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Willi Nr. 166 - Dezember 2008

Knappkorte

Knappkortes Senf: „Bürger“ und Initiative
Ansichten eines penetranten Zeitgenossen

Und wieder einmal wurde in Hamm etwas verhindert, nämlich die T€DI - Europa-zentrale. Die Firmenführung wollte deren Standort von Dortmund nach Hamm verlegen, genauer gesagt, nach Hamm-Rhynern, in den Nobel-Vorort unserer Stadt. Aber da hat man wieder einmal die Rechnung ohne den Bürger gemacht, sprich ohne die Bürgerinitiative, die sich um den Grünen-Vertreter Carsten Weymann flugs bildete. Sicher wollte man sich den herrlichen Blick auf die Autobahn nicht von einem übergroßen Gebäude verbauen lassen, und die von der Firma zugesagten 1000 Arbeitsplätze würden ja sowieso nicht von den „Rhyneranern“, sondern eher vom „Präkariat“ in Hamm in Anspruch genommen. Außerdem handelte es sich ohnehin nur um geringfügig Beschäftigte. Wie auch immer, nun wird T€DI in Dortmund investieren, vergrößern, und der Stadt Arbeitsplätze verschaffen. Da werden in mir Erinnerungen an den ebenfalls verhinderten Lippesee wach. Hamm ist eben merkwürdig und kurios, immer schon gewesen. Es wundert mich allerdings, dass das „Heinrich-von-Kleist-Forum“ (KuBiz) ohne Probleme durchgewunken wurde, und sich keine Bürgerinitiative zur Erhaltung maroder, hässlicher und leerstehender Bauwerke gegründet hat.

Was ist nur aus unserer „Meile“ geworden, warum gibt es hier keine Bürger(Wirte)-initiative? Seit Jahrzehnten ist die Südstrasse die Unterhaltungs-Gastronomie in unserer Stadt. In den Sechzigern machten Marianne und Wolfgang Witteborg aus den Kneipen der Straße mit geschickten Konzepten und innovativen Ideen Live-Clubs, Discos, Bistros, Cafés und Bars. Spätestens nach dem Tod des Ehepaares, der zunächst „Boris“ aus seinem derzeit  immer noch aktiven Gastronomenleben, und nur kurze Zeit später auch seine Marianne in den Kneipenhimmel rief, begann der Niedergang der Südstrasse. Witteborg und die anderen Gastronomen unterhielten eine lockere Betreiberrunde, die gemeinsam versuchten, ihre Strasse „sauber“ zu halten. Was inzwischen hier passiert, kann man kaum noch fassen. An Wochenenden sollte man sich nach 1.00 Uhr nur noch in größerer Runde dort bewegen, Schlägereien, Pöbeleien, ja sogar Schlimmeres gibt´s in regelmäßigen Abständen. Die unterschiedlichsten Nationalitäten treffen sich dort, um Zoff zu machen, sich zu prügeln und Unbeteiligte anzugreifen und zu verletzen. Die Polizei ist zwar präsent und greift auch durch, aber wenn die Beamten am nächsten Tag zum Dienst erscheinen, treffen sie nicht selten auf die Übertäter, die ihnen beim Verlassen der Wache grinsend zurufen: „Na dann bis heut Nacht“. Das ist äußerst unbefriedigend.

Auch im Umfeld der Meile ist es inzwischen nicht mehr sicher, wenn ich mich in der Nacht auf den Nachhauseweg mache, benutze ich künftig ein Taxi, obwohl ich nur einen Fußweg von fünf Minuten habe. Das ist gut für die Taxi-Unternehmer, aber schlecht für die (bald ehemaligen) Meilen-Gäste. Ich weiß, wovon ich schreibe, erst kürzlich bin ich von einem „südländischen Typ mit Migrationshintergrund“, wie es die Polizei vorsichtig formulierte, ohne erkennbarem Anlass angegriffen worden. Mein „Veilchen“ bot in meinem Bekanntenkreis noch tagelang Stoff für Häme.

Keiner der Meilen-Gastronomen kann ein Interesse daran haben, dass bestimmte, meist männliche (aber nicht nur!!!) Flegel ihre Gäste belästigen oder bedrohen. Warum schließen sie sich nicht zusammen, und engagieren einen privaten Sicherheitsdienst, wenigstens an Wochenenden, der die Ordnung, besonders aber die Sicherheit der Gäste gewährleistet. So teuer kann das doch nicht sein. Ansonsten wird es nicht mehr lange dauern, bis sich die treuen Meilengänger einen anderen Wirkungskreis suchen. Und wenn die Gäste in den Kneipen wegbleiben, weil sie davor gefährdet sind, wird es für die Betreiber bittere Folgen haben. Dann können die sich nämlich bald nur noch mit „Flatrate-Saufen“ über Wasser halten.

Bis bald,
Euer „Veilchen-Ludger“

 

 
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