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Willi Nr. 164 - Oktober 2008

Lyrik

oktobriges morgenrot

oktobrige morgenröte,
die luft riecht mannigfaltig.
inmitten früher frische
atmen mir faulig die toten entgegen
(so viele schon, so viele)
mein eignes ende liegt in der luft,
ich rieche mein sterben:
aber nicht will ich weinen.

die welt verfällt,
matschbunte blätter modern im rinnstein.
mein haar ist nass,
das hat der morgentau gemacht,
und nicht die tränen.

am himmel herbstliches lachen,
auch die toten schallen: HA!,
und ihr atem schlägt mir ins gesicht.
golden die inschrift zuweilen
auf den schwarzen steinen der gräber.

morgenröte, oktober,
bäume und sträucher wiegen im wind.
inmitten früher frische
liegt das ende schwer im nassen haar.

nicht kommen wieder die toten,
nicht schwimmen sie zurück
im strom heisser tränen.
ein sterben liegt mir im blut,
das hab ich aus der luft geatmet,
das lag auf den strahlen der sonne,
morgensonne, oktober:

die luft riecht mannigfaltig,
inmitten früher frische
singt ein vogel ferne frühlingshoffnung:
und nicht will ich weinen.

© Mone Hartman – http://www.mone-hartman.de

 

 
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