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![]() Willi Nr. 164 - Oktober 2008 |
Ansichten einer AnachronistinLiebe AtomstromverfechterInnen! Ich bin jetzt auch dafür! Neuerdings hört man ja viel Positives über Atomkraftwerke. Gut, gewiss hatten sie jahrelang dieses schlechte Image. Aber das ist jetzt vorbei! Das Atomkraftwerk ist schon so gut wie rehabilitiert. Jahrelang hat man sich verrückt gemacht: Wohin mit dem Müll, wohin mit dem Müll? Ha! Was ist das für eine Argumentation: Wohin mit dem Müll? Ich will es Ihnen sagen: Das ist eine 1a-Messie-Argumentation. So wie der Messie hilflos zwischen seinen Überraschungseiverpackungen, Damenschuhen von neunzehnhundertzweiundachtzig, den sehr alten Pizzapackungen und den vorsichtshalber aufgehobenen Einkaufstüten der letzten zwölf Jahre steht, so verhält es sich auch mit dem Atomkraftgegner. Er sieht die Lösung vor lauter Problemen nicht! Dem Messie will es nicht eingehen, dass er endlich einen Container bestellen muss. Natürlich sind das erst mal Kosten, aber die lohnen sich! Dem Atomkraftgegner will gleichermaßen nicht eingehen, dass wir Helgoland nicht brauchen. Ich meine: Kennen Sie vielleicht jemanden, der auf Helgoland wohnt? Eben. Trotzdem war fast jeder schon mal da. Aber ich frage Sie: Würden Sie gern noch MAL hinfahren? Nein. Denn zu genau erinnern Sie sich daran, wie Ihnen schon auf der Fahrt schlecht geworden ist. Und dann die Enttäuschung: Auch Helgoland ist einfach nur eine Nordseeinsel. Kann man abhaken, haben Sie sich gedacht, noch mal muss ich hier nicht hin. Es liegt also auf der Hand: Evakuieren wir einfach die paar Helgoländer, die es gibt. Und zack, schon haben wir eine Menge Platz für das bisschen Müll! Immerhin sind Atome so klein, dass man sie mit bloßem Auge nicht einmal erkennen kann. Natürlich könnte man diese winzigen Dinger auch einfach ins All schießen. Die Außerirdischen sind garantiert technisch viel weiter als wir, die wissen genau, wie sie mit so was umzugehen haben. Siehe Kornkreise! Die kriegt keiner so schön hin wie die Außerirdischen. Dass der Ökostrom total überschätzt wird, wurde mir ja bereits durch die Stadtwerke bestätigt (WILLI berichtete). Und sogar namhafte Prominente bekennen sich heutzutage zum Strahlenspaß aus der Steckdose! Zum Beispiel neulich im Fernsehen. Eine unbekannte Dame brüstet sich mit ihren Ökostromwechselpartys. So ein Firlefanz, denken die Prominenten ringsum, sagen aber erst mal nichts. Bis sie gefragt werden, ob sie denn auch schon Ökostrom hätten. Als erstes ist Ranga Yogeshwar, der seriöse Wissenschaftler, an der Reihe. „Also“, sagt er und seufzt intellektuell, „da kommt ja auch kein anderer Strom aus der Wand.“ Ich fühle mich sofort bestätigt: Genau das gleiche haben mir die Stadtwerke auch schon gesagt! Vor JAHREN! Echte Pioniere also, Hut ab. Noch ist er aber nicht fertig, der Fernsehwissenschaftler. „Es reicht ja auch nicht, NUR Ökostrom zu haben“, weiß er, „da wären ja dann immer noch die Heizung und so weiter.“ Sehr richtig, sehr richtig! Lieber gar nicht erst anfangen, dann kann man auch nichts falsch machen. „Aber es ist ein erster Schritt“, bemerkt die unbekannte Partyveranstalterin spitzfindig. Doch Schauspielerin Maria Schrader ist um keine Entgegnung verlegen: „Ich gehöre zu den Leuten, die man an die Hand nehmen muss. Wenn ich mir jetzt alleine im Internet einen Anbieter aussuchen müsste, also, das würde ich schon zeitökonomisch gar nicht schaffen!“ Zustimmendes Nicken unter den Prominenten. Nur die Moderatorin muss sich natürlich als Spielverderberin outen: Also fühle sich Frau Schrader vom Klimaschutz überfordert? „Ja“, antwortet Frau Schrader, und man kann deutlich sehen, dass sie sich etwas Bedeutendes von der Seele geredet hat. „Das Bewusstsein hat sich verändert“, schließt Hobbyeinstein Yogeshwar, „aber es gibt eben keine schlüsselfertigen Lösungen.“ Genau. Und deshalb ignorieren Sie doch bitte in Zukunft diesen ganzen Quatsch wie www.lichtblick.de oder www.greenpeace.de. Alles Blödsinn! Verstrahlt,
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