ludger

 

 
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