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Willi Nr. 162 - August 2008

Kochen mit Willi

Rezeptvorschlag von Uli Schwarz - Fahrradhändler - „Halla“ springt (in die Pfanne)

Passend zu den Olympischen Spielen in China hier ein Rezept. Nicht irgendeines. Nein! Es ist eine Verbeugung vor dem berühmtesten Springpferd der Welt: Halla, die  Wunderstute mit Hans-Günter Winkler im Sattel. Der Reiter verletzt, die Stute allein auf sich gestellt, findet 1956 in Stockholm mit traumhafter Sicherheit über jedes Hindernis und trägt den Reiter zum olympischen Gold - soweit die nüchternen Fakten.

Das muss man aber gelesen haben: Herbert Plate: „Halla, berühmt und unvergessen“ - „Pferd und Mensch wachsen über sich hinaus. Hier geht es um mehr, als um eine Medaille. Ein Pferd macht das Wort vom treuesten Menschen-Gefährten auf großartige Weise wahr. Oh ja, da war noch reichlich Andacht im Spiel. Sportreportagen kamen damals oft blumig und theatralisch daher. Der Gipfel war erreicht, wenn Hans-Heinrich Isenbarth (der heißt wirklich so) von den großen Springreiterbühnen dieser Welt berichtete. Man spürte, dass er jedes Hindernis, hinter dem Reiter sitzend, mitsprang. Wir demütig Lauschenden durften teilhaben, wenn die Ikonen des Reitsports und ihre Wunderpferde über meterhoch gestapelte Balken sprangen. (Kein Pferd würde freiwillig über solche Hindernisse springen. Da ist viel „Erziehung“ notwendig).

Und wenn sie nicht mehr springen mögen, das letzte Gnadengras verdaut haben, ist es Zeit über eine Nachnutzung nachzudenken. In China wird bekanntlich alles gegessen, was Beine hat - außer Tische und Stühle. Nur Pferderouladen dürften im Reich der Mitte unbekannt sein. Die werden nämlich am Stück serviert, mit Stäbchen ist man da ziemlich hilflos.

Hier das Rezept::
Vier große Scheiben Rouladenfleisch mit Senf bestreichen und Paprika bestäuben. Mit einer Scheibe durchwachsenen Speck belegen, Zwiebelringe und Salzgurke drauflegen, salzen und pfeffern. Zusammenrollen und mit Küchengarn zusammenbinden. Schmalz in einem großen Schmortopf sehr heiß werden lassen. Rouladen scharf anbraten - dabei immer wieder bewegen. Nach ca. 8 Min. mit Rotwein und Wasser ablöschen. Hitze auf kleine Stufe regulieren. 1 Becher saure Sahne und 1 EL Tomatenmark einrühren und zugedeckt ca. 45 Min. köcheln lassen. Wenn die Rouladen beim Einstich mit einer 2zinkigen Gabel keinen Widerstand bieten, sind sie gar! Rausnehmen und warm stellen. In die Bratflüssigkeit je 1 EL Sojasoße und Sweet Chilli-Soße geben. Dann mit 1 kl. Becher Creme fraiche einmal kurz aufkochen lassen.
Beilagen: Salzkartoffen, Rot- oder Rosenkohl.

Weinempfehlung: Bordeaux „Cheval Noir“
Musik: Bruce Low: „Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand“ oder „Fury in the Slaughterhouse“
* und  was ist mit „Lassie“

Leserbrief
zum völlig überflüssigen Nachtrag des Herausgebers:
Lieber Willi, weniger lieber Herausgeber,
Als Ergänzung zu dem von mir verfassten Rezept der „Frikadellen im Staubmantel“ hat der Herausgeber des „Willi“ es für nötig befunden darauf hinzuweisen, dass die Frikadelle ursprünglich von der Amerikanerin Julia Bulette aus Nevada erfunden wurde. Das ist eine ebenso falsche wie ungeheuerliche Behauptung.

Abgesehen davon, dass die Bezeichnung „Bulette“ im nordöstlichen deutschen Sprachraum gebräuchlich ist, und aus dem Französischen (Boulette für „Kügelchen“) stammt, ist die „Frikadelle im Staubmantel“ eine Kreation von mir, und nur von mir!
Im Übrigen wurde in den USA die Hackfleischscheibe erstmals 1948 von den Gründern der „McDonalds“ - Kette Richard und Maurice McDonald entwickelt, die die beiden Brüder schließlich als „Hamburger“ in der ganzen Welt berühmt machten. Zutaten waren unter anderem das Fleisch vom Rind, Salz und Pfeffer, sowie, in den Anfangsjahren, eine geringer Prozentsatz vom Indianer, jedoch zu keiner Zeit das Fleisch vom Stachelschwein.

Vielleicht sollte der Herausgeber einfach nicht mehr soviel trinken, dann hat er wahrscheinlich auch weniger bescheuerte Einfälle.
Ulrich Holesch (Frikadelle-im-Staubmantel-Erfinder)

 

 
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