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Willi Nr. 164 - Oktober 2008

Knappkorte

Knappkortes Senf: Bildungsurlaub
Ansichten eines penetranten Zeitgenossen

Ach du liebe Zeit, schon wieder die SPD, es hört einfach nicht auf. Ich war jetzt drei Wochen aus dem Verkehr gezogen. (Arrest wegen nichteinbringlicher Geldstrafe, verhängt wegen „Sich Zeigens in schamverletzender Weise“). Da konnte man nur bedingt die Tagespresse lesen, den „Spiegel“ aber wohl. Und in der Titelstory wurde ich dann vor vollendete Tatsachen gestellt, dass man tatsächlich den Steinschröder (Steinmeier!!! d. Red.) als Kanzlerkandidaten gekört (gekürt!!! d. Red.) hatte. Und der Münte kam aus dem sauerländischen Untergrund und übernahm auch gleich den Vorsitz seiner Partei. Und der Beck verzog sich schmollend zurück nach Rheinland-Pfalz. Was für ein Narrenhaufen. Und was macht das Wahlvolk? Es lässt diese Partei in den Umfragen gleich um vier Prozentpunkte ansteigen . . . , tja, so sindse halt.

Aber nun zu wichtigen Themen. Meinen dreiwöchigen Zwangsaufenthalt habe ich sinnvoll genutzt, ich habe einfach einen Bildungsurlaub daraus gemacht. Neben dem „Spiegel“ gab es in der Anstalts-Bibliothek noch eine Reihe anderer intellektueller Wochenzeitschriften: „Das Neue“, die „Bunte“, „Das Goldene Blatt“, „Die Aktuelle“ und viele andere. Was ich beim Studieren dieser Druckwerke erfahren habe, kann mir keiner mehr nehmen. Mein kultureller Erfahrungsschatz erfuhr in diesen drei Wochen eine Aufwertung, wie ich sie mir nur wünschen konnte:    Boris Becker trifft sich, trotz seiner Liaison mit diesem Party-Flittchen, immer noch mit seiner letzten Liebe. Howie Carpendale hat seine saufende Langzeitfreundin abserviert und flirtet wieder auf Deubel-komm-raus. Heidi Klum bekommt ein Baby - Heidi Klum bekommt kein Baby - Heidi Klum ist tieftraurig - Heidi Klum ist wieder die alte - Heidi Klum hat sich mit Seal versöhnt - Heidi Klum hat harten Stuhlgang! Und dann die Endlos-Farce mit Amy Winehouse, die ja so gern mit Janis Joplin verglichen wird. Janis hat auch gesoffen, stimmt. Aber sie konnte auch hackenbreit noch singen, Winehouse dagegen (welch ein Name übrigens) macht nur noch Schlagzeilen, weil sie sich in der Öffentlichkeit wie eine offene Hose benimmt, Journalisten und Passanten beschimpft, bespuckt oder verprügelt, und Konzerte platzen lässt. Ich weiß wirklich nicht, warum über diese Frau überhaupt noch berichtet wird. Es reicht doch (zur gegebener Zeit) die Schlagzeile: „Winehouse in einer Jack-Daniels-Pulle ersoffen“.

Und dann die Homestory über den großen Schauspieler Heinz Reincke. Ich habe in vier Zeitschriften die Artikel über ihn gelesen, alle berichteten über sein schweres (gesundheitliches) Schicksal. Alle Fotos wurden am selben Tag aufgenommen, in ähnlichen Posen, Situationen und in derselben Kleidung des Künstlers. Aber die Aussagen, die die verschiedenen Berichte den Lesern vermittelten, waren recht unterschiedlich.

(1) „Heinz Reincke hat, nach erfolgreicher Krebsoperation, nach einer Harninfektion und anderen gesundheitlichen Problemen, seine Wiener Wohnung behindertengerecht umbauen lassen, neue Möbel gekauft, trinkt gegenüber früher (Bier und Korn) heute lieber einen Schoppen Wein und dreht auch wieder (im Sitzen zwar) den „Landarzt“. Er schaut zuversichtlich und voller Humor in die Zukunft.

(2) Heinz Reincke geht es wieder besser, er wird von einem Freund betreut, hat für sich und seine Frau je einen City-Shopper (motorisierter, komfortabler Rollstuhl - nicht billig!) gekauft, um wieder am öffentlichen Leben teilnehmen zu können. Früher konnte er mühelos „eine Kneipe leersaufen“, heute trinkt er lieber eine Flasche Wein am Tag. Er sitzt oft auf seiner gemütlichen Dachterrasse und schaut in die Ferne. „Schade, dass ich nicht mehr weit verreisen kann“, sagt er.

(3) Heinz Reincke ist schwer krebskrank, ist durch starke Gleichgewichtsstörungen bewegungs-unfähig, sitzt oft auf seinem Balkon und starrt ins Leere, trinkt literweise Alkohol und kann sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen.

(4) Heinz Reincke ist tot.

Zugegeben, letzteres hat kein Blatt behauptet, hätte mich aber nicht gewundert.
Ach so, Stefan Mross hatte kein Verhältnis mit einer 20jährigen Volksmusikziege, ist aber trotzdem ein Arschloch. Arme Stefanie Hertel.

Bis dann, Euer Ludger

 

 
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