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![]() Willi Nr. 160 - Juni 2008 |
Rückblick„Neues von Hiob“ Extrabreit in Hamm - CD-Premiere im HoppeGarden Als die Band damals von der so genannten „Neuen Deutschen Welle“ mit dem Hit „Hurra Hurra die Schule brennt“ nach oben geschwemmt wurde bekam sie gleich ihren Stempel aufgedrückt, und wurde mit Nena, Fräulein Menke oder Hubert Kah in einen musikalischen Topf geworfen. Das war den Hagener Jungs schon damals gar nicht recht, aber wer wehrt sich schon gegen den Erfolg. Trotzdem sahen sie sich als Rockband, die sie ohne Zweifel auch bis heute geblieben sind. Während Nena in den Pop-Himmel aufstieg und Fräulein Menke bei UPS Pakete auslieferte, nahm Extrabreit Platten mit Hilde Knef oder Harald Juhnke auf, bevor sie sich schließlich trennten. Seit einigen Jahren sind sie nun wieder am Start, besser denn je - und wahnsinnig rockig. Das neue Album „Neues von Hiob“ beweist dieses eindrucksvoll. Schon als die Band gegen 21.45 Uhr die Hoppe-Bühne betrat, gab’s vom Publikum frenetischen Vorschuss-App-laus, der den ganzen Abend über nicht mehr verstummen sollte. Die alten Songs von Extrabreit, wie „Flieger, grüß mir die Sonne“, „Polizisten“ oder „Hart wie Marmelade“ (auch der Titel von Kai Havais Buch) waren kein bisschen angestaubt, klangen frischer und kraftvoller denn je, und die neuen Titel wie „Andreas Baders Sonnenbrille“, „König der Angst“, „Lärm“ oder „Osama Bin Laden - oder rat mal wer zum Essen kommt“ sind ebenfalls riesige Knaller, die den Weg in die Extrabreit - Ohrwurm-Galerie sicherlich mühelos schaffen werden. Der charismatische Kai Havaii bildete auf der Bühne ohne Zweifel den Mittelpunkt, um den sich alles drehte, aber Stefan Kleinkrieg, Gründungsmitglied aus den Anfangstagen an der Gitarre, Bubi Hönig an der zweiten Gitarre, Lars Larsson am Bass und Rolf Möller an den Drums ließen ebenfalls keine musikalischen Wünsche offen. Der Sound donnerte durch den HoppeGarden, laut zwar, aber glasklar. Das Wetter war ebenfalls auf der Seite der Veranstalter, so dass sich das Publikum zwischendurch immer wieder mal nach draußen in den Biergarten oder auf die Terrasse verziehen konnte, um nach Luft zu schnappen, denn warm war’s im HoppeGarden schon. Ein richtiges Rock-Konzert halt, mit einer Band, die, so scheint es, am Anfang einer weiteren langen Karriere steht. L.BOW GREASE - War nix mit Strandbar-Eröffnung Aber Gott sei Dank ist man flexibel, der HoppeGarden war schon auf solche Machenschaften des Wettergottes vorbereitet, und man verlegte das Konzert nach innen. Dort gab’s dann natürlich auch Cocktails, nur, dass man die nicht mit Sand, immerhin aber mit fantastischer Musik genießen konnte. Um 21.30 Uhr legte L.BOW GREASE los, überraschender Weise nicht als Trio, wie angekündigt, sondern als Quartett. Zur Stammbesetzung mit Guntmar Feuerstein (Gesang, Gitarre, Banjo, Mandoline) und Dave Jackson (Gesang, Gitarre) sowie Gast Sascha Loss (Fiddle, Harp), gesellte sich noch Ralf „Tibor“ Stemmer mit seinem akustischen Bass hinzu, und gab dem ohnehin vollen und abgerundeten Sound der Gruppe das berühmte „Sahnehäubchen“ obendrauf. L.BOW GREASE hat sich der Country - Music verschrieben, mit Schwerpunkt auf Hillbilly und Blue-grass, und ich habe selten eine Band gehört, die diese Musik derart authentisch und stimmig interpretierte - ach was red´ ich - lebte. Fast nur Eigenkompositionen gab es zu hören, mit mehrstimmigem Gesang, Fingerpicking, Banjoschrappen und einer Fiddle, die weinte, jauchzte oder zickig daherplapperte (was ein Wort. d. Red.). Das meiste an diesem Abend war von der neuesten CD der Band „Greased Lightning“. Mit „How Could I Love You“ ging´s tief unter die Haut, schmalzig und triefend, „Spam Mail“ hillbillyte im Up-Tempo und „Honky Tonk Women“ als Acoustic-Version überraschte sicherlich viele Zuschauer. Immer war ein Augenzwinkern der Musiker im Vordergrund, Guntmar Feuerstein machte mit seinen launigen Zwischenansagen mehr als deutlich, dass er (im Nebenjob) auch ein Comedian ist. Lediglich Till (Hoheneder), der als Gast anwesend war, erhob Einwände gegen die Darstellung, dass „Honky Tonk Women“ als Unplugged-Song ein Novum ist, denn die mitgebrachte CD der „Stones“ bewies, dass die schon vor Jahrzehnten ihren Song als Country-Version veröffentlichten. Gut – draußen im Strandkorb oder Liegestuhl wär’s schöner gewesen, aber auch so haben die Gäste im HoppeGarden ein überaus unterhaltsames Konzert gesehen.
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