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Willi Nr. 163 - September 2008

Knappkorte

Knappkortes Senf: Unhygienische Zustände
Ansichten eines penetranten Zeitgenossen
So einiges ist in den letzten vier Wochen passiert, über das ich mich getrost aufregen darf, allen voran natürlich Wolfgang „Graf Rotz“ Clement. Nicht nur, dass er vor der Hessenwahl bekanntlich quasi davon abriet, die Ypsilanti, und somit seine eigene Partei, die SPD zu wählen. Nein, er hat zudem in Aussicht gestellt, dieses auch erneut zu tun, falls ihm danach sein sollte. Was wird da eigentlich noch gezögert, der Mann muss aus der ehemaligen Volkspartei ausgeschlossen werden, die übrigens nie wirklich seine Partei war. Stattdessen zeigen sich alle Genossen erleichtert über die Presseaudienz, die er gewährte, und freuen sich über seine Entschuldigung. Haben die eigentlich alle nicht zugehört? Er hat sich nicht entschuldigt, lediglich sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass er missverstanden worden ist. Er wollte nicht all´ die kleinen Plakatkleber brüskieren, die Wahlkampf mit eigenen Händen betreiben. Aber lieber Wolfgang „Rotz“, das wissen wir doch, so dämlich sind selbst die Noch-SPD-Wähler nicht. Nein, niemand hat dich missverstanden, du wolltest, dass die SPD die Wahl verliert. Und Dein Wille geschah! Also, was willst du noch in dieser Partei, verzieh´ dich endlich. Am besten dahin, wo das russische Gas gefördert wird.

Begleiten sollte ihn übrigens auch der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin, der kürzlich den Ärmeren unter uns empfahl, dicke Pullover anzuziehen, wenn wir demnächst keine Kohle mehr für Heizgas oder -Öl haben sollten. Gute Idee, Genosse Rambo (Zitat: Rheinische Post), aber woher soll das Präkariat das Geld für dicke Pullover nehmen? Von Sarrazin stammt auch der Ausspruch: „Für fünf Euro in der Stunde würde ich jederzeit arbeiten“. Soviel zum von der SPD geforderten Mindestlohn von mindestens 7,50 Euro. Aber bitte Herr Senator, wenn sie ihren Job in Berlin für ´n Fünfer machen wollen, wir haben nix dagegen. Nur befürchte ich, dass dieser Kerl für fünf Euro nicht einmal ans Telefon gehen würde. Aber was mich noch mehr ärgert, ist, dass die Kritik der Öffentlichkeit an diesem Verhalten, auch an dem von Clement, Schily, Schavan (150-Km-Flug für 26.000,- Euro Steuergelder) und anderen Komplizen auf völliges Unverständnis der Betroffenen stößt. Und jetzt kommt (wahrscheinlich) auch noch der Münte zurück, wo der doch die Rente mit 67 durchgesetzt hat, und eigentlich lieber Nelken züchten sollte.

Auch die Deutsche Bahn macht wieder von sich reden. Ich meine nicht die von Bahnchef Hartmut Mehlwurm angekündigte unverschämte erneute Preiserhöhung, sondern die Toiletten im Hammer Hauptbahnhof. Zwar muss man an dem Drehkreuz im Eingangsbereich erstmal 50 Cent einwerfen, um Zutritt zu erhalten, wer allerdings erwartet, dass das Geld für den Unterhalt und die Säuberung der Örtlichkeiten verwendet wird, der irrt. Und dass die Bahnverwaltung Ohnmacht demonstriert, weil der Betrieb der Sauställe in private Hände gegeben wurden, ist der Gipfel der Frechheit. Zwar darf der Reisende für die Benutzung bezahlen, die Reinigung sei aber zu teuer und unwirtschaftlich für den Betreiber. Ach Gott, das tut mir aber leid für den Pissbecken-Unternehmer, wie wär’s denn mit dem Einsatz von Ein-Euro-Jobbern, dann brauchen nur zwei Fahrgäste pro Stunde ihre Notdurft verrichten, um die Sauberkeit zu gewährleisten. Und jeder weitere Nutzer würde in die Geldbörse des Unternehmers pinkeln.

Zynisch und gesundheitsgefährdend ist dagegen der Vorschlag eines Hammer-Bahnhofs-Sprechers, die Fahrgäste mögen, wenn ihnen die Benutzung der Bahnhofs-Örtlichkeiten zu gefährlich ist, die Brunz-Kammern der Züge aufsuchen. Das geht ja nun gar nicht, da mache ich mir doch lieber in die Buxe, das ist hygienischer. Und überhaupt - auf jeder Zigarettenschachtel muss ein schwarz umrandeter Aufdruck auf die gesundheitlichen Risiken der Glimmstängel  hinweisen. Warum ist eine solche Warnung nicht vor den Toiletten der Bahnhöfe oder Züge gesetzlich vorgeschrieben?

 

 
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