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Willi Nr. 166 - Dezember 2008

Ansichten einer Anachronistin

Liebe VerschwörungstheoretikerInnen!
Haben Sie sich je gefragt, warum alle chicen, neuen Handys plötzlich Kameras mit fünf Megapixeln haben? Oder warum auf einmal schlagartig die Dualcore - Prozessoren auftauchten? Oder warum die digitalen Spiegelreflexkameras wie auf Kommando ALLE so billig geworden sind? Auf diese Fragen kann es nur eine Antwort geben: All dies wurde von langer Hand geplant. Gewöhnen Sie sich daran, dass Sie hereingelegt werden, und zwar Tag für Tag! Natürlich existieren im Geheimen bereits zehntausend Gigabyte-Festplatten. Oder haben Sie vielleicht geglaubt, der Gehirnchirurg operiere mit Unterhaltungselektronik? Sind Sie etwa bisher davon ausgegangen, die Astronauten schwirren mit Windows XP im All herum? Und die Geheimdienste, denken Sie nur an die Geheimdienste! Liebe Mitmenschen, mich als Mitglied im Club der Liebhaber von Verschwörungstheorien (CLV) treiben diese Ungereimtheiten schon seit langem um. Doch wofür betreibe ich schließlich mein mysteriöses Speziallabor, in dem ich untertage das Weltgeschehen ausspioniere? Genau. Ich mich also auf den Weg gemacht, durch die geheime Tapetentür hinter dem Original Rembrandt, den Laborschlüssel aus dem von einer giftigen Gabunviper bewachten Tresor geklaubt (zum Glück beherrsche ich die Schlangenbeschwörerflöte!), und zack, die tausendjährige Wendeltreppe hinabgewetzt. Schon war ich am Ziel!

Ommawörterbuch Teil 75
jmd. eine tunken - jmd. eine reinhauen

Als erstes warf ich natürlich einen Blick in meine elektrische Wahrsagerkugel. Sie bestätigte mir prompt, dass ich mit allen Vermutungen richtig lag. Ich fühlte mich sofort sehr gut! Ich bin da einer ganz großen Sache auf der Spur, dachte ich und warf meinen selber gebauten Computer an. Ich lasse mich künftig nicht mehr aufs Glatteis führen, nahm ich mir innerlich vor. „Na dann, viel Erfolg“, feixte der Computer. Ich erschrak. Zwar habe ich ihm persönlich das Gedankenlesen beigebracht, doch ich habe noch immer etwas Respekt davor. „Soll ich dir mal was sagen“, fragte der Computer, und ich sah ihm an, dass er keine Antwort erwartete, „deine dämlichen Verschwörungstheorien gehen mir ganz schön auf den Sack.“ „Seit wann duzen wir uns“, erkundigte ich mich pikiert, „und was heißt hier überhaupt Sack?“ „Ja, ja, komm mal wieder runter“, erwiderte der Computer, „ich meine natürlich: Kommen Sie mal wieder runter. Jedenfalls, von wegen Verschwörung und so, das weiß doch jeder Arsch, dass die Sache mit der ganzen Technik, die auf den Markt kommt, industriell gesteuert ist.“ „Da wäre ich mir nicht so sicher“, wandte ich ein. Der Computer machte ein abfälliges Furzgeräusch. „Die dümmsten Vollidioten wissen es vielleicht nicht“, räumte er unwillig ein, „was willst du jetzt eigentlich genau von mir?“ „SIE“, berichtigte ich. „Was wollen SIE jetzt eigentlich genau von mir“, fragte der Computer. „Ich dachte, du kannst Gedanken lesen“, fragte ich verärgert. „Ich wollte nur höflich sein“, entgegnete der Computer. „Okay“, sagte ich, „ich hätte gern zu Weihnachten einen dreißigtausend Gigahertz-Rechner mit vierzigtausend Gigabyte-Festplatte.“ Der Computer seufzte gequält. „Aye, Madam“, sagte er, aber mit sarkastischem Unterton. „Supi“, freute ich mich, „dann können wir ja zu Silvester mal auf dem Mond vorbeischauen und die Mondlandungslüge entlarven.“ Ich war sehr motiviert. „Wenn es sein muss“, nörgelte der Computer. „Es muss“, sagte ich. „Seien Sie mal froh, dass Sie mich haben“, sagte der Computer. „Bin ich“, sagte ich, „bin ich.“

Konspirativ,
Ihre Bianca

 

 
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