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![]() Willi Nr. 179 - Januar 2010 |
Ansichten einer AnachronistinLiebe WeihnachtsdekorationsbesitzerInnen! Ich bin seit jeher ein großer Weihnachtsfreund. Ohne Adventskranz, Baum und Flitter läuft gar hier gar nichts. Ich besitze sogar einen Stern aus Lamettabüscheln, dessen viel-farbige elektrische Kerzen bei Inbetriebnahme psychedelisch blinken. Ommawörterbuch Teil 84 Meine Freunde akzeptieren diese Neigung weitestgehend, manche teilen sie sogar. Meine beste Freundin Scholastika besteht zum Beispiel jedes Jahr auf ihrer Nordmanntanne. „Der Engel kommt hier oben dran“, sagte mein Vater, „dafür baue ich dir noch eine Halterung.“ Ich war sofort begeistert. Bisher hatte es die Krippe meiner einen Oma tun müssen, die streng genommen jedoch nur aus vier Figuren bestand, ohne Stall und Menagerie. Die neue Krippe hatte meiner anderen Oma gehört. „Für das Licht im Stall gibt es auch eine Ersatzbirne“, informierte mich mein Vater. Er hatte mal wieder an alles gedacht. „Die Figuren sind aus den Fünfzigerjahren“, trumpfte er auf, denn er wusste, dass ich Altes und Romantisches liebte, „die waren damals richtig was wert!“ Ich betrachtete die freundlichen Gesichter der Könige. Einer trug einen langen Bart. Der Weise aus dem Morgenland sah ein bisschen aus wie der Sarotti-Mohr. Er war mir sofort sympathisch. Mein erster Weihnachtsbaum hatte einer zahnlosen, einäugigen, hinkenden Katze mit zerrauftem, flohzerfressenem Fell geglichen. Es war einer der letzten seiner Art gewesen, ein Überbleibsel, das kurz vor Heiligabend bei Famila zu Schleuderpreisen verhökert wurde. Schön war er nicht, aber günstig. Er kostete mich meine letzten fünf Mark. Zu Hause stellte ich ihn auf einen Hocker, damit man ihn überhaupt sah. Seine struppigen Zweige ragten asymmetrisch in alle Richtungen, und wo immer man die Lichterkette anheftete, sanken sie schlaff herab. Es war kein schöner Anblick. „Hm“, sagten meine Freunde, die mir beim Aufstellen geholfen hatten, „dreh ihn doch mal!“ Der Baum passte sehr gut zu dem alten, Wellen werfenden Teppichboden in Marmorimitatoptik. „Für nächstes Jahr hast du jetzt eine richtig schöne Krippe“, fand mein Vater. Ich stellte mir vor, wie der Engel in seiner Halterung über dem Stall schwebte, das Lagerfeuer flackerte, die Wiese im Kerzenlicht schimmerte und freute mich schon. „Dieses Jahr“, korrigierte ich. „Stimmt“, sagte mein Vater, „dieses Jahr! Das ist ja gar nicht mehr so lange hin!“ Und dann gab es Essen. |