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Willi Nr. 161 - Juli 2008

Knappkorte

Knappkortes Senf: Deutschland - ein Event!?
Ansichten eines penetranten Zeitgenossen.

Die Fußball-Europameisterschaft 2008 - mein Gott - endlich vorbei. Wenn Sie diese Willi-Ausgabe in Händen halten, ist Deutschland entweder Europameister, oder eben nicht. In jedem Fall aber ist das elende Spektakel endlich vorbei. Die Medien, hier in Hamm natürlich allen voran der „WA“, trieben die Menschen durch ihre Mega-Berichterstattung in eine selten da gewesene Hysterie hinein. Man konnte dem Ereignis - und dem Hammer „EM-Dorf“ - einfach nicht entkommen. Kein Tag verging, an dem nicht auf der Titelseite euphorisch über die Veranstaltung des Jahres berichtet wurde, im Innenteil natürlich sowieso. Sogar der „Hammer Summer“ musste drei Wochen lang in die zweite Reihe treten, undenkbar eigentlich. Nun mag man aus meinen Worten eine, sagen wir mal, gewisse Abneigung gegen Fußball herauslesen können. Das ist richtig, trotzdem ist eine solche Veranstaltung für eine „Großstadt“ wie Hamm natürlich eine tolle Sache. Allerdings, und das finde ich sehr bedauerlich, konnte der Fußballfreund, der gern im geselligen Kreis kuckt, annehmen, dass - außer an der Pauluskirche natürlich – in keiner Hammer Kneipe ein TV-Gerät oder gar eine Leinwand für die Gäste bereitstehen (oder hängen) würde. Noch bei der WM-2006 war da die Zusammenarbeit des Stadtmarketing mit den Hammer Gastronomen erheblich besser, ja sogar vorbildlich. Denn in der damals aufgelegten Broschüre „Hammer Heimspiel“ hatten alle interessierten Anbieter die Möglichkeit, für ihr eigenes „Public Viewing“ zu werben. Natürlich gab es kein WM-Dorf an der Pauluskirche . . . ! Dieses Mal gab es zwar auch ein „Hammer Heimspiel“, für die interessierten Gastronomen aber keine Werbemöglichkeit. Konkurrenz vom Leibe halten – oder wie mag man so etwas nennen? Wieder einmal mehr erwies sich das Stadtmarketing als „Innenstadtmittemarketing“! Auf zur „WM-2010“.

Kurt Beck wird demontiert, den Eindruck bekommt man, wenn man die Berichte in den Medien verfolgt. Nun ist der Mann wahrlich keine imposante Erscheinung wie Münte, keine beeindruckende Persönlichkeit wie Matthes Platzek oder erst recht keine Lichtgestalt wie Rudolf Scharping. Aber so schlecht, wie er, auch aus den eigenen Reihen heraus, gemacht wird, ist er nun auch wieder nicht. Schließlich setzte er doch den Kurs des großen Gerhard fort, die SPD unter die 20-Prozent-Hürde zu führen, sehr erfolgreich sogar. Also, liebe Genossen, was wollt ihr denn eigentlich? Den Steinmeier als Kanzler-Kandidat? Wenn ihr euch da mal nicht verschätzt. Warum sollte das Wahlvolk denn eine in der Welt sehr angesehene Kanzlerin abwählen, um einen in der Welt sehr angesehenen Außenminister auf den Thron zu heben. Denn mehr als ein halbwegs diplomatischer Regierungschef würde Steinmeier, so er denn gewählt würde, auch nicht sein. Also vom Regen, unter Umgehung der Traufe, direkt in die Scheiße. Wollt ihr das? Offensichtlich ja.

Aber natürlich gibt es noch andere Dinge, über die man sich getrost aufregen darf – unser Bundespräsidentenversuch Horst Köhler, zum Beispiel. Seine Befürworter preisen ihn in höchsten Tönen als Bürgerpräsidenten, der mit der Stimme des Volkes redet. Abgesehen davon, dass er sehr selten direkt zum Volke spricht – habt Ihr seine Reden schon mal vervolkt (?). In seiner letzten „Berliner Rede“, die er auch diesmal nicht vor dem Präkariat hielt, jubelte er, dass es in den letzten Jahren Millionen neuer Arbeitsplätze gegeben habe, und der Aufschwung auch beim Volke angekommen sei. Klar, wenn man Ein-Euro-Jobs, unsinnige berufliche Umbettungen oder komfortable Jobs auf Luxus-Kreuzfahrtschiffen als Arbeitsplätze bezeichnen, oder reiche Bürger, Weltkonzerne oder Banken und Versicherungen unter „Volk“ verstehen möchte, dann mag das stimmen.  Aber Bürger, die unsere Volksparteien (oder ehemalige) wählen sollen, die sehen das ganz anders.

Ach ja, ich vergaß: Der Regelsatz für Hartz-IV-Empfänger soll von 347,- Euro auf 351,- Euro angehoben werden. Ich nehm` alles zurück - der Aufschwung ist da.
Bis denn, Euer Ludger

 

 
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